Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Schlagwort: turismo

Im Tropicana hageln die Sterne

Grafik by Fernando Tejeda

Havanna, im April 1983

Im doch tristen kommunistischen Alltag auf Kuba erwartet uns am Abend eine farbenprächtige Abwechslung. Wenn man einen guten Tag erwischt, so hat man uns gesagt, dann endet die Show des Tropicana weit nach Mitternacht.

Wie auch immer, der Ruf des Tropicana bleibt legendär. Der beste Nachtclub der Welt. Xavier Cugat und Nat King Cole haben auf der Bühne dieses Freiluftclubs gespielt und in den Zuschauerreihen saßen Kerle wie Ernest Hemingway oder Marlon Brando.

Und so nähern wir uns denn neugierigen Schrittes diesem Club unter dem schwülen Sternenhimmel Havannas. Vor uns sehen wir ein weitläufiges Areal, das von weitem eher an ein schmuckes Farmhaus erinnert. Tropicana prangt mächtig und bunt im Halbkreis über dem Eingang.

Ein Tisch vor der breiten Bühne wird uns zugewiesen. Ohne dass wir etwas bestellt hätten, stellt uns ein langer, ziemlich miesepetriger Ober wortlos drei, vier Flaschen Carta Blanca auf den Tisch, dazu ein paar Gläser, und überlässt uns

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Hemingway trinkt sechs oder acht Daiquirís in El Floridita

Photo by W. Stock

Havanna, im April 1983

Ecke Obispo-Straße mit Monserrate im kolonialen Havanna findet sich eine prima Adresse für hohe Prozente. El Floridita. Nicht nur unter Säufern genießt Klein-Florida einen exzellenten Ruf. Ebenso unter Literaten. Haben die schwarzen Barhocker doch mehr nobelpreisgekrönte Arschbacken erspürt als jeder Fauteuil der Bibliotheque Nacionale de Paris.

Den Daiquirí schlürfte im El Floridita die Verlorene Generation, jene desillusionierten Mannsbilder, die im Ersten Weltkrieg all ihre Ideale verloren hatten und nicht so recht wussten, wie es nun weitergehen sollte. Und da hocken sie um die mahagonigetäfelte Bar mit ihrem dezent dunklen Interieur: der Sprachzauberer John Dos Passos ebenso wie der Weichzeichner Scott Fitzgerald. Der Dichtertitan Ezra Pound, später der schrullige Weltenbummler Graham Greene. Und natürlich auch der unverwüstliche Ernest Hemingway, der sich an diesem Orte bereitwillig dem Suff hingab.

Auch wir tauchen ein, in bester Absicht, und nähern uns schweren Schrittes dem Tresen. Die lange Mahagonitheke schimmert matt. Auf den schwarzen Holztruhen der Schankanrichte ist in stolzem Goldton Wiege des Daiquirí auf Spanisch und Englisch angebracht. Genosse Barkeeper, wo ist der Maestro?, fragen wir. Quien?? Wer?? El Maestro. Ma-es-tro. Der Meister aller Klassen. Schulterzucken. Na dann, dos Daiquirís, Compañero.

Hemingways zweites Stammlokal in Havanna kultiviert

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Die Post vom Papst

Staat Vatikanstadt, im Juni 2008; Photo by W. Stock

Der Vatikan. Dies ist der kleinste souveräne Staat der Welt. Wenn man ihn strammen Schrittes durchquert, dann ist man nach drei Minuten durch. Ganze 0,44 Quadratkilometer misst das nationale Territorium. Kleiner ist keiner.

Über diesen Staat Vatikanstadt, so die offizielle Bezeichnung, gibt es einige bemerkenswerte Besonderheiten und Kennzahlen zu berichten. Dieser Staat hat beispielsweise die höchste Alphabetisierungsquote der Welt. Genau 100 Prozent. Es können nämlich alle ihrer circa 900 Bewohner Lesen und Schreiben. Die meisten davon gleich in mehreren Sprachen.

