Reisen & Begegnungen

Autor: Wolfgang Stock Seite 33 von 38

Milton Friedman denkt vor – in Stanford

Hoover Tower, Stanford University; Photo by W. Stock

Wem das Privileg zuteil wird, längere Zeit beim ECON Verlag als Cheflektor für Wirtschaftsbücher arbeiten zu dürfen, der lernt viele Größen der Wirtschaftswissenschaften kennen. Es war eine schöne Zeit in Düsseldorf, mit vielen beeindruckenden Begegnungen. Aber, wer ist denn in diesen Jahren mein wichtigster Autor gewesen, wer der brillanteste Denker?

Nicht jener, der am lautesten brüllen konnte oder der am häufigsten in den Klatschspalten der Zeitungen auftauchte. Nein, nein, ich meine den wirklich wichtigsten Autor. Jenen, der unser Zeitalter nachhaltig geprägt hat. Einen, der Politik und Wirtschaft verändert hat, der neue Ideen und Visionen vorangetrieben hat. Einer mit ganz großen Fußspuren.

Da muss ich nicht lange überlegen. Mein wichtigster Autor war Milton Friedman. Mit ihm habe ich 1992 das Buch Geld regiert die Welt gemacht, das im Original Money Mischief hieß und im gleichen Jahr bei Harcourt Brace Jovanovich in New York erschien.

In dem Werk geht es um die Anfänge des Geldverkehrs. Geld, das war das zentrale Thema von Friedman. The social responsibility of business is to increase its profits. Nicht nur wegen solch marktradikaler Aussagen war Milton Friedman hierzulande nie gut gelitten. Sein Denken blieb im sozialdemokratisierten Deutschland, wenn man so sagen darf, ökonomisch

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Ernest Hemingway und die einfachen Leute

Ein Abendbummel durch das kleine venetianische Fischerdorf Caorle. Hier an der adriatischen Küste, eine gute Stunde östlich von Venedig, wartet in der pittoresken Altstadt eine seltsame Überraschung auf mich.

In die Ecke der Fensterscheibe eines dieser typischen farbenfrohen Häuser hat jemand liebevoll und ohne triftigen Anlass das schwarz-weiße Portrait eines älteren, bärtigen Mannes geklebt. Nein, nein, kein Christusbild, und auch nicht den Baghwan, alles ganz falsch, es ist ein anderer. Das Foto zeigt  den Schriftsteller Ernest Hemingway.

Es bleibt ein bemerkenswerter Umstand, dass dieser Nobelpreisträger seine Spuren hinterlassen hat und gerade auch von einfachen Menschen mit großer Passion gelesen wird. Selbst Leute, die sonst selten ein Buch in die Hand nehmen, erliegen der Faszination seiner Stories und Romane.

Hemingway beherrscht wie kein anderer die Kunst des

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Ein Geschenk vom FC Bayern München

Die nette Überraschung kommt per Post. Der FC Bayern München schenkt jedem Mitglied in diesem Jahr einen Fan-Schal. Nicht irgendein Schal, sondern ein personalisierter Bayern-Schal. Dazu eine kleine Anstecknadel für die Jacke, die einen als Mitglied ausweist.

Und nochmals hat der FCB mit dieser Aktion unter Beweis gestellt, dass er zu einem der bestgeführten Fussballvereine der Welt zählt. Denn nötig hätte der FCB diese Kundenbindung eigentlich nicht. Die Mitgliederzahl steigt unaufhörlich, man ist mittlerweile an die 170.000 angelangt, und die Heimspiele der neuen Saison sind bereits, noch bevor der erste Ball rollt, schon mehr oder weniger ausverkauft.

Der Wunsch eines Mitglieds zur neuen Saison: Solch ein Ballgeschiebe wie in den letzten Monaten wollen wir nicht mehr erleben. Ich denke, da müssen wir auch keine Befürchtung haben.

Denn der Verein hat sich klug verstärkt. Neuzugänge für die Schwachpunkte: Manuel Neuer im Tor, Jérôme Boateng im Abwehrzentrum, der bissige Rafinha außen in der Abwehr, der Japaner Takashi Usami im Mittelfeld und Nils Petersen, der Torjäger aus Liga zwei. Wer sich von diesen Neuen durchsetzt, wird sich zeigen.

Und den neuen

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Mucho macho, Machito

Machito, im Juli 1982; Photo by Volker Wagner

Salsa, Latin, Buena Vista. Das ist Musik, die unter die Haut und dann direkt in die Beine geht. Noch heute hallen die Ohrwürmer der Latin-Klassiker nach, das Oye, como va des Timbalisten Tito Puente, Watermelon man gespielt von dem Perkussionisten Mongo Santamaria oder die Ballade von Pedro Navaja, die Ruben Blades zum besten gibt.

Mit ihrer scharfen Sauce aus viel Rhythmus, südamerikanischer Melodik, ausschweifenden Improvisationen und swingendem Unterbau gelingt es den Salsa-Königen aus Kuba, Puerto Rico und der Bronx musikalisch die halbe Welt zu betören. La Sonora Matancera, Monguito, Celia Cruz, Willie Colón oder Ray Barretto, die alten Knaben vom Buena Vista Social Club – das ist Musik, vital und explosiv, wie sie manch junger Rapper nicht mitreißender hinkriegt.

