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Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Bei der alten Tante New York Times

Photo by W. Stock

New York, im Oktober 2009

Die beste Tageszeitung der Welt. In diesem luftigen und hellen Glasgebäude an der 620 Eighth Avenue in Manhattan residiert sie. Wenn in den USA der Pulitzer-Preis für herausragenden Journalismus zu vergeben ist, dann schneien die Trophäen in das NYT-Gebäude aus hellem Marmor wie bei einem Blzzard nur so herein.

In den unteren Etagen des Verlagshauses , dort wo über drei Etagen die Newsdesks der 1.200 Redakteure der New York Times stehen, herrscht allerdings eine miese Stimmung. Die Geschäfte laufen nicht wirklich gut und gerade hat der Verlag angekündigt, über 100 Schreiber vor die Tür zu setzen.

Im obersten Stockwerk, in der 28. Etage, hingegen sprüht die Kreativität. Fast in Wohnzimmer-Atmosphäre hat hier die New York Times Research & Development Group ihre Büros. Die R&D-Verlagsabteilung, populär auch New York Times LAB genannt, kümmert sich um Wichtiges – nämlich um die Zukunft.

Welche Bedürfnisse besitzen die Leser zukünftig? Auf welche Endgeräte werden die Inhalte der Zeitung gespielt? Wie speise ich die Inhalte in diese verschiedene Kanäle ein? Wo identifizieren wir neue Themenfelder?

Michael Young, der Creative Technologist, lässt uns in sein Lab hineinschauen. Man wähnt sich nicht bei einer betulichen Tageszeitung, sondern in der Software-Schmiede eines Technologie-Konzerns.

Was sind die Themen? Die personalisierte Tageszeitung, da wird getüftelt, Projekt CustomTimes. Die Integration von Videos mittels Chip in Zeitschriften. Mobile natürlich. Die Inhalte der NYT sollen sich allen Endgeräten automatisch anpassen, vom winzigen Handy über das Tablet bis hin zum Riesenschirm. Virtuelle Tastatur. Real Time Verkehrs-News für ganz New York zusammen mit Google Maps.

E-Reader werden auf Herz und Nieren geprüft. Mit Apples Tablet wird hier der große Durchbruch erwartet. Ein virtueller News-Concierge ist in Arbeit. Alles spannende Projekte, bei manchen Prototypen kribbelt’s, hier wird die Zukunft der Medien gestaltet.

In der 28. Etage an der 8. Avenue ist die alte Tante NYT dabei, sich neu zu erfinden. Man kriegt förmlich vor Augen geführt: Zeitungen werden nicht sterben, sie werden nur anders.

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Ein ziemlich schlaffer Playboy

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George Walther ist eine Type

  1. apple

    Das Schöne an den Online-Versionen von Zeitungen und Zeitschriften ist, dass es einfacher ist, einen Leserbrief zu verfassen. Das Negative daran ist, dass das Niveau der Leserbeteiligung (Siehe z. B. Zeit-Online) ständig sinkt und allzu leicht (vielleicht wg. Anonymität) äußerst radikale Ansichten geäußert werden. Das Schöne daran wiederum ist, dass die Lektüre gerade der Kommentare, die Stimmung im Lande oft ungeschminkt wiedergibt. (Was die diskutierten Artikel vielleicht provozieren wollen?)

    Die Entwicklung wird interessant. Ich habe allerdings noch nicht versucht, bei der NYT einen Kommentar loszuwerden. Mal sehen, kann ja noch werden.

    Dennoch: Richtiges Papier in der Hand zu halten, ist schon richtig gut.

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