Auch hat dieser Staat eine eigene Bank. Wenn man zum Geldautomaten des Istituto per le Opere di Religione geht, wird man im Display in lateinischer Sprache begrüsst. Das ist einzigartig auf der Welt. Und reich ist dieser Staat, so reich an Immobilien und an Kunstschätzen, dass keiner eine genaue Summe nennen mag.

Eine Mehrwertsteuer ist schier unbekannt in dieser von Rom umschlossenen Enklave. Reklame gibt es auch nicht, jedenfalls keine für Firmen und weltliche Produkte. Ein Friseurgeschäft wird man auch nicht finden.

Aber eine Post, die existiert, und sie funktioniert sehr gut. Und vatikanische Briefmarken kann man auch kaufen. Das Postamt ist immer voller Menschen, fast alle sind Touristen.

Jetzt wird es kurios. Zwar hat dieser Mini-Staat eine Fussball-Nationalmannschaft, aber keinen Rasenfussballplatz. Deshalb wird das Team von der FIFA nicht anerkannt. Das letzte Ergebnis, ein Freundschaftsspiel, war ein 0 zu 0 gegen Monaco, einen anderen Zwergenstaat.

In diesem Staat erscheint eine eigene Zeitung, der L’Osservatore Romano, der an sieben Tagen in der Woche von Montag bis Sonntag veröffentlicht wird. Und der eine interessante Internetseite betreibt, und das gleich in mehreren Sprachen.

Es gibt allerdings kein Hotel in diesem Staat, dafür aber ein Gefängnis. Es bietet Platz für zwei Gefangene, der Knast wird aber seit Jahrzehnten als Lagerraum genutzt.

Proportional zur Einwohnerschaft verzeichnet dieser eigentlich friedfertige Staat die höchste Kriminalitätsrate der Welt. Doch die Taschendiebe und Kleinkriminelle auf dem Petersplatz kennen einen netten Trick, sich der vatikanischen Justiz zu entziehen. Die Spitzbuben schlendern 50 Meter nach links oder rechts und haben sich damit aus dem Staub gemacht – über die Staatsgrenze hinweg auf italienisches Territorium.

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Die Clavadistas von Acapulco

In Acapulco gelingt es mir, hinter der Quebrada, oberhalb des schon reichlich angejahrten Hotels El Mirador, einen kleinen Bungalow zu mieten. Ich wohne nun direkt über dem Meer, auf der Felsklippe, und des nachts höre ich das sanfte Rauschen der Brandung. Das ockerfarbene Dach meines Bungalow bildet eine erfrischende Beimischung zum Azurblau des Pazifik und auch zum saftigen Grün der Palmen. Habe ich schon einmal schöner gewohnt?

Abends, auf dem Weg vom Zócalo zu meiner neuen Bleibe, komme ich an dem Schauspiel vorbei, welches die Quebrada und damit auch Acapulco in der ganzen Welt berühmt gemacht hat.

Vier, fünf Jugendliche klettern eine steile Felswand empor, bekreuzigen sich oben angekommen vor einem kleinen Marienaltar, steigen auf einen Felsvorsprung, warten auf günstigen Wind und die richtige Welle, um sich dann, die Arme weit ausgebreitet, mit einem tollkühnen Kopfsprung 35 Meter tief in den gerade mal fünf Meter schmalen, tosenden Spalt des Pazifiks zu stürzen. Und das mit über hundert Stundenkilometern.

Ist das Supermann, fragt ein kleiner Junge seine Mutter, die beide neben mir stehen. Nein, antwortet die Frau, das sind die Clavadistas von Acapulco. Die Felsspringer von Acapulco. Dieses Ritual vor staunendem Publikum wiederholt sich einige Male am Abend, mal springen die Halbwüchsigen alleine, dann zu dritt und zum Abschluss mit brennenden Fackeln in der Hand.

