New York lässt sich nicht in die Knie zwingen
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Photo by W. Stock

Man hat diese Stadt schon oft abgeschrieben und auch die Journaille hat sie mehr als einmal nieder gemacht. Was hat man nicht alles hören und lesen müssen! Die Stadt sei verdreckt, sie sei schmuddelig, korrupt, zugemüllt, ein Moloch, eigentlich unregierbar.

All das Lamento hat sich als Lug und Trug herausgestellt. Heute ist New York springlebendig, fröhlich, ja geradezu heiter, und vor allem optimistisch. In diesen Tagen scheint mir die Stadt so vital wie nie, den Blick nach vorne und doch mit beiden Beinen in der Gegenwart.

Das liederliche Image von einst verbesserte sich peu à peu. Manhattan ist heute sicher und die Spitzbuben sind verschwunden. Auch ist New York so sauber wie in keinem Jahr zuvor. Selbst den Rauchern ist das Vor-die-Tür-Gehen mittlerweile zu blöd und so ist New York fast frei vom blauen Dunst.

Hier in dieser Stadt werden die Ideen entworfen und umgesetzt, hier zeichnen sich neue Trends und Lebensgewohnheiten ab. Die Läden sind hip, ebenso wie Kunst, Musik, Malerei, Literatur. Alles hüpft, alles sprudelt, wie frischer Champagner in einem alten Glas. In Manhattan wird vorgelebt, was mit einigen Jahren Verzögerung auch zu uns kommt.

New York bleibt die Stadt der Immigranten, eines melting pot aus Kulturen, Religionen und Traditionen, der anderswo schon längst zerborsten wäre. Die Menschen, die hierhin kommen, wissen, auf sie wartet keine einfache Herausforderung. Jedoch spüren sie auch, dass sie es schaffen können, mit Fleiß, mit Elan und mit Kreativität. If you can make it there, you’ll make it anywhere.

Nichts, aber auch wirklich gar nichts, hat New York in die Knie zwingen können: Nicht eine stümperhafte Verwaltung, nicht die Mafia, nicht dilettantische Politiker, nicht das Verkehrschaos auf den Strassen, und auch nicht die Finanz- und Bankenkrise der letzten Jahre.

Selbst 9/11, ein Bombenanschlag auf das offene Herz, hat diese Stadt weggesteckt. Diese Stadt ist resistent gegen den Hass, gegen den Pessimismus, gegen Widrigkeiten aller Art und gegen jede Miesepetrigkeit. Andere wären an diesem Anschlag verzweifelt, hätten wer weiß was getan oder wären dem Schwermut verfallen. Nicht diese Stadt, nicht diese Menschen.

Es bedurfte ein paar fähiger Politiker, einiger Unternehmer, die an das Große dachten, ein paar Leute mit Mumm in den Knochen und vor allen bedurfte es einer kühnen Vision. Jener Vision, die lebendigste Stadt der Welt sein zu wollen. Komme, was wolle. Whatever will come.