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Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Kategorie: Sylt (Seite 2 von 2)

Der „Was-gibt-es-denn-hier?“-Shop

gefunden in Westerland/Sylt, im Mai 2008; Photo by W. Stock

Westerland auf Sylt. Mitten in der Fussgängerzone ein hübsches rot-weisses Ladenschild. The North Face. Darunter: Never stop exploring.

Obacht, wir befinden uns nicht in London, und auch nicht in Dublin oder San Francisco. Trotzdem englischer Markenname, englische Markenerklärung. Kann man machen. Muss man aber nicht verstehen.

Den Laden The North Face fand ich in Westerland, wohl immer noch Deutschland, wenn auch knapp an der oberen Spitze. Eigentlich sollen Namen, Marken und Werbung aufklären. Bei Geschäften sollen sie möglichst drei Fragen beantworten: Was bietet mir der Laden als Kunden? Welche Produkte kann ich hier kaufen? Warum soll ich diese gerade hier kaufen?

Natürlich kann man Interessent und Käufer auch kräftig verwirren. Ihm ein unverständliches Ladenschild quasi als Worträtsel in den Weg stellen. Also dann, was gibt es denn bei The North Face auf Sylt zu erstehen? Es darf lustig geraten werden. Mode? Taschen? Reisen? Fragen über Fragen.

Da muss man schon ganz gut Englisch können, um all das zu verstehen. The North Face. In lockerem Deutsch, wenn man denn will: Die Nord Wand (eines Berges) – Bleib neugierig!

Für Leute, die hoch hinaus wollen. Bei The North Face gibt es wahrscheinlich Trecking-Kleidung, so schlußfolgere ich.

Aber auf Sylt? Wo es keine Berge, sondern nur Sanddünen gibt. Und wo man über die höchste Düne schauen kann, wenn man sich nur auf die Zehenspitzen stellt?

Das Ganze lässt uns dann doch ziemlich ratlos. Jedoch hier naht die Aufklärung. Bei The North Face gibt es in der Tat Outdoor- und Trecking-Kleidung. Auf Sylt – und das ist das hiesige Profil –  können auch Surf-Bretter und Surf-Kleidung gekauft werden. All das hätte man uns aber vielleicht auch einfacher sagen können!

Hero Kind lebt auf Sylt und es geht ihm gut

Hero Kind in Keitum/Sylt, Mai 2008; Photo by W. Stock

Das sind Stunden, die man sich nicht wünschen kann im Leben: Am 2. Juni im Jahr 1996, es ist ein Sonntagabend, ist Hero Kind in seinem Düsseldorfer Wohnzimmer umgefallen. Einfach so. Ohne Vorwarnung. Schlaganfall. Nach ein paar Tagen zwischen Leben und Tod und drei Wochen künstlichem Koma hat sich der ehemalige ECON-Verleger mit Disziplin und eisernem Willen in diese Welt zurück gekämpft.

Das war vor 14 Jahren. Heute lebt Hero Kind auf Sylt, wo er in Keitum ein schönes altes Friesenhaus am Wattmeer besitzt. Gesundheitlich geht es Hero Kind gut, den Umständen entsprechend, wie man so sagt. Noch immer haben Nachwirkungen der Krankheit sich nicht vertreiben lassen. Da sind vor allem noch die lästigen Lähmungserscheinungen in Bein und Arm.

Aber im Kopf, und das ist die gute Nachricht, da ist er hellwach. Er weiß Bescheid, was so vor sich geht in der Welt und in der Buchbranche. Wie früher sprudeln die Ideen aus ihm heraus, er hat kreative Geistesblitze auf der Höhe der Zeit, er entwirft neue Produkte, er hat pfiffige Marketing-Einfälle.

Und er erinnert sich noch an so vieles und an so viele aus seinen ECON– und Metropolitan-Tagen. Er kennt Namen, die ich schon längst vergessen habe und weiß um Autoren, die vor einem Vierteljahrhundert den Verlag besucht haben. Und – das ist das Schönste – er hat sich nach wie vor seinen trockenen Humor und seine Selbstironie erhalten.