Angefangen hat das Ganze in den 50er Jahren, zunächst als übermütige Tollheit einiger Jugendlicher aus den Slums. Zwei Männern verdankt das Felsspringen seinen späteren weltweiten Glanz. Da ist zum einen der Veteran der Clavadistas, Raúl García Bravo, das  Idol aller jungen Springer. Über 37.000 Mal ist er in die Tiefe gehechtet, beim letzten Sprung war er schon Mitte 60. Und dann muss man Teddy Stauffer nennen, den hierhin emigrierten Schweizer Swingmusiker und Mister Acapulco, der das touristische Potential des Spektakels erkannte und der die Clavadistas als Manager des in den Fels gebauten La Perla Nightclubs zum Markenzeichen dieser Stadt machte.

Ich habe vor dreißig Jahren die Felsspringer zum ersten Mal bestaunt, als das Gelände noch nicht abgeriegelt war und man sich noch keine Eintrittskarte ziehen musste. Bei meinen späteren Besuchen war das Schauspiel dann schon, leider, leider, als kalte Touristenfalle angelegt. Vollgestellt mit Bussen, die Menschen von den Kreuzfahrtschiffen oder sonstwoher herankarrten, alles straff durchorganisiert, auf Effekt gepolt, ganz ohne Herzblut.

Das scheint die Logik der Zeit, so wie die Schönheit mit den Jahren ihre Unschuld verliert. Darauf nun wirklich einen Johnnie Walker.

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Die stolze chinesische Mauer

Mutianyu/China, im Oktober 2000

Ohne diese Mauer kann man dieses Land nicht begreifen. Aus jedem Stein dieses Bauwerks spricht China, die Mauer sagt einiges aus über dieses stolze und selbstbewusste Land.

Wenn man den richtigen Abschnitt dieser mehr als 7.000 Kilometer langen chinesischen Mauer aussucht und obendrein die richtige Tageszeit, dann hat man dieses grandiose Bauwerk ganz für sich allein.

Hier bei Mutianyu, eine gute Autostunde nordöstlich der Hauptstadt Peking, ist die Great Wall nicht so übervoll mit fotoknipsenden Japanern und lärmenden Amerikanern wie im weiter westlich gelegenen Badaling. Wenig Touristen, kein Geschiebe und Geschubse, nicht die langen Reisebusse, es ist, als sei man selbst und dieser Mauerabschnitt von der Welt vergessen.

Ohne Zweifel ist die chinesische Mauer das imposanteste Bauwerk, das heute noch steht und bewundert werden kann. Es gilt als das größte von Menschenhand erschaffene Bauwerk der Zivilisation. Es sollte die Mongolen fernhalten, daran erinnern die auf Sichtweite angelegten Wachtürmen der einzelnen Abschnitte. Hier lagerten Waffen und hier waren die Soldaten stationiert.

Gut 4 Meter breit und etwa 8 Meter hoch, wurde die Mauer hier gebaut. Man hat sie auf dem spitzen, bewaldeten Bergkamm errichtet, was den Bau zu einer architektonischen und logistischen Meisterleistung werden ließ. Die Mauer besteht aus Naturstein oder gebrannten Steinen, als Mörtel wurde Brennkalk verwendet. Das Fundament wurde mit Lehm und Sand befestigt.

Diese Große Mauer steht für Chinas Größe, für seine Leistungsfähigkeit, für sein historisches Denken und für sein Selbstwertgefühl. So mag diese Mauer den Wilden und den Unzivilisierten Einhalt bieten, wobei interessanterweise im Norden ja nicht nur die Reiterhorden der Mongolen zu finden waren. Die konfuzianischen Chinesen fühlen sich nicht nur den Nordasiaten zivilisatorisch überlegen, sondern auch den Europäern.

Ein Konfuzianer besitzt einen langenAtem: Die Chinesen denken nicht in Jahren oder Generationen, das veranschaulicht der Bau dieser großen Mauer, sie denken in Dynastien. Insgesamt hat man fast zweitausend Jahre an dieser Mauer gebaut. 214 v. Chr. wurde der erste Schutzwall errichtet, erst im 16. Jahrhundert, während der Ming Dynastie, war sie halbwegs fertig.

