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Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Rainer Maria Rilke erliegt dem Charme von Ronda

Umgeben von grünen Olivenhainen und andalusischen Weingütern balanciert Ronda am Abgrund.
Photo: W. Stock, 2019

Das Schicksal hat es mit Rainer Maria Rilke nicht immer gut gemeint. Der Dichter leidet am Leben, er ist oft kränklich, von schweren Gedanken gedrückt, mit den Frauen klappt es nicht so recht und zudem ist das Portemonnaie des Poeten meist klamm. Das Leben hat diesen Menschen nicht auf die Sonnenseite geworfen, sein Leben läuft ab in Hoch und Tiefs. Doch Gedichte kann der Mann schreiben wie kein Zweiter, zum Niederknien.

Eines seiner schönsten heißt Herbsttag:

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke schreibt Herbsttag im Jahr 1902, es ist ein Gedicht über den heraufziehenden Herbst, eine Zwiesprache mit Gott, der Mensch bleibt das Objekt, der Getriebene, der sich den Naturgewalten fügen muss. Der Mensch ist klein und die Schöpfung groß.

Am 4. Dezember 1875 wird Rilke als Sproß eines Militärbeamten in Prag geboren, das damals unter österreichischer Regentschaft steht. Nach dem Abitur studiert er Kunst und Literatur in Prag, München und Berlin. Im Jahr 1900 lässt der Österreicher sich in der norddeutschen Malerkolonie Worpswede nieder und heiratete die Bildhauerin Clara Westhoff, von der er sich 1902 wieder trennt.

Im Jahr 1905 wird er für acht Monate der Privatsekretär des Bildhauers Auguste Rodin in Paris. Es folgen Reisen nach Nordafrika und Ägypten. Im Ersten Weltkrieg wird er beim österreichischen Landsturm aus Gesundheitsgründen ausgemustert. Nach Kriegsende halten den mittellosen Dichter meist Mäzene über Wasser. Rilke stirbt am 29. Dezember 1926 mit nur 51 Jahren im Sanatorium Val-Mont bei Montreux an Leukämie.

Im Winter 1912 besucht Rainer Maria Rilke die spanische Halbinsel, er reist nach Toledo, Córdoba und Sevilla. In Andalusien ist Rilke gepackt von der maurischen Architektur und Tradition. Vom 9. Dezember 1912 bis Mitte Februar 1913 verbringt er die Winterwochen in Ronda. Der Fluß in seinem schluchtigen Abgrund spiegelt die zerrissenen Lichter des Himmels, aber auch mein Innerstes wider, schreibt der Poet nach seiner Ankunft in Ronda. 

Andalusien ist nicht das Goethes Land, wo die Zitronen blühen, aber Ronda die Stadt, in der Orangenbäume die Alleen und die Straßen säumen. Augenblicklich erliegt Rainer Maria Rilke dem Liebreiz der weißen Stadt. Im feinen Hotel Reina Victoria schreibt der Poet mit dem traurigen Augen im Januar seine Spanische TrilogieIn der Spanischen Trilogie hat Rainer Maria Rilke seine Gedanken zu Ronda für die Ewigkeit festgehalten. 

Aus diesem Fluß im Talgrund, der den Schein
zerrissner Himmels-Lichtung fängt – (und mir);
aus mir und alledem ein einzig Ding
zu machen, Herr: aus mir und dem Gefühl …
 

Die Statue aus Bronze befindet sich seit 1966 im Park hinter dem feinen Hotel Reina Victoria. Unter Palmen steht er da, mit Schnurrbart, ein Buch in der rechten Hand, und der Blick geht in den Osten, in den Landschafts-Teppich aus Sonnenblumen, grünen Olivenhainen und Jahrhundertpinien. Der Bildhauer Nicomedes Díaz Piquero lässt Rilkes Blick sanft in die majestätische Ferne gleiten, wie bei einem Menschen, der näher zur Allmacht strebt oder zu Gott, wie immer man die Kraft nennen will, die stärker ist als der Mensch.