Am Leben nimmt Hero Kind, ein Jurist des Jahrgangs 1944, rege teil. Er ist Nachrücker im Kirchenvorstand von Keitum, einmal die Woche geht es zum therapeutischen Reiten. Er liest viel, jeden Tag die Financial Times Deutschland, jede Woche Die Zeit und auch das Buchgeschehen verfolgt er aufmerksam. Manche Verlagshäuser schicken ihm Vorschauen. Einen Verlag wie den von Antje Kunstmann bewundert er, der entspricht seiner Philosophie: außergewöhnliche Autoren, anregende Themen, schöne Ausstattung.

Der Buchhändler Schwarz aus Keitum, der einen kleinen und schönen Laden am südlichen Kliff besitzt, kommt jeden Geburtstag bei ihm vorbei. Und ab und an rufen Kollegen an oder sagen Guten Tag, wenn sie auf der Insel sind. Das freut ihn, da lebt er auf, denn er möchte dieser sympathischen Buchbranche und seinen Menschen noch so viel mitteilen.

Hero Kind kann sich in Haus und Garten bedächtig, aber selbstständig bewegen, für Strecken im Ort nutzt er den Rollstuhl. Auch längere Reisen sind möglich, ein Mallorca-Urlaub zum Beispiel oder der Trip nach Berlin.

An seiner Seite seine Frau Simone, der Hero Kind verdankt, dass seine Genesung so kräftige Fortschritte gemacht hat. Die beiden Kinder, Juristen ebenfalls, kommen oft zu Besuch. Bei seiner Familie findet Hero Kind den Rückhalt, den er braucht, um jeden Tag ein wenig mehr zu genesen. Und auch die Ruhe und das Heilklima von Sylt tun das ihre dazu.

siehe auch: Hero Kind, der letzte ECON-Verleger

Kaffee für den Connaisseur

Photo by W. Stock

Sylt, im September 2010

In den letzten Jahren haben Kaffee-Bars weltweit für Aufsehen und Furore gesorgt. Das war nicht mehr Omas Café-Kultur von einst, sondern moderne, intelligente Kaffeehäuser mit breitem Angebot und lockerem Ambiente. Ob nun das jugendliche Starbucks, die San Francisco Coffee Company oder das schnelle McCafé – der Kaffee steht als Synonym für das gesellige Chillen beim Genießen.

Ein Kaffee-Kleinod ist auf Sylt zu entdecken. In der ruhigen Paulstrasse 5b im Westerländer Zentrum findet sich – unscheinbar und unspektakulär – das kleine kaffeelager. So wie um den Tee auf der Insel schon seit Jahrzehnten ein wahrer Kult getrieben wird, so versucht das kleine kaffeelager als Spezialitätenhandlung für Kaffee und Verwandtes den Insulaner und Besucher das schwarze Gold näher zu bringen.

Man kann hier nicht nur Kaffee kaufen, sondern auch in den beiden winzigen Ladenräume an kleinen aber sehr gemütlichen Tischen verweilen. Jeder Kaffee, der hier verkauft wird, kann vor Ort verkostet werden. Fast 50 verschiedene Sorten werden angeboten, aus Afrika, aus Brasilien, Peru, Costa Rica oder aus Indonesien und Sumatra. Für jeden Gaumen ist etwas dabei, jeder Kaffee entfaltet sein eigenes Aroma, in unterschiedlicher Stärke und Würze.

Auf biologischen Anbau wird gesteigerten Wert gelegt, ebenso auf eine gründliche Röstung der Bohnen. Als Ergebnis stehen Kaffee mit wenig Säuregehalt, der Magen dankt es. Auch ethische Aspekte werden berücksichtigt. So gibt es Kaffeebohnen, die nur Landfrauen geerntet haben oder die aus vorbildlichen Kooperativen kommen. Ein Exot ist der Kopi Luwak, der seltene Schleichkatzenkaffee, eine Bohne, die aus des Getier ausgeschiedenen Exkrementen gewonnen wird und als besonders bekömmlich gilt.

Im kleinen kaffeelager kommt ein jeder auf seinen Geschmack. Das Sortiment ist erlesen, die Beratung exzellent, kein 08/15-Verkauf, hier arbeiten Kaffee-Liebhaber für Kaffee-Liebhaber.