Mein Mauerabschnitt bietet nicht nur Anschauung in Architektur und Geschichte, sondern auch eine Menge Annehmlichkeit und Spass. Bei Mutianyu gondelt der Besucher in einer zweisitzigen Sesselbahn bequem den Berg hinauf und hinab geht es dann mit noch mehr Tempo: mit einem Einer-Bob auf einer Messingbahn das kurvige Geländer hinunter bis zur Talstation.

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El abuelo

Es ist ein altes schwarzweißes Foto, aufgenommen um 1961. Da sitzt ein Großvater mit drei seiner Enkel auf der Verandatreppe, die dem Farmhaus vorgelagert ist. Das Farmhaus ist weiß und aus einfachen Lehmziegeln gebaut. Im Hintergrund sieht man den Eingang des Farmhauses, die Türe zur Küche steht offen.

Der Großvater trägt einen Tropenhelm, der ihn einerseits gegen die Hitze schützt, ihn zugleich auch als den Patron des Anwesens ausweist. Er ist Herr über eine riesige Baumwollfarm und wenn man sie mit dem Pferd abreiten müsste, so wäre man einen ganzen Tag unterwegs. Die drei Enkelkinder sind zu Besuch auf der Farm. Der Großvater hat acht Kinder und sechsundzwanzig Enkelkinder.

Der größere Junge, vielleicht 5 oder 6 Jahre alt, hält eine schwarze Katze im Arm, der Jüngste, gerade zwei, drei Jahre alt, sitzt auf des Opas Knie und schaut scheu drein. Ein dritter Enkel hält sich den linken Arm, an dem er einen Verband trägt. Der Großvater lächelt zufrieden, hier auf seiner Farm und die Enkel neben sich.

Der Großvater ist vor vielen Jahren als junger Mann aus der Depression der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg aus einem kleinen Dorf im Rheinland nach Peru ausgewandert. Zuerst als Farmverwalter für ein deutsches Unternehmen, später hat er sich eine eigene Farm aufgebaut. Auf der Farm des Großvaters wird Baumwolle angepflanzt. Baumwolle anzupflanzen ist im trockenen Norden Perus, im Wüstenklima von Sechura, sehr mühselig. Die Wasserknappheit zwingt dazu, die Baumwollplantagen mit einem großen Bewässerungssystem zu überziehen. Mit Fleiß und Geduld hat der Großvater eine florierende Farm aufgebaut, die vielen Menschen Arbeit und Auskommen gibt.

Bei seinen Arbeitern ist der Großvater sehr beliebt. Er ist ein stets freundlicher und fürsorglicher Patron. Die Einwohner nennen ihn den Ingeniero aleman, was eigentlich nicht ganz korrekt ist. Er ist zwar Deutscher, aber kein Ingenieur. Die Menschen nennen ihn von Anfang an trotzdem so, weil sie so ihre Anerkennung und ihren Respekt ausdrücken.

Es ist die gleiche Treppe. Fast 30 Jahre später. Nun sitzt der Großvater alleine auf den Stufen. Er ist ein alter Mann und sieht niedergeschlagen aus. Von dem Farmhaus im Hintergrund steht nur noch die heruntergekommene Fassade. Das Innere des Farmhauses ist vor Jahren abgebrannt und der neue Besitzer hat es nie wieder aufgebaut.

Der Großvater trägt nun keinen Tropenhelm mehr, sondern einen kleinen grauen Hut aus Stroh. Auch gehört ihm die Farm seit über 20 Jahren nicht mehr. Als sich in Peru 1968 eine linke Militärjunta an die Macht putschte, bekam er eines Tages Besuch von einem Vertreter des Präfekten, der ihm ein Schreiben mit vielen Stempeln überreichte. Es war die Enteignungsurkunde. Er musste die Farm an eine Kooperative der Farmarbeiter abgeben.

