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Reisen & Begegnungen

Helmut Maucher kennt die Erfolgsformel

Düsseldorf, im Mai 1991; Photo by Hasso von Bülow

Gibt es eine Person, die – fachlich wie menschlich – dem Idealtypus eines Wirtschaftsmanagers nahe kommt? Hm, schwierige Frage. Doch wenn ich nur einen Namen nennen müsste, dann diesen: Helmut Maucher.

Helmut Maucher hat in den 80er und 90er Jahren Nestlé – unaufgeregt, aber zielstrebig – zu einem erfolgreichen Weltkonzern geformt. Im November 1990 war ich Gast im Nestlé-Headquarter in Vevey am Genfer See. Maucher lud mich ein zu einem Mittagessen hoch oben in der Vorstandsetage. Der Nestlé-Chef ist ein sympathischer, unprätentiöser Mensch, man kommt leicht ins Gespräch mit ihm.

Aus der Nähe von Wangen im Allgäu kommt Maucher, dort wo die Menschen als ehrbare Bauern und Handwerker arbeiten, und wo man so leicht keinen Spleen kriegt. Helmut Maucher, Jahrgang 1927, absolviert nach Schule und Abitur eine kaufmännische Lehre in einem Molkereibetrieb seines Heimatortes Eisenharz. Dieser Betrieb wird dann von Nestlé gekauft, Maucher wechselt in die Deutschland-Zentrale nach Frankfurt und hier beginnt dann seine Karriere.

Von 1980 bis 1997 war er die Person, die in Vevey das Sagen hatte. Maucher war der erste

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Frank Sinatra in Las Vegas, unkaputtbar

sinatrasands3Wir finden uns wieder in Las Vegas, Nevada. United States of America. Der Kalender zeigt den Januar 1966. At the Sands. Frank Sinatra wurde gerade 50. The golden September of his years.

Ist dies die beste Sinatra-Platte ever? Da gibt es doch wohl keine zwei Meinungen! Sinatra. Live at the Sands. Ganz famos, denn an diesem Abend kommen einige Glücksfälle zusammen.

Frank Sinatra befindet sich auf dem Höhepunkt seiner Stimmkraft, das Count Basie Orchestra sorgt für einen sehr vollen und dynamischen Sound und ein junger Kerl namens Quincy Jones sorgt für geniale Arrangements.

Auf dem Label Reprise vereinigt diese Platte die ganze Brandbreite des Sinatra-Repertoires. Feinen Vokaljazz, das American Songbook, whiskeyselige Honky-tonk-Lieder, den melancholischen Lebens-Rückblick, ein ulkiger 12 Minuten-Monolog.

Der Basie-Sound bildet einen kraftvollen

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Ein Schmierentheater in Frankfurt

SchmiereDie Schmiere. Dieser Name genügt als Programm. Laut Eigenwerbung das schlechteste Theater der Welt – angeblich. Solch Eigenlob scheint natürlich leicht übertrieben.

Jedoch mochte Die Schmiere stets wider den Stachel löcken. Die Schmiere wollte immer dagegen halten, sie kultivierte das Aufsässige, betonte ihr intellektuelles Rebellentum. Der Geist der Macher und Spieler zelebrierte das Anti. Das Anti-Establishment. Das Anti-Konservative. Auch wohl auch das Anti-Theater. Und im Grunde genommen auch das Anti-Kabarett.

In der Frankfurter Schmiere wurde des Abends nicht mit dem Florett gefochten, und auch nicht mit dem Degen. Nein, hier flog in jeder Vorstellung ein wuchtiger Holzhammer durch die heiligen Hallen. In dem ehrwürdigen Karmeliterkloster zwischen Paulskirche und Main ging es im Souterrain höchst unheilig zu. Im Keller des alten Klosters, in einem Gewölbe mit schlechter Luft und Möbel vom Sperrmüll, regierte

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Lufthansa: Flug ins kinderlose Paradies

Vorweg, ich mag Lufthansa. Für mich ist dies die beste Fluglinie weit und breit. Wenn es  irgend geht, fliege ich mit dem gelben Kranich. Das Lob für die Lufthanseaten kommt aus tiefem Herzen: solide, sauber, pünktlich, guter Service. Kurz, man fühlt sich in guten Händen.

Doch wenn ich die neue Lufthansa-Anzeige sehe, dann kriege ich das kalte Grausen. Kinder: aus dem Haus, Katze: bei den Nachbarn – Wir: am Ziel der Träume.

