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Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Das Gute gegen das Böse – unentschieden, vorerst

Das Gute gegen das Böse – unentschieden, vorerst
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Gestern Nacht das Spiel im spanischen Supercup zwischen dem FC Barcelona und seinen Erzrivalen Real Madrid. El Clásico. Es ging, wie immer zwischen den beiden, kräftig zur Sache. Am Ende stand ein gerechtes Remis, zwei zu zwei. Die Zuschauer in Madrid sahen ein körperbetontes, ruppiges Spiel. Barcelonas Hoffnungen ruhen auf dem Rückspiel am Mittwoch im heimischen Camp Nou.

Nicht nur Fussball-Ästheten weltweit, vor allem ganz Katalonien hat über Barças Tore gejubelt. Més que un club, heißt die Losung beim FC Barcelona, dieser Verein sei mehr als nur ein Klub. Und sicherlich auch mehr als nur Fussball.

Dazu muss man wissen, dass sich durch den FC Barcelona auch immer die Opposition des katalanischen Nationalismus gegen die verhasste Madrider Zentralregierung ausdrückte. Im Futbol Club fand das katalanische Bürgertum jenes Ventil, das half, die Schäbigkeit der Diktatur etwas erträglicher zu ertragen.

Die Spiele des FC Barcelona gegen Real Madrid waren in den grauen Tagen der Diktatur deshalb auch immer ein Match von Gut gegen Böse, von links gegen rechts, von Aufmüpfigkeit gegen Unterdrückung, von Ehrgefühl gegen Niedertracht. Wenn der FC gegen Real Madrid gewann, dann hieß der Dreiklang: Sieg für Barcelona, Sieg für Katalonien und Sieg für die Demokratie.

Stets wurde im Club, selbst als es unter Diktator Franco verboten war, Katalanisch gesprochen. Das Stadion heißt tapfer Camp Nou, was Katalanisch ist und auf Spanisch müsste die Arena eigentlich Campo Nuevo heißen.

Bei den Spielen weht in einem Fahnenmeer neben den blauroten Vereinsfarben mindestens so oft die Senyera, die gold-gelbe katalanische Flagge mit den vier roten Streifen. Und die Fans feuern – fabu i molt bé – ihre Jungs auf Katalanisch an.

Vor dem Spiel betrat ich jedes Mal den grünen Rasen und durchschritt dieses riesige Stadion, damals das größte Europas. Dann wurde die katalanische Nationalhymne Els Segadors von den 120.000 Zuschauern lauthals geschmettert, erst dann liefen die Spieler ein. Und wenn Barcelona siegte, dann gewann auch Katalonien. Dann gewann das Gute.

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  1. Stephan Vater

    Madrid hat sich von der ganz häßlichen Seite gezeigt. Ein brutales Foul an Fabregas, Beleidigungen, Beschimpfungen, Schlägerei. Das war wirklich böse!

  2. Sven

    Das Gute hat im Rückspiel gesiegt. 3 :2. Geht doch…

  3. apple

    Wenn ich mich recht erinnere, spielte Bayern München Ende der 1960er-Jahre und auch noch später in Rot-Blau. 1860 natürlich traditionell in Weiß-Blau. Doch ähnlich wie in Spanien bei Barca und Real, galt 1860 als der „Arbeiter-Verein“ während die Bayern schon damals, auch ohne so prominente Mitglieder, der Verein der „Besseren“ war.

    Auch damals gab es Kleinkriege, aber die „Waffen“ bestanden meist nur aus Freude und Schadenfreude. Ich kann mich an keine gewalttätigen Ausschreitungen erinnern.

    Es macht aber keinen Sinn vergangenen Zeiten hinterher zu träumen. Wenigstens auf dem Platz wird auch heute noch (zumeist) Fußball *gespielt*.

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