Der Großvater ist nun hager und sehr alt. Heute ist er noch einmal zu Besuch da, er wohnt längst wieder in seinem Dorf im Rheinland, er will aber sehen, was aus seiner Farm geworden ist. Es ist jedoch nicht mehr seine Farm, und es ist eigentlich auch keine Farm mehr. Die Farm liegt – wie das Farmhaus – danieder. Diesen ganzen Niedergang zu sehen, tut ihm weh. Das Haus ist unbewohnbar, die Bewässerungspumpen tun seit Jahren ihren Dienst nicht mehr richtig, der Maschinenpark ist defekt.

Die alten Arbeiter, die ihn von früher noch kennen, begrüßen ihn herzlich. Er scherzt mit ihnen. Für einen Moment ist er wieder der Ingeniero. Für einen kurzen Augenblick ist alles ganz so wie früher.

Version en espanol:

El abuelo

Es una vieja foto en blanco y negro, alrededor 1960. Allí un abuelo con tres de sus nietos se sienta en la escalera del jardín, que es la entrada a la casa hacienda. Es blanca y está construira de ladrillos simples, la puerta a la cocina está abierta.

El abuelo lleva un casco tropical, que lo protege contra el calor, y que también representa su autoridad como “patrón”. Él es el patrón de una gran hacienda de algodón, que para recorrerla a caballo requería de toda una jornada. Los tres nietos han llegado de visita, el abuelo tiene 8 hijos y 26 nietos.

El niño más grande, quizás de 6 o 7 años, tiene un gato negro en el brazo, el más pequeño, de dos o tres años, se sienta en las rodillas del abuelo y mira escéptico. Un tercer nieto se sostiene el brazo izquierdo, que lleva vendado. El abuelo sonríe conteno, aquí en la hacienda al lado de sus nietos.

El abuelo emigró hace muchos años, como hombre joven de una aldea pequeña del país del Rin al Perú. Primero como encargado de la hacienda para una empresa alemana; él desarrolló más adelante su propia hacienda.

En la granja del abuelo se cultiva el algodón. El algodón a cultivar es muy valioso en el norte seco de Perú, en el clima del desierto de Sechura. Para regar la plantación, se tiene un sistema de irrigación muy complejo. Con diligencia y paciencia el abuelo desarrolló una hacienda que prosperaba, que da trabajo a muchos seres humanos, para progresar.

El abuelo se siente a gusto con sus trabajadores. Él es el patrón siempre amistoso y exigente. Los habitantes lo llaman el Ingeniero alemán, que no está totalmente correcto. Es alemán, pero no ingeniero, pero lo llaman así porque lo reconocen y respetan.

Es las mismas escaleras. Casi 30 años más tarde. Ahora el abuelo se sienta solo. Él es un viejo hombre y parece impresionado. De la casa hacienda, sólo se encuentra la entrada; el interior de la casa está destruida, el nuevo dueño nunca la cuidó en años.

El abuelo no lleva más el casco tropical, sino un sombrero gris pequeño de la paja. La hacienda ya no es más de él, desde hace como 20 años; cuando en Perú 1968 hubo un golpe militar de izquierda, se apareció un prefecto, con un documento con muchos sellos, era el documento de la expropiación. El debió entregar la hacienda a una Cooperativa de campesinos.

El abuelo se ve ahora serio y está ya muy viejo. Él está hoy otra vez allí, él ya vive largo tiempo en su aldea en el país del Rin, ha querido ver en que se convirtió su hacienda. Realmente ya ni siquiera es una hacienda, esa realidad le causa mucho dolor. La casa es inhabitable, las bombas de la irrigación no funcionan hace años, todo esta abandonado.

Los viejos trabajadores, que todavía le conocen a partir en de épocas anteriores, le dan la bienvenida cordialmente. Él bromea con ellos. Para un momento es otra vez el Ingeniero. Por un instante corto todo es totalmente como en épocas anteriores.

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Der General lebt

Auszug aus Wolfgang Stock Schneefall in den Tropen:

Wer die lange, breite baumgesäumte Allee von Ezeiza-Flughafen ins Stadtzentrum entlang fährt, der sieht an den grauen Mauern der Fabriken und Häuser recht seltsame Parolen gepinselt. In den allermeisten Metropolen dieses Kontinents findet man mehr oder weniger geistreiche Losungen wie Nieder mit den Bonzen oder Hoch lebe die Partei der Arbeiterklasse oder zumindest Wählt MüllerMeierSchulze.

