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Asunción/Paraguay, im Januar 1988

El Excelentisimo, der General des Heeres, der Oberkommandierende der Streitkräfte, der Oberste Richter des Landes, der Führer des Partido Colorado und der Präsident auf Lebenszeit, Don Alfredo Stroessner, sieht sich als Friedensengel. In Frieden leben, in Frieden arbeiten, verheißen seine Plakate und Parolen, die straff über Strassen und Plätze gezogen sind.

Doch der Friede des General Stroessner gleicht einer Friedhofsruhe. Das ganze Land gleicht dem. Schon seit 1954 schon regiert der Sohn einer paraguayischen Mutter und eines eingewanderten Brauerei-Buchhalters aus dem fränkischen Hof das Land mit eiserner Faust. Fragt man unabhängige Beobachter über den General, immerhin Jahrgang 1912, so kriegt man über ihn höchst unterschiedliche Einschätzungen zu hören.

Für die einen ist er ein ausgekochtes Schlitzohr, einer der mit Zuckerbrot und Peitsche Opposition und Querulanten 35 Jahre lang im Zaum gehalten hat. Für andere ist er eine Witzfigur, ein ziemlich verkalkter Caudillo, kurz: ein Mann, dessen Zeit eigentlich schon lange abgelaufen ist.

Wenn seine Partido Colorado, die kurioserweise Partei der Roten heißt, zur Eröffnung einer Telegrafenstation mit dem Präsidenten in ein entlegenes Indiodorf ruft, deklamieren bestellte Jubelchöre gequält den fremdklingenden Namen. Die Spontanität ist ein jedes Mal gut organisiert. Und unter all diesen Rufen „Ehsstrohzner, Ehsstrohzner“ winkt dann immer ein unauffälliger, glatzköpfiger alter Herr mit Kartoffelnase und Stiernacken seinen Untertanen gehemmt zu.

Don Alfredo putscht sich 1954 an die Macht des südamerikanischen Binnenstaates und regiert das Land wie ein General ein Land zu regieren pflegt. Paraguay wird zur Militärdiktatur, zu einem Staat, der Menschen verschwinden lässt, wenn es ihm gefällt, zu einem Regime, das foltert und mordet.

Das Land verkommt zu einem Herrschaftssystem, in dem der Soldat alles und der Mensch nichts gilt. Ob der General bei getürkten Wahlen nun 80 oder 90 Prozent erreicht, ist etwa so bedeutend, wie wenn sich in Australien ein Dackel kratzt.

Übrigens, der Diktator Alfredo Stroessner ist unser Diktator. Denn er könnte jeden Tag zur bundesdeutschen Botschaft gehen und sich, als Sohn eines Deutschen, einen schönen grünen deutschen Pass geben lassen. Aber lassen wir das, dies ist eine ganz andere Geschichte.