Doch den Vater, den Urahn, dieser Musik kennen heute die wenigsten. Angefangen hat das ganze in den

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Neuschwanstein – das Märchenschloss eines Träumers

Schloss Neuschwanstein im Juli 2011;
Photo by W. Stock

Bill Clinton, der als junger Student das Bauwerk besucht hatte, fragte Jahre später bei seinem ersten Zusammentreffen mit Finanzminister Theo Waigel: Gibt es Schloss Neuschwanstein noch?

Ja, Mister President, Neuschwanstein gibt es noch. Und nicht nur das. Das Schloss Neuschwanstein strahlt schöner und geheimnisvoller denn je.

Wenn man nach Hohenschwangau bei Füssen ins Voralpenland fährt, dann sieht man es schon von weitem. Wie ein Phantasiegebilde erhebt sich auf einem winzig schmalen Felsrücken Neuschwanstein. Das Schloss des verträumten Königs Ludwig II.

Das langgezogene asymmetrische Schloss steht magisch dort, mit seinen

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Dem Professor Alzheimer seine Gasse

Photo by W. Stock

gefunden in Weßling, im Februar 2009

In dieser winzigen Gasse hat der Herr Professor Alois Alzheimer gewohnt, als er im nahen München praktizierte.

Das unscheinbare Alzheimergassl am idyllischen See, am äh, in äh, verdammt nochmal, wie hieß doch bloß noch einmal dieser See?

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Varadero – der Sieg des Gringo

Photo by W. Stock

Varadero, im April 1983

Kuba ist zwar bitterarm, aber immerhin sozialistisch. Die Insel liegt in den Subtropen, ein Sozialismus unter Palmen. Die pralle Sonne, wenn man will, hübscht den Alltag ein wenig auf.

An einem schwülen Apriltag besteige ich den Bus nach Varadero. Leise hoppelt der klapprige Bus an der Stadt Matanza vorbei. Welch ein kurioser Städtename, kommt mir in den Sinn. Betrüblich für einen Ort, wenn er sich Blutgemetzel nennen muss. Er erinnert an die gnadenlose Matanza der Spanier an den Indios. Auch in Mexiko, in Matamoros – was soviel heißt wie Maurentöten – haben die Kolonisten ihre Blutbäder in Städtenamen verewigt.

Die unberührt wirkende Halbinsel Varadero im Norden gilt als

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Die Präsidenten des FC Barcelona

Photo by W. Stock

Presidents del Futbol Club Barcelona steht als Überschrift auf der langen Granittafel wie in der Kathedrale. In drei Spalten werden alle Präsidenten des FC Barcelona verewigt. Angefangen mit dem Gründer Joan Gamper bis zu Joan Laporte, dem heutigen Präsidenten.

Zu meiner Korrespondentenzeit in Barcelona standen beim FCB 1978 Präsidentenwahlen an, was in der katalanischen Metropole ein größeres Ereignis ist, wie wenn der Bürgermeister gewählt wird.

Gewonnen hat schließlich der

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Auf den Hund gekommen

gefunden in Düsseldorf, im Frühjahr 2009; Photo by W. Stock

Bisweilen, aber wirklich nur höchst selten, beschleicht mich das merkwürdige Gefühl, ein Hund würde in diesem Land besser behandelt als so mancher Mensch. Aber wie komme ich bloß auf solch düstere Gedanken?

Vielleicht weil ich durch eine deutsche Großstadt schlendere und plötzlich das schicke Ladengeschäft Dog’s Deli erblicke. Dieses Dog’s Deli in Düsseldorf ist das Feinkostgeschäft für den gehobenen Hund, der Dallmayr für den Dackel, wenn man so will.

Was solch ein Gourmet-Laden alles anzubieten hat! Einen exklusiven Keramik-Napf für den verwöhnten Kläffer, Mango Crossies für das Schlabbermaul, feinstes Hundegebäck. Ein Hunde-Plaid aus reinster Baumwolle, von Hand gefertigt, schlappe 75 Euro.

Auch wenn ich schon einiges auf dieser Welt gesehen habe, beim hippen Köter-Deli beschleichen mich leise Zweifel. Denn Delikatessen für den Köter, das muss man mal einem Inder oder Nigerianer erklären.

Doch der

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Friedrich August von Hayek geht es gar nicht gut

Er war der wohl wichtigste Denker des Liberalismus im 20. Jahrhundert: Friedrich August von Hayek. Noch heute wirkt die Weltsicht des gebürtigen Wieners vom Jahrgang 1899 nach. Er ist der scharfsinnigste Nationalökonom von allen. Der geistreichste Volkswirt der Moderne. Der Vordenker. Der Mahner. Nobelpreis natürlich. Lehrer der Lehrer. Gottvater.

Als 1944 The Road to Serfdom, auf Deutsch Der Weg zur Knechtschaft, erschien, da wirkte sein Buch wie eine Mahnung in düsterer Zeit. Jede Art von kollektiver Philosophie – einerlei ob national, kommunistisch oder planwirtschaftlich – würde zwangsläufig in Barbarei und Totalitarismus enden. Die Entwicklung in Italien, Deutschland oder in der Sowjetunion gaben von Hayek Recht. Als Gegenentwurf zum Kollektivismus sah der kleine, drahtige Professor die Rechte des  Individuums und die Rechtsstaatlichkeit.

Der Österreicher von Hayek gefiel sich als elitärer Liberaler, als ein schroffer Marktradikaler, als Dogmatiker reinsten Wassers. Dem Begriff Soziale Marktwirtschaft beispielsweise stand er zeitlebens kritisch gegenüber. Sozial, das sei doch so ein

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