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Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Kategorie: Wirtschaft Seite 3 von 8

Gottfried Heller, zerbricht der Euro?

Gottfried Heller

Gottfried Heller, München, Mitte Juni 2013

Schwertfisch auf mediterranem Gemüse. Es mundet. Der Aktien-Altmeister Gottfried Heller besitzt einen wachen Geist und erfreut mit klarer Analyse.

Als elder statesman der Börse sieht er über den Tellerrand und kann die Ereignisse, über die Tagesaktualität hinweg, einordnen. Die köstliche Nachspeise – Aprikosen-Panna Cotta und Himbeer-Sorbet – wird uns fast vermiest durch unser Gesprächsthema.

Stock: Der Euro macht ja seit Jahren große Sorge.

Heller: Der Euro besitzt von Anfang an einen riesigen Konstruktionsfehler.

Stock: Wohl wahr, er ist eigentlich ein politisches Projekt gewesen – und kein wirtschaftliches.

Heller: Schlimmer noch, alle wirtschaftlichen Daten wurden bewußt ignoriert. Man hat hier gänzlich unterschiedliche Kandidaten in ein Korsett gezwängt. Länder, die nicht zusammen passen. Von der Voraussetzung, von der Mentalität, von der Leistungskraft.

Stock: Es wurde ja kräftig geschummelt…

Heller: Wobei zum Schummeln immer

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Was die Eurokrise wirklich ist…

Tabasco

Photo by W. Stock

Wenn man einen Ausweg aus der Eurokrise aufzeigen will, muss man zuerst genau analysieren, welche Art von Krise wir im Euroraum eigentlich vorfinden. Zunächst haben wir es mit zwei unterschiedlichen Krisenfeldern zu tun:

1. Krise wegen der verschuldeten Haushalte. Seit Jahren und Jahrzehnten halten wir die Binnenkonjunktur mit wachsender Neuverschuldung am Laufen. Mittlerweile hat die Verschuldung der nationalen Haushalte jedoch ein Ausmass angenommen, das der Markt nicht mehr zu akzeptieren bereit ist. Die Kreditgeber hegen zudem Zweifel, abstrakt und konkret, an der Tilgung dieses riesigen Schuldenberges.

2. Krise wegen der sinkenden Wettbewerbsfähigkeit. Europa, müde und bequem, hat dramatisch an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Auf den Weltmärkten, als auch in der Binnenwirtschaft. Die Stichworte sind schnell aufgezählt: steigende Lohnstückkosten, geringe Arbeitszeiten bei hohen Löhnen, Überregulierung der Arbeitsmärkte, zu hohe Steuern, viel zu hohe Sozialabgaben, zu expansive und zum Teil unproduktive Sozialausgaben. Die Löhne sind, insbesondere in den südlichen Peripherieländern, der Produktivität enteilt.

Beide Krisenfelder haben miteinander zu tun, sie

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Stefan von Holtzbrinck liebt den stillen Erfolg

Stefan von Holtzbrinck, Wolfgang Stock;
Photo by Daniel Biskup

Wenn Journalisten die Verlagsgruppe von Holtzbrinck in Stuttgart anrufen und nach der Presseabteilung verlangen, stellt sich ein erstes Aha-Erlebnis ein. Denn in der Zentrale des 2,2 Milliarden Euro-Konzerns gibt es seit jeher weder eine Presse- noch eine PR-Abteilung.

Dies hat nichts damit zu tun, dass man etwas zu verbergen hätte oder sein Licht unter den Scheffel stellen will, vielmehr zieht es das Stuttgarter Medienhaus vor, in unaufgeregter Stille seinen Geschäften nachzugehen. Die schlanke Struktur der Holding macht obendrein ein strategisches Führungsprinzip deutlich, das Holtzbrinck mit Erfolg vorlebt: die Dezentralisation. Die Märkte sind lokal, die Geschäfte werden vor Ort gemacht.

Auch der Verleger Stefan von Holtzbrinck ist nicht unbedingt jemand, der

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Lebensgefühl 2013: Krise. Abstieg. Panik.

Grünewald1Der Mann ist diplomierter Psychologe, Psychotherapeut obendrein.Und er hat Deutschland auf die Couch gelegt. Was bei dieser Therapiesitzung herauskam, ist nicht gerade schmeichelhaft für unser Land, aber überaus erhellend.

Der Referent hält uns den Spiegel vor: Die Deutschen stehen ständig unter Dampf. Im Beruf wird immer mehr Leistung abverlangt, der Druck wird immer größer, auch der Alltag ist mit neuen Anforderungen überfrachtet. Überall und zu jeder Zeit perfekt zu funktionieren gehört zum Bild des modernen Menschen.