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Der böhmische Dichter Rainer Maria Rilke, der so wunderbare Verse auf Deutsch schreiben konnte, blickt in Ronda hinaus in die Bergwelt Andalusiens. Photo: W. Stock, 2019

Dem verzagten Rainer Maria Rilke fehlt jedoch der Mut, sich in diesen andalusischen Zauber fallen zu lassen, der unstete Dichter bleibt ein Gefangener seiner selbst. Hier wäre nun freilich auch der Ort, recht spanisch zu leben und zu wohnen, wäre nicht die Jahreszeit, wäre nicht meine mühselige Unlust, mich mit anderen Beschwerden als den nötigsten (angeborenen und eifrig angeeigneten) einzulassen.

In dem kleinen Zimmer 208 auf dem zweiten Stockwerk hat er

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Die Entkernung der Medien

Die knospende Frucht wird immer weiter aushöhlt, bis die bloße Schale übrig bleibt.

Burda Medien löst seine Redaktionen im Bereich TV-Magazine auf und übergibt die Produktion von TV Spielfilm, TV Today und TV Schlau an die Funke Mediengruppe. Eine Redaktionsmannschaft erstellt zukünftig eine Vielzahl von Medienprodukten. Und dies bei Titeln, die zum Teil sechsstellig verkaufen.

Nicht die Marke bestimmt den Produktionsablauf, sondern der Produktionsablauf die Marke. Das ist der Trend. Technik über Inhalt. Nach den Sparrunden folgte bekanntlich das Outsourcing. Zuerst erwischte es die Verlage mit eigener Infrastruktur. In der ersten Stufe des Outsourcing wurde alles ausgelagert, bis auf die Kernbereiche wie Redaktion und Marketing.

Und nun die nächste Stufe der Entkernung. Auch Verwaltung, Marketing und Redaktion fliegen raus. Übrig bleibt lediglich die Schale. Das Label. Die Inhalte werden zukünftig geliefert von externen Büros, spezialisierten Dienstleistern, kanadischen Metzgerzeitschriften. Man klopft an die Medienmarke und es klingt zunehmend tönern.

Die Buchbranche ist in diesem Prozess der Entkernung schon

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Das beste Konzert: Fats Domino

Es gibt Musikkonzerte, die vergisst man im Leben nicht. Bei mir war dies Antoine Domino Jr., genannt Fats Domino. Ein Wirbelwind aus New Orleans, im Juli 1980. Auf dem North Sea Jazz Festival, damals noch im Congresgebouw von Den Haag.

Zum Opening kommt bei Fats Domino stets sein I’m Walkin‘, und zum Schluss meist Jambalaya, da fällt der Putz endgültig von den Wänden. The Fat Man gehört zu den wirklichen Pionieren des Rock and Roll, er hat von Chuck Berry über die Beatles bis hin zu den karibischen Musikern so ziemlich alles und jeden beeinflusst. Mehr als 65 Millionen Platten hat dieser Komponist und Sänger verkauft.

Seine Musik ist rasant, dynamisch und zappelig für die Beine. Schon bei der allerersten Nummer der Band, meist noch ohne Fats auf der Bühne, springt das Publikum auf und tanzt sich in Stimmung. Seine Musik ist zum lebensfrohen Synonym für New Orleans geworden und hat einen eigenständigen kreolischen Musikstil begründet.

Fats Domino, der sein Piano im Boogie-Anschlag hämmert, wird 1949 in einem Klub von dem Produzenten und Bandleader Dave Bartholomew, einem ehemaligen Trompeter bei Duke Ellington, entdeckt. Die Zusammenarbeit des Power-Duos sollte zu den fruchtbarsten der jüngeren Musikgeschichte gehören.

Die HIts von Fats Domino bleiben ungezählt. Eine kleine Auswahl:  Ain’t that a Shame, Blueberry Hill,  I’m in Love AgainI’m Walking to New Orleans, I Want to Walk You Home, Blue HeavenBlue Monday, My Girl Josephine, Lotta’ Loving und natürlich Jambalaya.