Besonders kinderfreundlich war dieses Land ja nie, aber wenn es der Traum sein soll, die Kinder weg zu kriegen, und sich für 489 Euros dem eskapistischen Traum hinzugeben, dann passt diese Werbung ja eigentlich gut in die Zeit.

Die hedonistische Werbebotschaft der Lufthansa befeuert das moderne Weltbild der Verantwortungsunlust und der Belanglosigkeit. Kinder und Katze ruhig gestellt, ab ins kinderlose Paradies, nur weit weg. Alleine, dass Kinder und Katze in einem Atemzug genannt werden, zeigt das verschrobene Weltbild und den dünnen Wertekatalog der Lufthansa-Werber.

Wie tief will die Moral sinken und wie

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Richard Stolley: 8 Tipps für Blattmacher

Palo Alto/California, im Juli 2005; Photo by W. Stock

Drüben in den USA gilt Richard Stolley als Legende im Journalismus. Als ein Blattmacher, dessen Wort in der Branche zählt.

Stolley ist ein netter älterer Herr vom guten Jahrgang 1928, in Ehren ergraut und bedächtig in der Sprache. Aber in dem hektischen Geschäft mit Zeitschriften erfahren wie kein zweiter. Möglicherweise lässt sich weit und breit kein zweiter Publizist finden, der mehr Einblick und mehr Übung im Magazinjournalismus vorweisen kann als dieser Dick Stolley.

Dick arbeitete zwei Jahrzehnte bei der berühmten Hochglanz-Illustrierten Life. Das Wochenblatt ging in die Annalen der amerikanischen Magazinhistorie ein, weil die Zeitschrift nicht wegen Erfolglosigkeit, sondern wegen zu viel Erfolg eingestellt werden musste. Die

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Ernest Hemingway, die dritte Generation

MarielHemingway

Selbst auf der dritten Generation von Ernest Hemingway lag der Fluch. Jacks Töchter Margot, die alle Margaux nannten, und Mariel litten ebenfalls unter dem Ruhm ihres Großvaters.

Margaux blieb zeitlebens immer nur die Enkelin des großen Ernest Hemingway. Wenn sie als Schauspielerin sich einen kleinen Patzer leistete, als Modell nicht das Idealmaß besaß, sich im Fernsehn verhaspelte, so wurde all dies nachsichtig belächelt. Sie war halt die Enkelin dieses großen alten Mannes, da braucht man nicht so viel zu können.

Auch sie mochte keine eigene Persönlichkeit entwickeln. Oder zwischen Anspruch und Wirklichkeit torkeln. Und es kam so, wie es kommen musste. Alkohol, Depressionen, Drogen. Friedhof von Los Angeles, 3. Reihe.

Und da gab es noch

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Gottfried Heller: Die beste deutsche Aktie

GottfriedHellerJan2013

München, Mitte Januar 2013

Ein gutes Essen und ein längeres Fachsimpeln mit Gottfried Heller. Was ist für Sie die beste deutsche Aktie?, frage ich den Börsen-Altmeister. Die beste Aktie im Sinne von solide, zuverlässig, ertragsstark. Ein Papier ohne Überraschung, jedenfalls nach unten. Wenn man sein Vermögen also in nur einen Wert investieren dürfte. Welcher wäre das?

Stock: Wir können ja unsere beiden Lieblinge vergleichen.

Heller: Einverstanden, aber eigentlich bin ich kein Freund von nur einem einzigen Aktienwert. Für jeden Anleger sollte Asset Allocation, also eine intelligente Risikostreuung, im Vordergrund stehen.

Stock: Richtig, so sollte es sein. Aber sehen wir es spielerisch, gehen wir auf die Suche nach dem großen Aktienstar. Vielleicht fangen wir von hinten an, im Ausschlussverfahren. Banken, beispielsweise, mag ich gar nicht. Da findet in meinen Augen keine echte Wertschöpfung statt.

Heller: So streng würde ich das nicht sehen. Aber auch mir gefallen Banken nicht besonders. Die haben in den letzten Jahren ihr Geschäftsmodell ausgereizt.

Stock: Und Versicherungen?

Heller: So ähnlich, nicht ganz so arg wie Banken, aber

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Ein Dekan für Peter F. Drucker

PeterDruckerDeanIm Economist von dieser Woche entdecke ich eine halbseitige Stellenausschreibung. Die Claremont Graduate University sucht einen Dean. Ein Dean, ein Dekan, leitet die Fakultät einer Hochschule und hier sucht man den Kopf für die Peter F. Drucker and Masatoshi Ito School of Management.