Doch so viel und so schnell man auch strampelt, irgendwie geht es nicht vorwärts. Das deutsche Wirtschaftswunder scheint kraftlos und schlapp. Unsicherheit und das Gefühl von innerer Leere machen sich breit. Stepham Grünewald sieht unsere Gesellschaft als erschöpft, der Lebenssinn zeige sich brüchig und leer.

Insbesondere bei der Jugend sei diese Labilität zu beobachten. Stabile Beziehungen war gestern. Alleinerziehung, Patchwork-Familien, zu wenig Fürsorge. Doch auch bei den Erwachsenen mache sich ein Gefühl des Alleingelassen breit.

Das Bild des havarierten Vergnügungsschiffes Costa Concordia stehe

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Wenn Sprache verarmt…

Photo by W. Stock

Nicht nur die Schere zwischen reich und arm wird immer größer, auch die zwischen klug und dumm. Oder zwischen Vernunft und Torheit. Bisweilen muss man sich in diesem Land wirklich an den Kopf fassen und an Schule und Bildung zweifeln.

So möchte die nationale Armutskonferenz in Deutschland einige Wörter als „soziale Unwörter“ auf den Index setzen und verbieten. Es gelte, so die Argumentation, Klischees abzubauen.

Die Liste, welche Wörter man künftig nicht mehr sagen soll, ist lang: alleinerziehend, arbeitslos, Langzeitarbeitslose, bildungsfern, der ist Hartz IV, notleidender Kredit, Person mit Migrationshintergrund, Vollkasko-Mentalität. Es handele sich hierbei um abwertende oder auch irreführende Begriffe. Das schlimmste Wort überhaupt sei sozial schwach.

Dabei ist zu erinnern, das man sozial schwach sagt, seit man nicht mehr arm sagen darf. Man sieht, es gibt eine Evolution nicht-gewünschter Begriffe. Und wo das alles enden soll, kann man sich

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Eine gute Aktie? Bitte unsexy

Photo by W. Stock

Generationen von Anlegern und hochmögende Professoren haben sich über diese Frage den Kopf zerbrochen. Über das erfolgreiche Händchen an der Börse, über den Gewinn mit Aktien.

Da wird gerätselt, entschlüsselt, orakelt und debattiert, was denn eine wirklich gute Aktie sei. Tausende Bücher werden geschrieben, Kurven studiert, Kerzen analysiert und Kennziffern hin und her gewälzt.

Dabei ist alles doch viel einfacher. Eine gute Aktie sollte solide daher kommen, dividendenstark sein und substanzreich. Kurz: eine gute Aktie muss bieder sein, keinen Hype mitmachen, nicht abgehen wie eine Rakete und nicht zu Boden stürzen wie eine verglühende Schnuppe.

Kurz, eine Aktie muss – für mich – eine ganz entscheidende Voraussetzung erfüllen: Sie sollte unsexy sein. Je unsexier desto besser.

Meine unsexiste Aktie im Dax:

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Google, das Leistungsschutzrecht und ich

Mountain View/Kalifornien, im Oktober 2009; Photo by W. Stock

Gut 60 Prozent der mittlerweile 4.000 Besucher dieses Blogs kommen über die Suchmaschinen von Google. Wenn Sie beim googeln zum Beispiel den Namen Hemingway eingeben und Fossalta (der Ort, wo Ernest Hemingway im Ersten Weltkrieg schwer verwundet wurde), dann schauen Sie einmal, was die Websuche bei Google und auch die Bild-Suche ergeben.

Ohne Google wäre stockpress.de ein Nichts, ein Vogelschiss in der weiten digitalen Landschaft. Positiv formuliert: Ein kleiner, unbedeutender Blogger kann mittels Google – ganz ohne Geld und Einfluss – seine Rolle im Web finden. Es gibt wunderbare Beispiele dafür. Schauen Sie auf die regimekritischen Blogger auf Kuba, da schafft sich die Demokratie Gehör, trotz Gleichschaltung aller Presseorgane.

Google bringt Traffic. Dafür sollten wir der Firma aus Mountain View dankbar sein. Das müsste eigentlich auch für Verlage gelten. Die Verleger und ihre digitalen Angebote könnten ohne Google nicht mehr leben. Aber, möchte man kurz hinweisen, Google könnte ohne die Verleger leben.