Die Band von Fats Domino, der als Leader auch schon mal einen ganzen Flügel über die Bühne bugsiert, ist erstklassig besetzt. Besonders die Blechbläser, herauszuheben hier Lee Allen, ein legendärer R&B-Saxophonist. Grundlage der Band bildet ein traditioneller Rhythm and Blues, mit mehrfach besetzten Saxophonen, Bass, Piano, E-Gitarre und Schlagzeug. Eine explosive Mischung.
Im Oktober 2017 ist Fats Domino verstorben, in seiner Heimat Louisiana, im Alter von 89 Jahren.

Der elektrische Jaguar

Der elektrische Jaguar macht mächtig Spass.
Sylt, im Juli 2019. Photo by C. Stock

Der neue Jaguar liegt gut in der Hand, mehr noch, er vermittelt ein einzigartiges Fahrgefühl. Daran ändert auch ein rein elektrischer Antrieb nichts. Man ist geneigt, dieses Fahrzeug als Quantensprung innerhalb der E-Fahrzeuge zu bezeichnen. Denn dieses neue Automobil eröffnet sogar mehr Möglichkeiten, um eine dynamische Leistung und ein exklusives Design weiterzuentwickeln.

Der Jaguar I-PACE wurde von Grund auf als reines Elektrofahrzeug mit Batterie konzipiert, um alle neuen Möglichkeiten auszuschöpfen. Hinter dem atemberaubenden Design verbirgt sich als Resultat ein hochwertig gestalteter Innenraum, der einem herkömmlichen SUV in Sachen Alltagstauglichkeit in nichts nachsteht.

Der rein elektrische Antriebsstrang bietet eine erstaunliche Performance und ist völlig emissionsfrei. Wir haben den Jaguar I-PACE auf Sylt gefahren, auf eigene Kosten, und er scheint uns das perfekte Auto für einen auf Umweltschutz und gesundes Klima achtenden Hot Spot wie die Nordseeinsel. Das gilt für das ganze Land: Auch in der Stadt und auf Mittelstrecken entfaltet er seine Wirkung.

Eine atemberaubende Optik, ein ebenso aufregendes Fahrverhalten und eine umfassende Konnektivität – der I-PACE ist ein intelligenter Sportwagen mit fünf Sitzen, wie geschaffen für diese auf Nachhaltigkeit achtende Zeit. Dank der elektrischen Motoren und der nahezu perfekten Gewichtsverteilung bietet dieses Auto zudem die für einen Sportwagen typische Agilität.

Der I-PACE ist in einem eleganten und außerordentlich aerodynamischen Design gehalten. Der I-PACE gibt

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Warum ist die europäische Banane krumm?

Winfried Böttcher (Herausgeber)
Europas vergessene Visionäre
Rückbesinnung in Zeiten akuter Krisen
2019, 521 S., Gebunden; 58,- €

Ob mit Europas vergessenen Visionären nicht gleich auch deren Visionen perdu gegangen sind? Die Sorge scheint berechtigt im Jahr 2019. Hat Europa in der heutigen Verfassung überhaupt eine Zukunft? Der europäische Zusammenhalt ist brüchig wie nie: Absetzbewegungen wie der Brexit sind zu beklagen, durch Banken- und Etat-Krisen ist massiv Vertrauen verspielt worden, nationalistische Rollbacks sind allerorten zu beobachten. Ein Europa in Zeiten akuter Krisen braucht jedenfalls neue Schwungkraft, mindestens. 

In seinem aktuellen Werk Europas vergessene Visionäre erinnern Winfried Böttcher und seine Mitautoren aus welchen historischen und politischen Erwägungen einst die Vision Europa entstand. Wichtige, aber zu Unrecht in Vergessenheit geratene europäische Denker wie Ludwig Börne, Jean Jaurès oder Salvador de Madariaga zeigen, dass vor allem das Denken in fatalen Kategorien wie Freund/Feind überwunden werden sollte. Man liest in die zahlreichen Biografien dieses fein recherchierten Sammelbandes hinein, mit Neugier auf den Menschen, aber auch mit dem Blick auf jenes, was von der visionären Kraft als Vermächtnis im 21. Jahrhundert noch übrig geblieben ist.

Viel ist es nicht. Der Europa-Politik der letzten Jahre sind in meinen Augen vor allem zwei kapitale Fehler unterlaufen. Der erste: Statt die hehre Europa-Idee zum Leuchten zu bringen, hat man zu oft den EU-Amtsschimmel wiehern zu lassen. Für den schwerwiegenderen zweiten Fehler wird gerade von Italien über Ungarn bis Frankreich die Quittung erstellt: Politik und Medien haben die identitätsstiftende Kraft des Nationalstaates unterschätzt. Baustellen gibt es also zuhauf in Europa.

Fraglos vermag die Wissenschaft Lösungsoptionen bereithalten, wenn Politik und Öffentlichkeit bloß die Ohren spitzen würden. Mit seinen Veröffentlichungen und seiner über 50-jährigen Tätigkeit in Lehre und Forschung gehört Winfried Böttcher selbst zu den unermüdlichen Visionären Europas. Von den Anfängen an der London School of Economics bis hin zur RWTH Aachen, wo er den Lehrstuhl von Klaus Mehnert übernahm, hat Winfried Böttcher unentwegt als Impulsgeber für Europa gerackert. 

Es lohnt, sich mit Winfried Böttchers Ideen eines modernen Europas auseinander zu setzten. Böttcher sieht die Funktion des Nationalstaates als erfüllt an, er hat sich historisch überlebt. Der neue Organismus jedoch braucht ein neues Funktionsprinzip, Professor Böttcher bietet das ordnungspolitische Konzept der Subsidiarität an. Die Hoheit für staatliche Aufgaben und Verantwortlichkeit ist der jeweils untersten dafür geeigneten Ebene zu übertragen. Die übergeordnete Einheit kommt erst dann zum Zuge, wenn die untergeordnete ergebnismäßig überfordert ist.

In diesem Sinne plädiert Winfried Böttcher für ein vereintes Europa, das subsidiär aufgebaut ist, als eine politische Ordnung von unten mit einer weitgehenden Autonomie der Regionen. Diese Europa-Vision ist nicht nur erkenntnistheoretisch schlüssig, sondern zudem politisch und wirtschaftlich klug. Denn die Idee Europa kann funktionieren, wenn Subsidiarität als ein fester Rahmen dennoch die Entfaltung der individuellen Selbstbestimmung und Selbstverantwortung ermöglicht.

Den Krümmungswinkel einer Banane sollten deshalb nicht

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Olivenbaum

Foto by W. Stock, 2019

gefunden in Ronda/Andalusien auf der Olivenfarm LA Organic, im April 2019

Prophet

In Umkehrung des Schlegel-Wortes, wonach der Historiker ein rückwärtsgewandter Prophet ist, ist der Zukunftsforscher ein nach vorne blickender Historiker.

Matthias Horx

Die neuen Zeitungen: Blogs

Aus den deutschen Medienhäusern kommen nur noch schlimme Nachrichten: Die Auflagen von Zeitungen und Zeitschriften rauschen weiterhin rasant in den Keller. Die BILD, mit über 5 Millionen Auflage einst Westeuropas größte Tageszeitung, geht stramm auf die letzte Million Verkaufte pro Tag zu. DER SPIEGEL und stern, früher meinungsbildend und Millionen-Seller, liegen schon lange unter der siebenstelligen Marke.

In der Medienlandschaft müssen wir uns von einem Attribut definitiv verabschieden: groß. Groß gibt es nicht mehr, groß war gestern. Nur noch eine Handvoll Magazine verkauft mehr als eine Million Exemplare, es sind meist TV-Zeitschriften. Mit dem Verschwinden von groß, verschwindet allerdings auch die Wichtigkeit und Stellenwert. Und weil der traditionelle Journalismus so unter Druck steht, ist ihm auch alle Leichtigkeit abhanden gekommen. Den Artikeln in den Zeitungen und Magazine merkt man oft eine Bitternis und Biestigkeit an, die wohl Ausdruck einer tieferliegenden Hilflosigkeit sind.

Was ist passiert? Das Internat, natürlich. Die Online-Möglichkeiten – schnell, kostengünstig und ohne Gatekeeper – haben Print kräftig durchgerüttelt. Fussballergebnisse kriege ich in Echtzeit, inklusive Live-Tabelle und Analyse, da brauche ich nicht bis zum nächsten Morgen zu warten. Wenn ich wissen will, was in Köln oder Bremen passiert, dann lese ich ein Online-Medium von dort. Online ist ein dem Print weit überlegenes Modell, da beißt die Maus keinen Faden ab.

Wohin wird das alles führen? Wenn Online auch das traditionelle Verlegen ins Straucheln gebracht hat, so haben sich gleichzeitig neue Möglichkeiten eröffnet. Das neue Groß heißt Klein. In einer Mischung aus Disruption und Segmentierung sind neue Publikationsformen entstanden, die spannend sind. Die unbeweglichen Verlage haben durch Klein neue Konkurrenz bekommen, die Leichtigkeit des Journalismus ist nun woanders zu finden. Bei den Blogs beispielsweise.

Geben Sie mal bei Google München und Blog ein. Und Sie erhalten die bunte Lebendigkeit einer Metropole vor Augen geführt. Dutzende von lokalen Blogs buhlen um die Aufmerksamkeit des Lesers. Der Isarblog beispielsweise schreibt über Gastronomie, Kunst und die Stadtviertel, mit einer Nähe zum Sujet, das den Zeitungen aufgrund von Stellenabbau und Etatkürzungen verloren gegangen ist. Auch Living4Taste schreibt über Genuss und Lifestyle in München, dahinter steht allerdings kein großer Verlag, sondern die Leidenschaft einer Person.

Wer einen guten Blog mit einem scharfen Fokus betreibt, der ist neuer Verleger. Blogs besitzen zwar häufig eine kleine Zielgruppe, die – wenn die Blogs mit Tatkraft und Herzblut gemacht sind – allerdings gedeihlich ausgeschöpft werden kann. Und weil die Leidenschaft der Blogs den traditionellen Verlagen durch Hybris und Krisen meist abhanden gekommen ist, sind gute Blogger unsere neuen Verleger.

Ich seh nur noch Bahnhof…

Joy – nicht lesbar

Viele Information sind gut. Zu viele Information wirken fatal. Reden wir kurz über das Handwerk des Blattmachens.

Bei einer Cover-Gestaltung muss das Gleichgewicht stimmen. Wen ich den potentiellen Käufer jedoch mit Textzeilen nur so zuballere, dann erkennt dieser am Ende gar nichts mehr.

Ein gutes Cover muss neugierig machen, optisch locken und emotional binden. Es darf aber nicht labern.

Und ganz schlimm: Wenn selbst der Name des Magazins nicht mehr zu lesen ist, dann wird es ganz traurig. Marke unlesbar, Cover chaotisch = Leser vertrieben.

We have all the time in the world

Für viele Kenner gilt On Her Majesty’s Secret Service als einer der schwächsten James Bond-Filme der gesamten Reihe. Und wohl deshalb ist nach nur einem Auftritt Im Geheimdienst Ihrer Majestät – so der deutsche Titel – für den Australier George Lazenby als Nachfolger von Sean Connery dann auch Schluss mit dem Agentenleben.

Doch auch wenn dieser 007-Film die Erwartungen nicht erfüllen kann, so gehört die Filmmusik dieses sechsten James Bond zu den besten überhaupt. John Barry komponiert We have all the time in the world, Hal David schreibt einen wunderbaren Text. Und Louis Armstrong singt.

Louis Armstrong war 1969 – im Jahr der Aufnahme – schon ziemlich krank, er konnte die Trompete nicht mehr spielen. Das Lied wurde dann auch kein großer kommerzieller Erfolg.

Doch mit zeitlichem Abstand betrachtet, besitzt dieser Pop-Song eine erstaunliche  melodische Anmut und textlich eine bemerkenswerte poetische Tiefe. Und, natürlich, Louis Armstrong singt phänomenal. We have all the time in the world. Am 6. Juli 1971 ist Louis dann in New York gestorben.

 

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