Schöne Erinnerungen kommen da auf. Denn in den späten 80er Jahren durfte ich der Lektor und Verlagsleiter von Peter F. Drucker sein, der als Lehrmeister des modernen Managements weltweit anzusehen ist. Der gebürtige Wiener Drucker, ein sympathischer und bescheidener Mensch, lehrte über 30 Jahre an Claremont, das 50 Kilometer östlich von Los Angeles liegt. Von 1971 bis 2002 war er an der CGU Professor, im Jahr 2005 ist Peter in Claremont gestorben.

In meinem gesamten Berufsleben bin ich keinem klügeren Menschen begegnet als ihm, und ich kann versichern, dass ich verdammt vielen klugen Menschen begegnet bin. Die Stellenanzeige skizziert einige der zentralen Gedanken von Peter. Management sei keine Wissenschaft, sondern eine Kunst. Charakter und Moral seien ebenso gefragt wie Modelle und Statistiken.

Die School of Management der Claremont University gehört nicht zu den führenden Business Schoools in den USA, kein Vergleich zu Harvard oder Stanford, aber mit ihren 14 Professoren und dem leuchtenden Name Peter F. Drucker spielt sie als Außenseiter in der Eliteliga mit. Claremont zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass ihr MBA-Studium interdisziplinär anlegt ist. Neben betriebswirtschaftlichem Rüstzeug eben auch

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Ist der Journalismus am Ende?

ftd2012Schwierige Zeiten für Journalisten? Wenn man sich die rapide fallenden Auflagenzahlen anschaut, das traurige Ableben der Financial Times Deutschland, die Insolvenz der Frankfurter Rundschau oder die Westfälische Rundschau, wo man die gesamte 120 Personen-Redaktion vom Titel entleibt hat, wenn man all die düsteren Nachrichten liest, dann muss einem um die Zukunft der Zeitung Angst und Bange werden.

Wenn man jedoch zu sehr auf die Soll-Spalte der Medienbilanz schaut, dann verdeckt dies schnell den Blick dafür, dass im Journalismus ein Umbau und kein Abbau vonstatten geht. Der Journalismus stirbt nicht, er verändert sich nur.

Der alte Journalismus ist siech, scheint – technologisch und inhaltlich – aus der Zeit gefallen. Verabschieden müssen wir uns von dem verbeamteten Journalismus früherer Tage. Von einem Journalismus mit 36-Stunden Woche, automatischen Dienstaltersstufen, üppigen Gehältern, voller Reisekassen, starrem Ressortdenken, überschaubarer Arbeit. Dieser Lou Grant-Journalismus ist passé, er wird auch nicht mehr wiederkommen.

Aber der Medienumbruch unserer Tage und die Krise althergebrachter Medien gebiert

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Hemingways Welt

HemingwayWeltIn diesen Tagen erscheint ein neues Büchlein. Hemingways Welt. Von mir über die Jahre geschrieben. Eine literarische Spurensuche.

Mein kleines Hobby. Andere gehen saufen oder strampeln mit dem Radl den Berg hoch, hier heftet sich halt einer an die Fersen von Ernest Hemingway. Warum? Vielleicht um mehr zu erfahren über einen Autoren oder auch um besser zu verstehen, wie man gute Bücher schreibt.

Es bleibt ein bemerkenswerter Umstand, dass dieser Nobelpreisträger seine Spuren hinterlassen hat und gerade auch von einfachen Menschen mit großer Passion gelesen wird. Selbst Leute, sonst keine Leseratten, kennen und schätzen ihn, erliegen der Faszination seiner Stories und Romane.

Dafür muss es Gründe geben. Die Themen Hemingways sind eingängig. Und obendrein, da mag ein Zusammenhang bestehen, wirklich und wahrhaftig. Der Autor greift voll rein ins richtige Leben. Hemingway spricht vor allem Männer an, jene Mannskerle, die vom Ehrgeiz, zerplatzten Träumen und Niederlagen desillusioniert sind. Männer, die etwas riskieren wollen im Leben, jedoch mühselig zwischen Anspruch und Wirklichkeit balancieren.

Seit den späten 70er Jahren zieht mich der Zufall, oder was auch immer, dorthin, wo auch Ernest Hemingway war, zunächst, ohne dies genau zu durchschauen. Nach Barcelona, nach San Gaetano, auf Kuba, an den Pazifik. Überall hier hat Ernest Hemingway gelebt, vor gut 70, 80 Jahren, ist dort umher gereist. Und siehe da – Hemingway scheint

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