Nicht so in dieser Stadt. Wer sich in den tristen Vororten von Buenos Aires bewegt, der kriegt höchst merkwürdige Sätze zu lesen. Mi General, tu pueblo cumple steht auf den langen Wänden der verfallenden Industrieanlagen, Mein Gereral, dein Volk hält, was es Dir versprochen hat. Oder man kann auf verwitterten Wohnblöcken lesen Siempre contigo, was auf Deutsch denn – fast religiös – meint: Immer mit Dir.

Von diesem General, der dort so hymnisch verehrt wird, erhält man, sollte man Menschen auf der Strasse befragen, höchst widersprüchliche Einschätzungen. Für die einen war er ein Politiker, der viel für das Volk getan hat, einer der für die Blüte dieses Landes gesorgt hat, jemand, dem auch die Armen, die Descamisados – die Hemdlosen – nicht einerlei waren. Für andere bleibt jener Juan Domingo Perón ein ausgekochter Schuft, ein gewissenloser Lump, ein aufgeblasener Operetten-Duce bestenfalls, in jedem Fall ein größenwahnsinniger Parvenue, der dieses herrliche Land in Grund und Boden gewirtschaftet hat.

Alleine schon der Name von Peróns Partei mutet höchst kurios an. Partido Justicialista nennt sie sich, was flott übersetzt Gerechtigkeitspartei heißen kann, manche sagen – nach europäischem Maßstab wohl Richtung aufrechte Sozialdemokraten. Andere meinen, die PJ sei eine typische Klientel-Partei, geführt von sonderbaren Pampa-Caudillos wie Perón oder Carlos Saúl Menem. Wie dem auch sei, sollte es einmal eine Trophäe für den blumigsten Parteinamen Lateinamerikas geben, die Partido Justicialista würde einen hübschen Silberpokal gewinnen – knapp geschlagen von der mexikanischen PRI, der Partei der Institutionalisierten Revolution.

Es gibt wohl keinen Politiker seiner Generation in Amerika, der von seinem Volk noch so verehrt wird wie dieser General Juan Domingo Perón. Nicht Lázaro Cárdenas in Mexiko, nicht Trujillo in der Dominikanischen Republik und auch nicht Franklin Delano Roosevelt in den USA.

Als Perón 1946 zum Präsidenten Argentiniens gewählt wird, regiert er eines der reichsten Länder des Erdballs. Während Europa im Wahnsinn des Zweiten Weltkriegs versinkt, verhelfen Argentinien eine fruchtbare Landwirtschaft und eine fleißige Arbeiterschaft zu nie gekanntem Wohlstand. Denn dieses sonnige Land besitzt alles in Hülle und Fülle: Getreidefelder, soweit das Auge blicken kann, Fischfanggründe im Südatlantik, Zitrusfrüchte im Norden, Erdöl und Mineralien, und vor allem jenes unerschöpfliche Fleischreservoir, für das die ausgedehnten Rinderfarmen im Süden des Landes sorgen.

Doch bei seiner Wiederwahl 1952 hat General Perón durch Enteignung und Verstaatlichung das Land bereits an den wirtschaftlichen Abgrund gedrückt. Statt eines florierenden wirtschaftlichen Wettbewerbs wächst nun die nach Pfründen trachtende Bürokratie, eine Hydra der Korruption, aus deren Fängen sich Argentinien nicht mehr hat befreien können – bis heute. Ein Militärputsch treibt den gescheiterten General 1955 ins Exil. Doch die Erinnerung an die guten Tage der Herrschaft Peróns bleibt bei vielen Argentiniern während der nun folgenden, fast 30 Jahre währenden, blutigen Militärdiktatur wach.