Deshalb gilt es, die Diskussion nach Verabschiedung des Leistungsschutzrechtes wieder

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Die alte Kamelle Arbeitszeitverkürzung

Immer wieder trifft man auf Anhänger der Arbeitszeitverkürzung. Im Augenblick geistert der aparte Vorschlag von linken Intellektuellen durch die Blätter, man möge die wöchentliche Arbeitszeit auf 30 Stunden für alle reduzieren, das gleiche Gehalt wie für 35 oder 40 Stunden zahlen und alle Probleme dieser Welt hätte man vom Tisch. Die Arbeitslosen wäre in Lohn und Brot, die Produktivität würde steigen.

Man muss sich an den Kopf fassen vor soviel ökonomischen Unverstand. Nach dieser hübschen Theorie müsste man die Arbeitszeit wohl auf 10 Stunden pro Woche senken, und man befände sich im Paradies.

Lassen wir rein pragmatische Argumente mal beiseite, ich will ja nicht mit Logik langweilen. Aber was hilft es einem Hilfsarbeiter, wenn der Ingenieur seine Arbeitszeit kappt, wo kommen die Altenpfleger her, die das reduzierte Zeitvolumen auffangen sollen? Mir geht es um etwas anderes: Die Befürworter solch wirklichkeitsfremder Ideen haben die Funktionsweise der Globalisierung nicht verstanden.

Arbeitszeit kann man nach Belieben senken,

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Ricardo und die Globalisierung

Pilotprodukt des wirtschaftlichen Fortschritts im 20. Jahrhundert war das Automobil. Ermög­lichte dieses merkwürdige Vehikel doch, Menschen und Waren von München nach Hamburg in weniger als 10 Stunden zu bewegen. Der Grundstein für Mobilität war gelegt, eine Explosion wirt­schaftlichen Wachstums folgte.

Als Leitprodukt des jungen 21. Jahrhunderts gilt nicht mehr das Automobil, sondern die Telekommunikation. Über 10 Stunden München-Hamburg wird da nur milde ge­lächelt. Der Computer und das Glasfaserkabel schaffen München-New York in einem Wimpernschlag. In Millisekundenschnelle erreicht das Mirakel Internet jeden Punkt des Erdballs.

Dieser freie und hyperschnelle Fluss von Informationen, Wissen und Know-how führt dazu, dass Grenzen, Sprachbarrieren, nationale Gesetze und Regelungen nicht mehr zäh­len. Das Internet sorgt für das Zusammenrücken der Welt, für die Angleichung der Lebensver­hältnisse. Die Welt bleibt 24 Stunden geöffnet und Arbeit kann theoretisch im hintersten Winkel der entlegensten Wüste erledigt werden.

Wenn Arbeit nun global geleistet werden kann, dann bedeutet dies auch, dass Wettbewerb fortan global stattfindet. Jahrzehnte auf­gebaute Trutzburgen und Schutzmechanismen bröckeln nach und nach. Musste bis vor einigen Jahren ein Produkt oder eine Dienstleistung nur regional oder national wettbewerbsfähig sein, so müssen diese heute auch weltweit bestehen können.

So unangenehm dieser

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Helmut Maucher kennt die Erfolgsformel

Düsseldorf, im Mai 1991; Photo by Hasso von Bülow

Gibt es eine Person, die – fachlich wie menschlich – dem Idealtypus eines Wirtschaftsmanagers nahe kommt? Hm, schwierige Frage. Doch wenn ich nur einen Namen nennen müsste, dann diesen: Helmut Maucher.

Helmut Maucher hat in den 80er und 90er Jahren Nestlé – unaufgeregt, aber zielstrebig – zu einem erfolgreichen Weltkonzern geformt. Im November 1990 war ich Gast im Nestlé-Headquarter in Vevey am Genfer See. Maucher lud mich ein zu einem Mittagessen hoch oben in der Vorstandsetage. Der Nestlé-Chef ist ein sympathischer, unprätentiöser Mensch, man kommt leicht ins Gespräch mit ihm.

Aus der Nähe von Wangen im Allgäu kommt Maucher, dort wo die Menschen als ehrbare Bauern und Handwerker arbeiten, und wo man so leicht keinen Spleen kriegt. Helmut Maucher, Jahrgang 1927, absolviert nach Schule und Abitur eine kaufmännische Lehre in einem Molkereibetrieb seines Heimatortes Eisenharz. Dieser Betrieb wird dann von Nestlé gekauft, Maucher wechselt in die Deutschland-Zentrale nach Frankfurt und hier beginnt dann seine Karriere.

Von 1980 bis 1997 war er die Person, die in Vevey das Sagen hatte. Maucher war der erste

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