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Notizen und Anmerkungen von unterwegs

gefährliche Kurven

gefährliche Kurven

Grafik by Fernando Tejeda

Da stehe ich mit meinem silbernen Rimowa-Koffer inmitten der Passagierschlange aus wohl 15 Personen, die alle am Faucett-Schalter für die Abendmaschine nach Lima einzuchecken gedenken. Und dann kommt plötzlich diese strahlende Schönheit in die Flughafenlobby stolziert, eine blutjunge Frau mit weichen Gesichtszügen, eine zierliche Venus im enganliegenden Kleid, das die wohlgeformten Rundungen noch betont.

Einen vielleicht zweijährigen Jungen trägt sie etwas bemüht auf dem linken Arm. Noch bevor ich mir die Frage beantworten kann, was denn ein solch bezauberndes Geschöpf in einem solch gottverlassenen Andenkaff wohl zu suchen hat, steuert sie schnurstracks auf eine Person aus der langen Warteschlange zu. Diese Person bin ich.

Mit strahlenden Augen und einem betörenden Lächeln, das ich seit Monaten nicht gesehen habe, fragt sie, ob ich ihr beim Einchecken helfen könne. Und das sind dann die Momente, wo beim Manne die Beine und das bisschen Hirnmasse weich werden. Selbstverständlich, antworte ich fast mechanisch, es sei mir ein Vergnügen.

Sie gesellt sich mir zu, stellt sich neben mich, erzählt, dass sie nach Lima zu ihrem Bruder fliege. Und langsam rücken wir, wie ein Ehepaar, das sich nicht erst 20 Sekunden, sondern 20 Jahre zu kennen scheint, in der Schlange nach vorne. Das Kind sei der Sohn ihres Bruders, sie selbst sei ledig, und sie freue sich, mich getroffen zu haben, meint sie mit einem zarten Augenaufschlag, während das Kind recht dösig dreinschaut.

Kurz bevor wir an der Reihe sind und noch ehe die Faucett-Angestellte in ihrem adretten roten Kleid mein Flugticket verlangt, fragt die rasante Schönheit mich beiläufig, ob ich ihren Koffer wegen ihres Übergepäcks liebenswürdigerweise auf mein Ticket nehmen könne.

Die Blackouts der Männer dauern mal länger, mal kürzer. Meiner ist just in diesem Augenblick zu Ende. Die Beine stabilisieren sich und das Hirn rutscht wieder hoch unter die Schädeldecke. Sicher helfe ich gerne, antworte ich verbindlich und freundlich, nur würde ich prinzipiell kein fremdes Gepäck auf mein Ticket nehmen. Sie bitte mich inständig, ihr Gesicht nimmt flehentliche Züge an, bitte, wegen des Kindes. Diesmal sage ich nur kurz: nein!

Und da wechselt von einer Sekunde zur anderen der Liebreiz in Wut, da wandelt sich eine wunderschöne Frau in einen feuerspeienden Drachen. Die Furie schreit mich vor allen Leuten an, ich sei herzlos, ohne Gefühl, kein Kavalier, ein Arschloch halt. Und kaum hat sie mir das alles an den Kopf geschleudert, dreht sie sich wutschnaubend um, und verlässt mitsamt Kinde und Koffer schnellen Schrittes die Flughafenhalle.

Die saubere Dame hat jenes versucht, wofür die Peruaner den hübschen Begriff Burrier, so eine Art Maulesel, erfunden haben. Denn in dem Koffer der Schönheit befindet sich wenig damenhaftes. Herrenwäsche, ein Rasierapparat wohl, vielleicht der Playboy und zu guter letzt ein adrettes luftdichtes Päckchen, das für 10 Jahre Drogenknast reicht. Knast für den Burrier, nicht für die Dame, wohlgemerkt. Und ein Esel mag man dann doch nicht sein, auch bei hübschen Frauen nicht.

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  1. Weizmüller

    sehr gefährliche Kurven.

  2. apple

    Jaja, so sind sie eben die Frauen: Sind sie schön, glauben sie, die Männer seien doof. Und tatsächlich haben sie oft Erfolg, wenn die Hormone des Mannes erst einmal in Wallung geraten und das rationale Denken hinwegspülen.

    Da haben Sie aber gerade noch rechtzeitig den Kopf, die wertvolle, inzwischen wieder gehärtete Gehirnmasse inklusive, aus der Schlinge gezogen.

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