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Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Kategorie: Denker Seite 3 von 6

Lester Thurow, der soziale Globalist

Photo by Hasso von Bülow

Düsseldorf, den 27. April 1993

Ich hole Lester vom Flughafen ab. Er ist etwas wortkarg nach dem langen Transatlantikflug. Am nächsten Tag werde ich einen Vortrag von ihm moderieren, im Düsseldorfer Messezentrum.

Lester Thurow eilt der Ruf voraus, er sei ein Volkswirt, der überaus anschaulich und gründlich zu formulieren vermag. Er durfte den feinen und flüssigen Kommentar in besten Kreisen üben und pflegen. Über 10 Jahre lang schrieb er eine Kolumne für Newsweek und für die New York Times. Diese Elitemedien gelten als harte Schule, dies schützt vor intellektuellem Überflug.

Dann fahre ich Lester ins Hotel. Er ist ein sympathischer, natürlicher Typ. Ein Professor, dessen Arm und Einfluss weit über das akademische Terrain hinaus reicht, und der trotzdem nicht viel Aufhebens um seine Person macht. Da sitzt in meinem Auto ein ruhiger und zurückhaltender Mann, dem man gerne zuhört.

Thurow, Jahrgang 1938, war viele Jahre

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Gottfried Heller, lassen Sie uns über André Kostolany reden

München, den 30. April 2012

Wohl kein Deutscher kennt den Börsen-Altmeister André Kostolany so gut wie Gottfried Heller. Über drei Jahrzehnte verband beide eine erfolgreiche berufliche Partnerschaft. Zusammen haben sie die private Vermögensverwaltung FIDUKA gross gemacht und haben bei zahllosen Vorträgen und auf Hunderten Veranstaltungen das Publikum informiert und amüsiert.

Wie er Kosto kennengelernt habe, frage ich den Münchner. Im Sommer 1969, auf einer Investmentkonferenz der Hypobank in der Prannerstrasse. Deutschland öffnete sich gerade für ausländische Fonds. Wilde Zeiten damals, IOS und andere Rattenfänger verdarben den Markt. Wenn die Aktie ein Auto sei, so sagte der Referent, dann sei der Fonds ein Bus. Da meldete sich aus dem Auditorium ein kleiner Mann, sein Gesicht kannte ich aus den Capital-Kolumnen, und stellte dem Referenten die bissige Fragen: Sind Sie sicher, dass der ausländische Busfahrer einen Führerschein hat?

Nach der Veranstaltung ging Gottfried Heller, gerade aus sechs Jahren New York zurück, auf den kleinen Mann zu und bot ihm eine Partnerschaft zum Aufbau einer Fondsgesellschaft an. Die Partnerschaft mit André Kostolany hielt dreißig Jahre, bis zu Kostos Tod 1999.

Wie sein Charakter gewesen sei, frage ich Gottfried Heller. Er besaß einen wunderbaren jüdischen Humor, und er war Optimist. Diese positive Lebenseinstellung hatte er von seinem Vater geerbt, einem Likörfabrikanten in Budapest, der selbst in heiklen Situation stets ausrief: Kein Malheur, kein Malheur.

Aber Kosto konnte auch anders. Wie so mancher reiche Mensch war er, nun ja, ein ziemlicher

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Google besitzt Spirit und Leidenschaft

Photo by W. Stock

Mountain View, im Oktober 2009

Bestes Firma von Welt? Schwierige Frage, leichte Antwort.

Selten hat mich der Besuch eines Unternehmens so fasziniert und elektrisiert, wie dieser Besuch bei Google in Kalifornien unter schönstem blauen Himmel.

Die alte Industrie sieht hier noch älter aus. Nestlé, Daimler-Benz, Henkel – kenne ich auch, Spitzen-Unternehmen, auch die habe ich von innen gesehen. Alles kein Vergleich zu Google. Einen besseren Laden als die Firma aus Kalifornien gibt es nicht. Nirgends. Nicht zwischen Alaska und Argentinien, nicht zwischen Tokio und London.

Bei Google in Mountain View wie bei Tante Käthchen mal kurz zum Nachmittagskaffee vorbeizuschauen, das geht so einfach nicht. Doch den

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David Ogilvys kreative Enkel

Photo by W. Stock

New York, im Oktober 2009

Bei Ogilvy an der 11. Avenue, am Hudson River. Eine der größten und wohl auch besten Werbeagenturen der Welt. In Parterre, direkt neben den Fahrstühlen lacht mich der Firmengründer an. Von einer mannshohen Plakatwand. Der Besucher muss neben diesem lebensgroßen David Ogilvy auf den Aufzug warten.

