STOCKPRESS.de

Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Autor: Wolfgang Stock Seite 2 von 18

Ernest Hemingway besucht San Gaetano und ist glücklich

San Gaetano, im August 2011; Photo by W. Stock

San Gaetano, Ende August 2011

Nach drei Jahrzehnten kommt Ernest Hemingway zurück, zurück in sein geliebtes Italien. Im September 1948 landen Ernest und seine Frau Mary von Kuba kommend in Genua und fahren im Buick nach Cortina. Von dort geht es in Richtung Süden, zuerst nach Fossalta, wo der junge Ernest 30 Jahre zuvor schwer verwundet worden war, er zeigt die Stelle seiner Übersetzerin Fernanda Pivano.

Weiter nach Venedig. Von Torcello, wo sie wohnen, fahren die Hemingways ins Valle San Gaetano, wo der Baron Nanuk Franchetti zur Entenjagd einlädt. Federico Kechler, ein Landbesitzer in Cortina, hat den Kontakt geknüpft zu den Franchettis, einem alten venezianischen Adel.

Der kleine venetianische Weiler San Gaetano, zwei Kilometer östlich von Ottava Presa, mit seinem halben Dutzend Häusern wird von

Weiterlesen

Teddy Stauffer erklärt den Swing

Teddy Stauffer in Acapulco, November 1982; Photo by W. Stock

Verächtlich wurden sie in den Nazi-Jahren Swingheinis genannt, um zu zeigen, dass sich hier nicht das Gute, Schöne und Wahre der deutschen Kultur manifestiere. Und der beste Swingheini in Deutschland war der Schweizer Teddy Stauffer.

Über 300 Schallplatten haben Teddy Stauffer und seine Original Teddies in den 30er Jahren aufgenommen. Das war Rekord. In den Hitlisten standen sie eh immer ganz oben. In Berlin und Leipzig waren Teddy und seine Mannen so bekannt wie heute Lady Gaga und Madonna zusammen.

Die Stauffer Band war smooth, swinging und vor allem hot. The hottest Band in Town. Und hot bedeutete in jenen Jahren auf jeden Fall sehr amerikanisch. Als ich Teddy Stauffer im November 1982 in Acapulco besuche, unterhalten wir uns auch über die Swing-Musik in der Weimarer Republik.

Teddy Stauffer liebte den großen Auftritt, gefiel sich in der Rolle

Weiterlesen

Havanna, stumpfe Perle der Karibik

Photo by W. Stock

Havanna, im April 1983

Auch in diesem Jahr liegt auf Havanna jene seltsame Jahreszeit, die für die Karibik so typisch ist. Laue Luft, dünne Wolkenstreifen am blauen Himmel, ein warmer Wind aus Südwest, aus Richtung Yucatán. Brecher fegen über den Malecón hinweg und benässen übermütige Jugendliche. Wenn man Glück hat, zieht am Abend eine kühlende Brise über die Insel. Der  Wind hat sich gedreht und weht nun frisch von Florida.

Dämmerung. La Habana, das Herz der Revolution. Ein Herz, das stottert, das stolpert und nicht so recht in voller Taktung schlagen will. Wenn man durch die Strassen und über die Plätze dieser Stadt geht, dann scheint dieses Havanna wie ein Amphitheater aus verfallenen Prunkvillen und kargen Wohnsilos, alles zusammengehalten von Wäscheleinen mit abgetragenen Kleidungsstücken.

Im Jahr

Weiterlesen

Johann Löhn – der Mann, der mich besser machte

Johann Löhn

Johann Löhn, Wolfgang Stock; München, im Mai 2011

Dieser Mann ist eine Koryphäe hierzulande. Ein Vordenker, ein Querdenker und manchmal vielleicht auch ein Querkopf. Physiker, Hochschullehrer, dann Beauftragter für Technologie der Landesregierung unter Lothar Späth, Gründer und nun Präsident der Steinbeis-Hochschule, einer formidablen Privatuniversität in Berlin.

Professor Johann Löhn ist sicherlich ein Denker, aber eben auch ein zupackender Macher. Schon in seiner Studentenzeit hat er ein System entwickelt, das in Sachen Selbstmanagement zum überzeugendsten gehört, das auf dem Markt zu haben ist: das Löhn-System. Dieser Methode gelingt die intelligente Vernetzung von Zielen, Projekten und Aktivitäten.