Die Empfehlung dieses Schreibers. Als Kaffee in Wintertagen, ayurvedischer Gewürzkaffee in der Pressstempelkanne mit Kardamom, Zimt und Ingwer. Für zwischendurch statt Espresso ein leichter Cortado LecheLeche. Und zur Erfrischung ein Frappé mit Chili und des nachmittags einen Kuchen im Glas.

Nach einem Besuch erkennt man, dieses kleine kaffeelager auf Sylt ist ein kleiner Edelstein für Kaffee-Gourmets. Denn das Leben ist doch zu kurz für schlechten Kaffee.

Deutschlands schönste Strandbude

Photo by W. Stock

Sylt, im September 2010

Gleich hinter Rantum sollte man rechts Richtung Strand abbiegen, sein Auto auf dem großen Parkplatz stehen lassen und dann noch die wenigen Meter über die Düne wandern. Dann gelangt man zur schönsten Strandbude Deutschlands. Die schwarze Piratenflagge weht unter azurblauen Himmel.

Strandbude, Restaurant, Bar, Bistro. Alles richtig, aber zur gleichen Zeit auch irgendwie falsch. Denn die Sansibar ist keine Hütte aus Holz und Glas, die Sansibar scheint mir eher eine Philosophie des Lebens.

Herbert Seckler hat das Blockhaus mit den gekreuzten Schwertern in über 30 Jahren zu einem In-Treff der Reichen und Schönen, und allen die es sein wollen, gemacht. In Heerscharen pilgern die Sylt-Urlauber zur Sansibar. Abends geht ohne Reservierung gar nichts, an Spitzentagen muss die Crew über 3.000 Gerichte servieren.

Vielleicht liegt auch in der Abgeschiedenheit ein Erfolgsgeheimnis dieser Strandbude. Kein anderes Haus und auch kein Hotel in der Nähe, nur einen Katzensprung zum Meer, der steife Wind pfeift einem um die Ohren und das jodhaltige Reizklima macht einen eh schon halb meschugge.

Da kann ein guter Wein nicht schaden. Auf seine Weine und seinen Wein-Circle ist Herbert Seckler besonders besonders stolz. So bekommt der Sansibar-Addictus jeden Monat eine erlesene Flasche in sein tristes Haus geschickt. Und so kommt die Weinkarte der Sansibar dick wie ein Taschenbuch auf den Tisch des Gastes.

Besonders bleibt das kulinarische Angebot zu loben. Das Tagesgericht, üppig und mit ungewohnten Zutaten raffiniert, zeigt die hohe Klasse der Sansibar. Gerühmt wird auch die Curry Wurst des Hauses, für schlappe 11 Euro sicherlich ein Gourmet-Würstchen.

Die junge Bedienung zeigt sich freundlich und serviceorientiert, ein jeder wird geduzt, der Ton zwischen Kellner und Gästen ist offen und angenehm, was in diesen Breiten nicht selbstverständlich ist, in der Sansibar wird eine unprätentiöse Gastfreundschaft auf hohem Niveau gepflegt.

Ein Gang auf die Toilette, übrigens, bleibt empfohlen. Denn dort hängt Kunst, und zwar ziemlich erotische, vom Allerfeinsten. An den originalen Zeichnungen, die überall in der Sansibar hängen, bleibt zu erkennen, dass die Piratenbude auch bei der Kunst ihre Anhänger findet.

Herbert Seckler, ein guter Gastronom auch mit Händchen für’s Marketing, hat die Sansibar zu einem Markenprodukt entwickelt. Die Line-Extensions lassen einen Staunen: Mittlerweile gibt es Sansibar-Strandkörbe, Sansibar-Schuhe, Sansibar-Taschen, Sansibar-Uhren, Sansibar-Grappa, Caps und T-Shirts sowieso. Und so zeugt der Erfolg wiederum neuen Erfolg.

Einen solchen Ort wie in den Rantumer Dünen braucht es, um gestresste Manager, aufmüpfige Pantoffelhelden und blassierte Großstädter zu entkrampfen. Denn die Sansibar ist Ort zum Nachdenken, zum Träumen und zum Sich-Finden. Die Welt wäre ärmer ohne solche Orte, und der Mensch wäre es wohl auch.

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