Ein hübsches Portrait. David Ogilvy lehnt nonchalant im Türrahmen, im sympathischen Country-Look, farbenprächtig, ein altes Fahrrad an die Wand gelehnt. Das Foto ist wohl in den späten 80er Jahren aufgenommen, auf seinem Schloss in Frankreich.

Der verehrte Patriarch der modernen Werbung blickt so lebensfroh und quietschfidel drein, so als wolle er jeden Augenblick aus dem Bilderrahmen hüpfen. Man merkt

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Capital ohne Sinn und Seele

Mit schnöseligem “C”. Damit man’s nicht mit dem Oeuvre des bärtigen Karl verwechselt. Die Zeitschrift Capital feiert in diesen Tagen ihren 50. Geburtstag. Den Jüngeren muss man erzählen und den Älteren in Erinnerung rufen, dass diese Zeitschrift aus dem Hause Gruner + Jahr einst an deutschen Kiosken das Glanzstück der Wirtschaftspublizistik war.

In ihren Hochzeiten, so in den 70er und 80er Jahren, verkaufte man schon mal locker 300.000 Exemplare und inhaltlich war das Monatsheft vom Allerfeinsten. Die Rolex unter den Magazinen, wenn man so will. Ein bißchen großspurig vielleicht, aber im Grunde doch ziemlich nobel.

Der Markenkern der Zeitschrift war beim Lesen der exquisiten Stücke wie Parfümduft zwischen all der Druckerschwärze gut zu erriechen. Elitär, immer ein Stück über den Dingen schwebend, mit der nötigen Distanz, die feine Ironie des Überlegenen hier und da spürbar – das war Capital in einem guten Monat. Und davon gab es genug.

Nun feiert sich das Heft selbst, und beim Lesen der Geburtstagsstrecke wird man das Gefühl nicht los, Capital scheine nach einem halben Jahrhundert seinen eigenen

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Peter Drucker: Wissen schafft Erfolg

Im Jahr 1959 prägte ein amerikanischer Autor den Begriff des knowledge workers. Der Wissensarbeiter. Diese Sicht der Dinge war neu.

Peter F. Drucker wies in jenem Jahr in seinen Buch Landmarks of Tomorrow (dt. Das Fundament für morgen) darauf hin, wie stark Wissen, das Know-how, zum zentralen Erfolgsfaktor im industriellen Wettbewerb werden würde. Und nicht mehr die Arbeit auf dem Feld oder an der Maschine.

Analysten, Programmierer, Dozenten, Forscher – sie alle würden das neue Bild der Gesellschaft bestimmen. We know now that the source of wealth is something specifically human: knowledge. If we apply knowledge to tasks we already know how to do, we call it productivity. If we apply knowledge to tasks that are new and different we call it innovation. Only knowledge allows us to achieve these two goals. Die Quelle unseres Wohlstandes und der Motor des Fortschrittes ist Wissen.

Wissen, Kenntnis und Bildung – dies sei der Rohstoff der Neuzeit. Das menschliche Wissen sei die wichtigste Ressource in Wirtschaft und Gesellschaft. Heute ist uns das sehr bewusst, Mitte des letzten Jahrhunderts haben das wenige so klar gesehen.

Das Wissen entscheidet über

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Der ECON Zukunftstag

Anfang der 90er Jahre. Der ECON Verlag besinnt sich auf seine Wurzeln, auf das Themengebiet Wirtschaft und Management. Mit neuen Büchern und Buchreihen.

Dafür hat Verleger Hero Kind mich nach Düsseldorf geholt. Aber wir wollen auch ins Non Book-Geschäft diversifizieren.

Seminare und Kongresse. Diese Ausweitung des Geschäftes erscheint uns als logische Fortsetzung des Verlegens. Warum nicht all die Starautoren des Verlages für einen Tag nach Düsseldorf holen und vor Publikum über ein Thema reden?

Die Idee ist geboren. Hero Kind, ein Mann mit spontanen Einfällen und Geistesblitzen, hat direkt auch die Überschrift parat: der ECON Zukunftstag.