Als Perón 1973 aus seinem Madrider Exil im Triumphzug nach Buenos Aires einzieht, da wird er noch einmal als Heilsbringer gefeiert, obwohl der 78-Jährige da schon nicht mehr seine fünf Sinne beisammen hat. Aber sein Statthalter als Präsident, der sympathische Kinderarzt Hector Cámpora tritt zurück, damit für den greisen General der Weg frei ist. Perón wird mit überwältigender Mehrheit zum Präsidenten gewählt. Mochten auch die Tatsachen noch so gegen diesen Mann sprechen, das Volk liegt ihm abermals zu Füssen.

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Teddy Stauffer: Der Swing-König im Paradies

Teddy Stauffer
Teddy Stauffer, im November 1982, in Acapulco, am mexikanischen Pazifik. Foto: W. Stock

Acapulco, im November 1982

Stauffer, Teddy 41161, steht im Telefonbuch von Acapulco, Av. Villa Vera S/N. Dieses S/N Sin Número – ohne Hausnummer – in der Avenida Villa Vera mag in Mexiko zweierlei bedeuten. Zum einen kann sich die Adresse in einer solch elenden Gegend befinden, dass die Stadtverwaltung bislang nicht von ihr Notiz nehmen mochte. Zum anderen freilich kann das Stadtviertel so fein und exklusiv sein, dass man den Prachtvillen eine profane Hausnummer nur ungern zumuten mag. „Kommen Sie morgen um zehn!“, lässt uns freundlich eine Männerstimme am Telefon in schweizerspanischem Tonfall wissen.

Wenn Teddy Stauffer Besuch empfängt, so lässt er eine schmale, zwei Meter lange Zugbrücke aus Holz herunter, die seinen Wohnturm von der Strasse trennt. Die Villa Vera ist oberhalb des Stadtzentrums in den Hang gebaut und gilt mit seinem luxuriösen Swimmingpool und dem Racquet Club als die mondäne Luxusherberge der Stadt. Von Teddys Hotelturm aus erhält man einen atemberaubenden Blick auf die Bucht von Icacos und den kilometerlangen Strand, der wie eine Sichel den mexikanischen Badeort umläuft. In etwa so, denke ich bei mir, muss der liebe Gott sich das Paradies vorgestellt haben. 

Ins Paradies vertrieben, aus Nazi-Deutschland. In den späten 30ern ist der Schweizer Teddy Stauffer der Swing-König von Berlin, gefeiert und bejubelt. Die Stadt ist in jenen Jahren die europäische Metropole schlechthin, ein Schmelztiegel, in dem Künstler und Halbkünstler, Seidene und Halbseidene das turbulente Leben bei Tag und insbesondere bei Nacht bestimmten. Innerhalb von fünf Jahren können sich die Teddies in der Berliner Szene einen beachtlichen Ruf erwerben und man sieht sich in der Lage, die kleine Swing-Band nach und nach durch junge, talentierte Musiker zum Orchester zu erweitern. 

Nach braunen Schikanen und Kriegsausbruch, längst wieder in Bern, packt Teddy Stauffer im Jahr 1941 seinen Koffer, lässt die Heimat, auch Band und Musik hinter sich, und fährt mit dem Dampfer über den Atlantik nach New York. Dann nach Hollywood, er versucht sich als Filmkomponist, und nach abenteuerlichen Wirrungen und Fügungen wird der hochgewachsene Schweizer viele Monate später in Mexiko, in Acapulco, stranden.

Neben dem früheren Staatspräsidenten Miguel Alemán, dessen Einsatz Ende der 40er Jahre die touristische Erschließung Acapulcos voranbringt, hat Teddy Stauffer am meisten dafür getan, dass heute alle Welt diese Stadt am Pazifik kennt. Folgerichtig bezeichnen ihn die Amerikaner als Mister Acapulco, während er von den Einheimischen liebevoll Señor Teddy genannt wird.

Und Teddy Stauffer sorgt dafür, dass all die Leinwandgrößen, Troubadoure und dralle Divas hinab ins Acapulco Dorado – ins vergoldete Acapulco – pilgern und froh sind, ohne Schlips und Kragen ins richtige Leben springen zu dürfen. Nach und nach kommt die ganze Hautevolee ins sonnenverwöhnte Aca, wie man das unbekümmerte Seebad bald zu nennen pflegt.

