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Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Kategorie: Bayern

Oktober beim Käfer

München, den 28. September 2011; Photo by W. Stock

Oktoberfest in München. Die Wiesn, wie es in bei den Einheimischen heißt. Oder: Der Himmel der Münchner. Meine Freunde in Südamerika sagen La fiesta de la cerveza. Das Fest des Bieres. Was die Sachlage ziemlich genau trifft.

Denn von Mitte September bis Anfang Oktober huldigen sieben Millionen Menschen selig dem lustig machenden Gerstensaft. Die Frauen ziehen ihr Dirndl an, der Mann seine Lederhose, man macht sich auf hinaus zur Theresienwiese, man schlendert, man trinkt eine Maß, dann noch eine, vielleicht eine dritte, aber irgendwie scheinen die allermeisten die Grenze zu kennen und zu respektieren. Auffallend bleibt, wie gesittet und wohl organisiert der Zuspruch zu den Prozenten seine geordnete Bahn findet.

Doch das Oktoberfest ist nicht nur Feiern bis zum Abwinken, sondern hat sich zunehmend auch als

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Ein Geschenk vom FC Bayern München

Die nette Überraschung kommt per Post. Der FC Bayern München schenkt jedem Mitglied in diesem Jahr einen Fan-Schal. Nicht irgendein Schal, sondern ein personalisierter Bayern-Schal. Dazu eine kleine Anstecknadel für die Jacke, die einen als Mitglied ausweist.

Und nochmals hat der FCB mit dieser Aktion unter Beweis gestellt, dass er zu einem der bestgeführten Fussballvereine der Welt zählt. Denn nötig hätte der FCB diese Kundenbindung eigentlich nicht. Die Mitgliederzahl steigt unaufhörlich, man ist mittlerweile an die 170.000 angelangt, und die Heimspiele der neuen Saison sind bereits, noch bevor der erste Ball rollt, schon mehr oder weniger ausverkauft.

Der Wunsch eines Mitglieds zur neuen Saison: Solch ein Ballgeschiebe wie in den letzten Monaten wollen wir nicht mehr erleben. Ich denke, da müssen wir auch keine Befürchtung haben.

Denn der Verein hat sich klug verstärkt. Neuzugänge für die Schwachpunkte: Manuel Neuer im Tor, Jérôme Boateng im Abwehrzentrum, der bissige Rafinha außen in der Abwehr, der Japaner Takashi Usami im Mittelfeld und Nils Petersen, der Torjäger aus Liga zwei. Wer sich von diesen Neuen durchsetzt, wird sich zeigen.

Und den neuen

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Neuschwanstein – das Märchenschloss eines Träumers

Schloss Neuschwanstein im Juli 2011;
Photo by W. Stock

Bill Clinton, der als junger Student das Bauwerk besucht hatte, fragte Jahre später bei seinem ersten Zusammentreffen mit Finanzminister Theo Waigel: Gibt es Schloss Neuschwanstein noch?

Ja, Mister President, Neuschwanstein gibt es noch. Und nicht nur das. Das Schloss Neuschwanstein strahlt schöner und geheimnisvoller denn je.

Wenn man nach Hohenschwangau bei Füssen ins Voralpenland fährt, dann sieht man es schon von weitem. Wie ein Phantasiegebilde erhebt sich auf einem winzig schmalen Felsrücken Neuschwanstein. Das Schloss des verträumten Königs Ludwig II.

Das langgezogene asymmetrische Schloss steht magisch dort, mit seinen

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Endlich Schnee!

Ein Mariachi in Arosa, Graubünden, in der Schweiz. Photo by W. Stock

Über Nacht ist der erste Schnee gefallen. Am Wochenende werden die Skier aus dem Keller geholt, gewachst und für die weiße Pracht fertig gemacht. Die Saison kann beginnen.

Am liebsten fahre innerhalb der Woche, wenn keine Ferienzeit ist und die Pisten fast leer sind. Um 9 Uhr 30 stehe auf dem Berg und um 16 Uhr fahre ich wieder ins Tal.

Mein Lieblingsrevier ist GAP, Garmisch in Bayern, der Hausberg, das Kreuzeck, Alpspitz und besonders Osterfelderkopf. Und die Kandahar. Die Kandahar-Strecke ist eine pfeilschnelle Worldcup-Abfahrt hoch herunter vom engen Kreuzjoch.

