STOCKPRESS.de

Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Teddy Stauffer erklärt den Swing

Teddy Stauffer erklärt den Swing
4.65(92.94%) 17 votes

Teddy Stauffer in Acapulco, November 1982; Photo by W. Stock

Verächtlich wurden sie in den Nazi-Jahren Swingheinis genannt, um zu zeigen, dass sich hier nicht das Gute, Schöne und Wahre der deutschen Kultur manifestiere. Und der beste Swingheini in Deutschland war der Schweizer Teddy Stauffer.

Über 300 Schallplatten haben Teddy Stauffer und seine Original Teddies in den 30er Jahren aufgenommen. Das war Rekord. In den Hitlisten standen sie eh immer ganz oben. In Berlin und Leipzig waren Teddy und seine Mannen so bekannt wie heute Lady Gaga und Madonna zusammen.

Die Stauffer Band war smooth, swinging und vor allem hot. The hottest Band in Town. Und hot bedeutete in jenen Jahren auf jeden Fall sehr amerikanisch. Als ich Teddy Stauffer im November 1982 in Acapulco besuche, unterhalten wir uns auch über die Swing-Musik in der Weimarer Republik.

Teddy Stauffer liebte den großen Auftritt, gefiel sich in der Rolle des Master of Ceremonies. Als Solist hat er sich erst in zweiter Linie gesehen. Ich habe Saxophon gelernt, war immer mehr der Frontmann, das Bindeglied zwischen Band und Publikum. Der große blonde Bandleader, war ein Liebling des Publikums, insbesondere jener Zuhörer, die auf weibliche Vornamen hören.

Was hat Ihre Musik ausgezeichnet? Ist es der Swing?, frage ich Teddy. Es ist der Swing. Niemand kann richtig erklären, was der Swing ist. Aber der Swing ist zu allererst ein guter Rhythmus. Sicher, Swing ist ein Rhythmus, ein Musik-Stil, da hat Teddy Stauffer recht, er ist aber eben auch eine musikalische Haltung. Man kann Swing nicht lernen, meint Teddy, Du hast ihn, oder du hast ihn nicht. Es gibt phantastische Instrumentalisten, die aber nicht swingen können. Wie hatten immer einen guten Rhythmus, auch wenn wir schlecht gespielt haben.

Stauffer war die amerikanischste Band in Deutschland. Das Konzept hat er sich in Übersee abgeschaut. Ich war 1935 in New York, in Harlem. Ich habe Duke Ellington gesehen, Glen Gray. Die Technik und die Arrangements in Amerika haben mich beeindruckt. Durch einen Notenservice haben wir uns immer die neuesten Hits nach Berlin schicken lassen, und wir waren dann immer die ersten, die sie in Europa auf Schallplatte hatten.

Und die Teddies eiferten ihren Vorbildern nach. Das hat den Nazis natürlich nicht gefallen. Doch wirklich Ahnung von der Musik, die ihnen nicht ins Weltbild passte, hatten die braunen Machthaber nicht. Was die Nazis in Deutschland als Swing-Musik kritisierten, das war dich nur eine schlechte Kopie. Es gab Orchester, die versucht haben, Swing zu spielen, das war aber verheerend. Das war zickig, die haben den Swing einfach nicht gehabt.

Das Gefälle zu den US-Big Bands verkleinerte sich im mondänen Berlin nach und nach. Wir haben damals den Möni Stomp aufgenommen, eine Komposition meines Pianisten Buddy Bertinat. Das braucht sich vor amerikanischem Standard nicht zu verstecken. Das hat Präzision. Solch ein Saxophon-Quartett hat es nie vorher gegeben. Vier Saxophone, und da waren Höllerhagen und der Eddy Brunner dabei.

Swing sei eine Lebenseinstellung, meint der betagte Band-Leader, den es später nach Mexiko verschlagen hat. Mein Orchester hatte Persönlichkeit, das waren 16 verrückte Jungs mit derselben Idee. Swing, das war damals Avantgarde. So wie heute Hip-Hop oder Rap. Da wurde Musik gegen den Strich gebürstet und dem Mainstream eine lange Nase gezeigt. Wir haben, kann man sagen, Revolution gemacht in der Musik.

Vorheriger Beitrag

Friedrich August von Hayek geht es gar nicht gut

Nächster Beitrag

Auf den Hund gekommen

  1. Alexander Riemscheid

    Mit Freude sehe ich, dass Sie an Teddy Stauffer erinnern. Auch Deutschland hatte eine grosse Swingtradition, die leider von den Nazis kaputt gemacht wurde. Und Teddy Stauufer war von allen Großen damals der Größte. Danke!
    Alexander Riemscheid

Schreibe einen Kommentar

Für Kommentare bitte ausrechnen: *

Läuft mit WordPress & Theme erstellt von Anders Norén