Das Monatsmagazin Capital – in jenen Tagen unter Johannes Gross und Rolf Prudent, das Elitemedium in der Wirtschaft – steigt als Medienpartner ein. Der Kieler Designer Klaus Detjen entwirft ein einprägsames Logo, das in die Höhe gereckte Piktogramm-Männchen, farbenfroh und stark. Empowerment, werden die Amerikaner diese Haltung Jahre später nennen.

Das Philosophie des Zukunftstages ist:

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Tom Peters, der wilde Hund der Unternehmensberatung

Frankfurt/Main, den 2. Oktober 1992; Photo by Hasso v. Bülow

Ein cooler Typ. Wirklich cool. Von den jüngeren amerikanischen Management-Beratern und Wirtschafts-Autoren ist dieser Mann der beste. Und wohl auch der originellste.

Und einer meiner Lieblingsautoren. Diesen Tom Peters mag ich als Vordenker, als Vortragsredner und auch als Mensch. Denn er ist ein bunter Hund, ein richtig bunter und wilder Hund.

Tom wurde mit einem Buch über Nacht berühmt. In Search of Excellence, das erste Management-Buch, das über eine Million Mal verkauft wurde. Zu Deutsch heißt das Werk Auf der Suche nach Spitzenleistungen. Bei meinem ersten Arbeitgeber erhielt jeder Mitarbeiter ein Exemplar dieses Werkes, Mitte der 80er Jahre das Nonplusultra.

Thomas J. Peters, wie er sich damals noch nannte, hatte das Werk mit seinem McKinsey-Kollegen Robert Waterman 1982 geschrieben. Das Thema des Buches: Was haben erfolgreiche Unternehmen eigentlich gemeinsam?

Peters & Waterman haben sich damalige Top-Firmen unter dieser Fragestellung angeschaut. Und die Antwort auf diese interessante Frage lautet: Kundennähe, Action statt Palaver, Freiräume für Mitarbeiter, Flexibilität im Denken, unternehmerischer Geist und das Vorleben von Werten.

All das überrascht nicht, man hat

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Wolfgang Mewes: Der Meister des Engpasses

Im Juli 1989 besuchten Hero Kind und ich Wolfgang Mewes in Frankfurt am Main. Mewes, ein Betriebswirt und Herr im besten Alter, war der Erfinder der EKS, der Engpass Konzentrierten Strategie. Die EKS als durchdeklinierte Strategielehre umwallte im Deutschland der 70er und 80er Jahre eine legendäre Fama.

Wolfgang Mewes, der seine Theorie Anfang der 70er Jahre für den Mittelstand entwickelt hatte, wollte sein Werk, das er als modularen Fernkurs vertrieb, in verlegerische Hände geben. Und ECON war für ihn ein Kandidat. Mewes empfing uns in seinem schmucklosen Konferenzraum und blieb mir als angenehmer und vor allem ziemlich aktiver Gesprächspartner in Erinnerung.

Der ECON Verlag und EKS hätten ein apartes Paar abgegeben. Qualitätsanspruch, Vermarktung, Internationalisierung – das hauptsächlich waren die Themen, über die wir sprachen. Hero Kind und ich mochten, dass bei der EKS einer so klar und stringent von Strategie schrieb.

Die EKS besaß auch deshalb seine Stärke, weil

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Die Löhn Methode macht weniger Stress

Ich hebe sie sorgsam auf wie einen Schatz. Obwohl ich sonst auf Papiere wenig gebe und less paper, more pepper predige. Doch meine Urkunde vom Löhn Grundkurs ist mir wichtig. Zumal sie vom Meister himself unterschrieben wurde, Professor Johann Löhn.

Ich habe selten etwas besseres gesehen und erlebt als diese Methode der Selbstorganisation. Zumal dieser Methode nicht das Dogma anhaftet, das andere Methoden wie eine Monstranz vor sich hertragen. Diese Löhn Methode ist eine einfache und doch geniale Verdichtung von Zielen, Projekten und Aktivitäten.

Seit fast einem Vierteljahrhundert organisiere ich mich mit Löhn, und es hat mir ein paar graue Haare erspart und ein paar Lorbeeren mehr beschert. Man muss ein wenig Disziplin aufbringen und trägt ein kleines schwarzes Planbuch mit sich. Da steht dann alles drin, was man nicht im Hirn haben muss.

Und zu Hause stehen zwei, drei Ordner. Unter deren Mithilfe kann ich in weniger als 20 Sekunden herausfinden, mit wem ich, sagen wir mal, am

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