GAP. Das Schneeparadies in der Doppelstadt Garmisch und Partenkirchen. Das idyllische GAP ist im März Austragungsort der Weltmeisterschaft 2011 in der alpinen Abfahrt und Kandidat für die Winterolympiade 2018.

Aus diesem Grund hat man vor kurzem die Traditionsstrecke Kandahar runderneuert. Jetzt geht es nicht mehr mit dem alten klapprigen Zweiersitzer auf das Kreuzjoch, sondern mit dem modernen Kandahar-Express zum Gipfel. Die Kandahar ist noch schneller und noch härter geworden. In 1,45 Minuten sind die Weltbesten unten im Tal.

Das neue Streckendesign wurde brutal und auf Effekt angelegt. Vom Starthang geht es über die Olympiakurve und den Eishang schnell in rasanten Kurven nach unten. Das Spektakel kommt zum Schluss. Hinter dem flachen Stück Auf der Mauer erreicht der Skifahrer Der freie Fall, eine abschüssige Strecke mit 92 Prozent Gefälle. Die Worldcup-Fahrer springen dann 50, 60 Meter in diesen freien Fall hinein.

Was ist dran am Skifahren? Ein Tag auf Brettern ist Festtag für alle Sinne. Hoch oben in den Alpen wird man von der guten Luft so  richtig durchgepustet, die Alltagswelt bleibt weit unten im Tal. Irgendwie gleicht das Fahren auf Skiern einer Sucht, der Körper und das Mentale gleiten auf endlosen weißen Pisten. Das macht süchtig, ist aber eine Sucht, die der Gesundheit zuträglich ist.

Es macht süchtig, nicht nur dem Körper, sondern auch die Gedanken. Mehr noch: Der Mensch wird eins mit der Natur. Der Körper – und auch der Geist.

Edmund Stoiber, der Architekt des modernen Bayern

Photo by W. Stock

Gut gelaunt, braungebrannt und mit sich selbst im Reinen kommt Edmund Stoiber aus der VIP-Lounge des FC Bayern München. Gerade haben seine Kicker, er ist Vorsitzender des Verwaltungsbeirates im Verein, in einem spannenden Match gewonnen. Mit viel Schwein und Schweini wurde Werder Bremen mit 2 zu 1 aus dem Pokal geworfen. Und Bastian Schweinsteiger aus Kolbermoor hat beide Tore geschossen.

Schade, dass Sie nicht mehr Ministerpräsident sind, sage ich zu ihm. Da sagen Sie was, antwortet er, das ist wirklich schade. Und Edmund Stoiber schaut mich offen und entspannt an. 14 Jahre war Stoiber Ministerpräsident in Bayern. Sie waren der erfolgreichste Ministerpräsident damals, werfe ich ein. Ja, Danke, sagt er. Wer will da widersprechen.

Denn in der Tat ist dieser Doktor Edmund Stoiber der Architekt des modernen Bayern. Eine Modernität, die auch für ihn gilt. Er verfügt über eine informative Homepage.

Sicher, unter Franz Josef Strauß wurden die Grundsteine für den Aufstieg Bayerns gelegt, doch Stoiber war derjenige, der die Bayern AG als Vorstandsvorsitzende in eine hoch prosperierende Phase geführt hat.

Dabei hat Stoiber den Freistaat geführt nach den Regeln des modernen Management: eine hartnäckige Ansiedlungspolitik, kluge Infrastrukturprojekte, eine innovative Clusterpolitik, beharrliche Mittelstandsförderung, Investitionen in Bildung. Edmund Stoiber und sein vorzügliches Team waren der Wirtschaft nahe und haben den Wohlstand gefördert. Während andere Bundesländer sich im Dialog und in der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Politik arg schwer tun.

Der erzwungene Rücktritt, Stichwort Gabriele Pauli, war schillernd und unwürdig für einen Mann seines Kalibers und seiner Verdienste. Er hatte den Rückhalt verloren, auch und gerade bei den eigenen Leuten. Doch einen solchen Mann abdanken zu lassen, erwies sich als schwerer Fehler.

Die Ernte der Stoiber’schen Politik ist heute in Bayern zu bestaunen: ein hoher Lebensstandard, niedrige Schulden, ein fast ausgeglichener Haushalt und mehr oder weniger Vollbeschäftigung. Das ist sein Verdienst, was immer an Häme von Gegnern und auch von so genannten Parteifreunden gestreut wird. Die Partei, die das schöne Bayern erfand, lästern seine medialen Widersacher über die CSU, aber wie immer am Humor, es ist was Wahres dran.

Ihr Nachfolger ist schwach, sage ich an diesem Dienstagabend zu Edmund Stoiber. Jetzt wird seine heitere Miene ein wenig ernst. Es ist ein Schande, was da passiert. Eine Schande. Und Edmund Stoiber kommt gut in Fahrt. Die Leute wollen klare Kante, entweder dies oder das. Aber nicht dieses Hin- und Her-Gespringe. Ein klares Profil sei gefragt.

Ich nicke und er macht den Eindruck, dass er leidet, an der Orientierungslosigkeit und an dem windschnittigen Populismus der heutigen Politikergeneration. Was soll so aus Bayern werden? Das scheint als Frage im Raum zu stehen.

Zweimal tätschelt er meinen linken Arm und geht zur Rolltreppe. Als ein Mann, der weiß, was er geleistet hat und der als Architekt wohl ein wenig in Sorge scheint um sein Werk.

B. Traven wohnt in München, Clemensstrasse 84

Photo by W. Stock; München, August 2010.

Hier kommt Schwabing daher wie aus dem hübschen Reiseführer. Kleine Ladengeschäfte und exotische Restaurants flankieren die ruhige Clemensstrasse, in der sich jeder Student wohl fühlen müsste. In Parterre des alten Hauses Clemensstrasse 84 findet sich ein kärglicher Getränkemarkt, der zugleich einen Pizza-Service und den Café-to-go anbietet. Gegenüber bietet ein peruanisches Restaurant seine köstlichen Gerichte an.

Das niedliche viergeschossige Haus, in dezentem laubgrün und weiß gestrichen, hat seinen Charme über die Jahrzehnte tapfer verteidigt. Und was die wenigsten wissen, dieses Haus Clemensstrasse 84 birgt ein Mysterium der deutschen Literaturgeschichte.

Von 1915 bis 1919 hat in diesem Eckhaus, auf dem dritten Stockwerk, in einer 3-Zimmer-Wohnung, der Schriftsteller Ret Marut gewohnt und gearbeitet. Dieser rätselhafte Ret Marut zeichnet in jenen Jahren als Verleger und Hauptautor der sozial-radikalen Zeitschrift Der Ziegelbrenner. Im Impressum des ersten Ziegelbrenner-Heftes vom 1. September 1917 kann man nachlesen: Geschäftsstelle des Verlages: München 23, Clemensstrasse. Ohne Hausnummer.

Das ist so diese typische Geheimniskrämerei, die das ganze Leben dieses Autors bestimmen soll. Im Impressum des Ziegelbrenner liest man dann folgende seltsamen Sätze: Besuche wolle man unterlassen, es ist nie Jemand anzutreffen. Fernsprecher haben wir nicht.

Ein kauziger Menschen dieser Marut – und ein geheimnisvoller Schreiber. Von Düsseldorf kommend hat sich Ret Marut, Schauspieler und Autor, in der Clemensstrasse 84 eingemietet. Die Polizeidirektion München verfasst mit Datum 19. 11. 1917 ein Dossier über die suspekte Person: Marut, Ret, geb. 25. Februar 1882 in San Franzisko, amerikanischer Staatsangehöriger, Schauspieler, Schriftsteller, ist seit 3. 7. 1917 hier im Aufenthalt und z. Zt. Clemensstrasse 84/3, in Wohnung gemeldet.

Name – falsch, Nationalität – auch falsch, Geburtsort – ebenso falsch. So gut wie alle Angaben, die Ret Marut den Behörden mitteilt, sind gelogen, alles ist eine ziemliche Räuberpistole, hier werden Nebelkerzen gezündet. Schon dieser merkwürdige Name Ret Marut bildet eine Täuschung, ist eine Erfindung, scheint mehr Phantom als Pseudonym. Vielleicht ist der Name ein Anagramm, ratet rum. Wie auch immer.

Wer die Person nun wirklich ist, die sich hinter dem Kunstnamen Ret Marut verbirgt, darüber gibt es bis heute nur Vermutungen und Spekulationen. Nach der Proklamation der Räterepublik am 7. April 1919 arbeitet Ret Marut als Zensor der bürgerlichen Tageszeitungen und fungiert vom 7. bis 13. April als Leiter des Presseausschusses im revolutionären Zentralrat. Nach der Niederschlagung der nur einen Monat dauernden Räterepublik muss Marut – nun steckbrieflich gesucht – rasch abtauchen.

Und er taucht fünf Jahre später, im Juli 1924, wieder auf. Im fernen Mexiko. Mit ganz anderem Namen. Wieder ein geheimnisvolles Pseudonym. Aus Ret Marut wird B. Traven.

Tu felix Bavaria!

Photo by W. Stock

Der Süden Deutschlands boomt. Mehr Wohlstand als sonst wo, eine niedrige Kriminalität, fast Vollbeschäftigung, die besten Schüler, gute Universitäten, Spitzentechnologie, das beste Essen, ein Weltklasse-Fussball. Alles Zufall? So sieht es zumindest die SPD.

Auch für die Medienwirtschaft ist Bayern attraktiv. Nicht Berlin, sondern München ist die Hauptstadt Deutschlands. Droemer, Random House, Burda, Condé Nast, Süddeutsche, Sky, Pro7, Hanser, die wichtigen Literaturagenten – München ist Deutschlands Medien-Hauptstadt. Sapperlot, was ist denn dran an München, aus welchem Grund will halb Deutschland in der Bayern-Metropole arbeiten?

Böse Zungen behaupten, die Tatsache, dass die meisten Verlage in München angesiedelt seien, habe einen einfachen Grund: In München gäbe es das beste Bier der Welt. Das stimmt! München liegt in puncto Pro-Kopf-Verbrauch an Bier in Deutschland an erster Stelle. Ohne Verlagsleute nur auf Platz 7.

Grüss Gott wird in Bayern gerufen, man ist katholisch in diesen Breiten, sicher doch, aber auf eine überaus pragmatische Art und Weise. Je kürzer der Weg vom Gotteshaus in die Bierschänke, desto besser. Im Kloster Andechs hat man beides praktischerweise gleich nebeneinander gebaut. Verweildauer: Fünf Minuten Kirche, zwei Stunden Wirtshaus.

Zweimal haben die Bayern eine Revolution vom Zaune gebrochen: Einmal 1918, als die Räterepublik ausgerufen wurde, die zweite 1996, als Anwohner per Gericht die Biergärten um 20 Uhr schließen lassen wollten. Die erste Revolution scheiterte, die zweite war von Erfolg gekrönt. Die letzte Mass darf – laut bayerischer Biergartenverordnung – um halb 11 nachts ausge­schenkt werden.

Die königlichen Ludwigs – der erste fiel der Hochstaplerin Lola Montez, der zweite dem Schwachsinn anheim – werden noch immer verehrt. Doch auch die Bilanz der republikanischen Ludwig-Nachfolger kann sich sehen lassen. Unter Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber hat sich Bayern von einem rückständigen Agrarstaat direkt ins zukunftsträchtige High-Tech-Zeitalter gebeamt.

Laptop und Lederhose – beides geht für den knorrigen Bayer schon zusammen. Andernorts, gerade im Westen Deutschlands, wird das Lamento über die Gefahren der neuen Technologien angestimmt und noch immer in den Denkmustern der Fabrikschlote gedacht. In Bayern hingegen kämpfen die Förderungsgesellschaften, Cluster-Initiativen, die Ministerien und jeder Bürgermeister um die Ansiedlung junger High-Tech-Firmen.

Trotz dieser modernen Infrastruktur ist der Bayer im Grunde seines Herzens ein Naturbursch mit rüder Herzlichkeit und mit der Gewitztheit eines Almbauern geblieben. Diese sympathische Symbiose aus Modernität und Bodenständigkeit macht wohl die Attraktivität Bayerns aus.

Wen Gott liebt, den lässt er fallen in dieses Land, so Ludwig Ganghofer über das Berchtesgadener Land. Man möchte anfügen, dies möge auch für München und gleich für ganz Bayern gelten.

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