Und der mexikanisierte Schweizer Teddy Stauffer spielt den Gastgeber all dieser Käsegesichter, die sich nun blicken lassen. John Wayne rückt an und kauft gleich ein Haus, die superblonde Kim Novak überstrahlt alles, Tarzan Johnny Weissmuller kommt und sollte bis an sein Lebensende bleiben, Liza Minnelli wird Dauergast und ohne den alten Kumpel Frank Sinatra läuft natürlich gar nichts.

Es wird eben dieser Francis Albert Sinatra aus Hoboken/New Jersey sein, dem im Jahr 1958 das Privileg zufallen wird, die swingende Hymne auf diese Stadt singen zu dürfen. Und dann singt der Crooner so ungestüm wie nie, zugegeben, unter kräftiger Mithilfe der Herren Sammy Cahn, Jimmy Van Heusen und Jack Daniels:

Weather wise it’s such a lovely day
You just say those words, and we’ll beat the birds
Down to Acapulco Bay
It’s perfect for a flying honeymoon – they do say
Come fly with me, we’ll fly, we’ll fly away…

In den letzten Jahren ist ihm, der noch das kleine Fischerdorf von 8.000 Bewohnern kannte, Acapulco ein wenig fremd geworden. Meine wunderschöne Bucht von Acapulco ist verschwunden, meint Teddy Stauffer ein wenig bitter. Statt dessen erblicke er aus seinem Turm am Berghang die wuchtigen Condominiums und Hotelbauten, die den Blick auf das azurblaue Wasser verstellen.

Bei aller Melancholie mag Teddy das süße Leben, die Frauen, die wilde Jazzmusik, er kennt alle Großen der Glitzerwelt, und alle kennen ihn. Der Mann ist ein Träumer, vielleicht ein Traumtänzer, bisweilen möglicherweise gar ein Hallodri. Ein Romantiker jedenfalls, jemand, der die Geige streicheln kann, das Saxophon spielt, jemand, der weiß, wer Jimmie Lunceford ist, und wie man eine Rita Hayworth rumkriegt. Als ob das nicht schon reichen würde.

Ob er denn nicht ab und an Heimweh nach der Schweiz, nach dem ruhigen Bern und dem beschaulichen Murtensee verspüre, frage ich ihn. „Ach, wissen Sie“, antwortet der 73-jährige Musiker, „seit vierzig Jahren laufe ich hier in Acapulco barfuss herum. Ich glaube, an richtige Straßenschuhe könnte ich mich gar nicht mehr gewöhnen.“ Also, wenn das kein überzeugendes Argument ist. Nicht zuletzt aus einem solchen Grund passt Teddy so gut zu Acapulco. Aber wohl auch Acapulco zu Teddy, möchte man rasch hinzufügen.

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Top of the Rock

Im Fachmagazin BuchMarkt vom August gefällt mir eine ansprechende Werbung für die neuen In Guides aus dem Kunth Verlag. Als Eye Catcher dient ein Motiv aus New York.

Der Blick hoch droben vom Rockefeller Center mit Blick auf das nördliche Manhattan und das Empire State Building. Wobei das Rockefeller als Aussichtsplattform dem Empire State jederzeit vorzuziehen ist. Bei der Anzeige fällt ins Auge besonders ein silberner Art Deco-Fernstecher, von dem es dort oben ein Dutzend gibt.

Mit dem man sich – unter zur Hilfenahme von 50 Cent – aus 260 Metern Höhe den Central Park und die Upper West Side anschauen kann.

Wieder Zufall so will, ein paar Wochen zuvor war ich just an gleicher Stelle. Übrigens, der Höhenblick von Top of the Rock ist dem des Empire State Buildings vorzuziehen. Es ist auch weniger Rummel hier.

Und wenn man dann oben steht, im 70. Stockwerk über New York, dann mag man sich für einen kurzen Augenblick fühlen as rich as Rockefeller.

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