Mit dem Löhn-System bin ich 1988 in Kontakt gekommen, auf Empfehlung meines damaligen Vorgesetzten Hero Kind. Seit nun fast einem Vierteljahrhundert arbeite ich mit dem kleinen schwarzen Planbuch. Mit

Weiterlesen

Joan Gamper: Schweizer, Gastarbeiter und wohl auch Katalane

Photo by W. Stock

Ein Gastarbeiter in Barcelona. Er war kein Katalane, auch kein Spanier, sondern ein Schweizer. Hans Gamper, katalanisiert als Joan Gamper, Gründungsmitglied und mehrmaliger Präsident der FC Barcelona.

Mit 20 Jahren geht Hans Gamper von Zürich nach Barcelona. Dort arbeitet er für die Crédit Lyonnais, später bei der Sarria Eisenbahngesellschaft als Chefbuchhalter.

Und weil sich die Gastarbeiter aus der Schweiz in ihrer Freizeit ein wenig langweilen, gründen sie als Hobby kurzerhand einen Fußballklub. Wir schreiben das Jahr 1899, und die Schweizer geben dem Verein den Namen Football Club Barcelona, die englische Bezeichnung. Als Farben werden blau-rot gewählt, blaugrana, wie es auf Katalanisch heißt.

1941 wird der Vereinsname ins

Weiterlesen

Cusco verteidigt tapfer seine Tradition

Cusco – Plaza de Armas; Grafik by Amaya A./Pintor Peruano

Cusco, im Januar 1986

Es kann kalt werden in Cusco. Selbst in den Sommermonaten von November bis März erreichen die Temperatur nicht mehr als 15 oder 16 Grad. Und die Nächte im Andengebirge können bitterkalt werden. Ein eisiges, dürres Klima.

Denn die alte Hauptstadt der Inkas, liegt hoch. So hoch, dass sich der Europäer an die dünne Luft erst langsam gewöhnen muss. Der Coca-Tee hilft ein wenig gegen den Kopfschmerz und das Fiebergefühl in über 3.400 Metern Höhenluft.

Wer mit dem Frühzug ins nahe Machu Picchu rauf will, der muss eine Pferdenatur mitbringen. In den Eisenbahnabteilen laufen ambulante Händler mit Sauerstoffflaschen auf und ab, um den notleidenden Bleichgesichtern eine oxygene Notration zu verpassen.

Die Altstadt von Cusco hat sich tapfer

Weiterlesen

Miles Davis als Maler

Grafik by Miles Davis

Als Musiker kennt ihn jeder. Ein Zeus der Trompete. Der Jahrhundert-Jazzer. Mr. Cool himself.

Doch es gibt noch eine andere Facette im bunten Leben des Miles Davis. In den Krisen der späten Jahre sucht der Trompeter Zuflucht und Trost in der Malerei. Musikalisch war Miles im Herbst seiner Schaffenskraft angelangt.

Er macht ihm Mühe, die Trompete zu spielen. Die Hüfte, die Galle, der Magen, ein Schlaganfall. Und überhaupt. Aber da muss was raus aus ihm.

Seine brach liegende Kreativität überträgt Miles nun auf die Malerei. Vielleicht will er mit dem Malen auch den Drogen entgehen, die ihn zu oft im Griff halten. Die Malerei jedenfalls soll ihn ablenken von Last und Laster.

Als Musiker ist er bestens gebildet, gilt als ein Perfektionist, doch als Maler, da bleibt er Autodidakt. Zunächst malt er skizzenhafte kleine Strichzeichnungen, Musiker, einen Don Quixote, einen Ritter, Josephine Baker. The Kiss, zwei Menschen, die sich küssen und im Herzen vereint sind. Oft malt er sich selbst, leicht verfremdet, aber für Liebhaber seiner Musik immer gut zu erkennen.

Erst später experimentiert er mit kräftigen Farben. Jetzt entspricht die Farbe seiner Bilder dem Ton seiner Trompete: surreale, fragile Striche, unerwartete, schrille Farben, expressionistische Köpfe und Torsi. Nun outet er sich endlich auch als Maler. Seine Bilder signiert er stets mit Miles! – mit Ausrufung.

Manche seiner Bilder finden sich jetzt

Weiterlesen

Der moderne Peter Drucker

Er gilt als der Urvater des modernen Managements. Peter F. Drucker. Im Jahr 1966 veröffentlichte der austro-amerikanische Wirtschafts-Professor bei Harper & Row sein Buch The Effective Executive. Das Werk galt fortan als Pflichtlektüre für jeden angehenden Manager. Über Jahrzehnte. Auch heute noch? Oder sind Druckers Ideen veraltet?

Der Mann, der das Management erfand schreibt BusinessWeekund warum Peter Druckers Ideen heute noch Gültigkeit besitzen. Dem ist nicht zu widersprechen, vielleicht muss man nur die Sprache von damals ein wenig polieren, die Ideen als solche haben nichts an Strahlkraft eingebüßt.

Was macht die ideale Führungskraft aus? Peter Drucker hat diese Frage mit klarem Blick und scharfem Verstand vor 45 Jahren in seiner prägnanten und anschaulichen Sprache beantwortet. Ich habe die deutsche Fassung Die ideale Führungskraft im Jahr 1993 nochmals als schön ausgestatteten Reprint bei ECON herausgegeben. Das Nachlesen lohnt.

Sicherlich hat sich die Welt inzwischen fortentwickelt, technologisch, wirtschaftlich, kulturell. Und doch bleiben Druckers Aussagen nach wie vor gültig. Es darf erlaubt sein, sie sprachlich etwas der heutigen Zeit anzupassen. Hier Druckers fünf Essentials eines erfolgreichen Managers:

Weiterlesen

Der Papst fliegt Lufthansa

Photo by W. Stock

Düsseldorf, im September 2008

LH 845, die abendliche Spätmaschine von Düsseldorf nach München. Ein Airbus 321 der Lufthansa. Ist dies ein Flugzeug, wie tausend andere auch?

Nein, denn direkt am Eingang fällt ein stolzes Schild mit dem Wappen des Vatikans und daneben mit dem Wappen der Stadt Regensburg ins Auge.

Darunter steht in deutscher Sprache: Papst Benedikt XVI flog am 21. August 2005 nach dem Besuch des XX. Weltjugendtages in Köln und anlässlich seines Pastoralbesuches in Bayern am 14. September 2005 an Bord dieses Flugzeuges “Regensburg” zurück nach Rom.

Ich frage den Steward, der kurioserweiser Ritzinger heißt und in Marktl am Inn wohnt, wo der Papst denn Platz genommen habe. Der Papst saß auf

Weiterlesen

Dietrich Oppenberg erfüllt sich einen Traum

Düsseldorf, im Mai 1991; Wolfgang Stock, Hans-Dietrich Genscher, Dietrich Oppenberg; Photo by Hasso von Bülow

Dietrich Oppenberg, ein Essener des Jahrgangs 1917, zählte zu den großen Verlegern der Nachkriegsjahre in Deutschland. Sicherlich war dieser ältere, knorrige Herr nicht im medialen Bewußtsein aller, weil er nicht einer jener war, die es in die erste Reihe drängte. Viel lieber blieb er bescheiden im Hintergrund, wusste sich aber stets ausreichend Gehör zu verschaffen.

Nach dem Krieg erhielt er, der politisch von den Nazis verfolgt war, von den Engländern die Lizenz für die Neue Ruhr Zeitung in Essen. Die sozialliberale NRZ war, später im goldenen Käfig des WAZ-Konzerns, in ihren besten Jahren so etwas wie eine Gelddruckmaschine.

Im Essener Presssehaus, das dann wie sein Verleger in die Jahre kam, regierte dieser kurzsilbige, vielleicht auch strategisch nicht sehr weitsichtige, aber stets humane Verleger wie ein kleiner Fürst. Marianne Neveling führte das Verlegerbüro umsichtig und für das redaktionelle Tagesgeschäft war der polternde Chefredakteur Jens Feddersen zuständig. Obwohl die NRZ eine Provinzzeitung im besten Sinne war, wurde diese publizistische Stimme gehört, in Bonn zumal, denn ohne den Ruhrpott wollte man in der alten Republik nicht regieren.

Dietrich Oppenberg war – und das zählt als historische Leistung – einer der

Weiterlesen

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén