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Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Kategorie: Jazz & andere Musik Seite 4 von 9

Sarah Vaughan singt “Send in the Clowns”

Manchmal fliegt der Jazz wie ein Hammer durch die Luft. Solches geschieht bei den Liedern der Sängerin Sarah Vaughan.

Meine Meinung ist bekannt. Von all den großen Jazz-Sängerinnen – Billie Holiday, Ella Fitzgerald, Dinah Washington, Carmen McRae – halte ich diese Sarah Vaughan für die beste. Ich habe sie einige Male live erleben dürfen und immer empfand ich diese Stunde als hohen Feiertag für alle Sinne.

Sarah Vaughans Stimme zeigte sich technisch perfekt: wandelbar, flexibel im Rhythmus, notengenaust in der Intonation. Eine Stimme, mehr wie ein Melodieinstrument, mit starken Momenten, wenn sie die Improvisationslinien rauf und runter gleitete. Und trotz all dieser technischen Rigorosität bewahrte sie eine nonchalante Lockerheit und den scherzhaften Dialog mit den Zuhörern.

Sarah Vaughans Version von Send in the Clowns hat so ziemlich alles, was eine gute Interpretation braucht: Gefühl, Tiefe, Seele. Die Frau konnte singen wie keine zweite, sie vermochte Tonhöhen von Note auf Note traumwandlerisch zu wechseln. Sarah besaß eigentlich eine Altstimme, die

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Wie Benny Goodman die schwarze Musik swingt

Benny Goodman in Den Haag, im Juli 1982; Photo by Volker Wagner

Louis Armstrong, Fats Waller, Artie Shaw, Duke Ellington, und viele andere mehr. Diese Großväter-Generation hat nicht nur den Jazz geprägt, sondern ihn gleichzeitig zu nie gekannter Blüte geführt. Man darf sich als Glückskind fühlen, wenn es einem vergönnt war, einen dieser Titanen des Jazz live erlebt zu haben.

So bleibt der Swing lange im Kopf, wahrscheinlich für ewig, wenn man beispielsweise solch eine historische Grösse wie Benny Goodman hören und sehen darf. Dieser Benny Goodman ist ein ganz formidabler Klarinettist alter Schule. Ein Weltstar, der den Swing in die Wohnzimmer der ganzen Welt gebracht und den Jazz hoffähig gemacht hat. Insofern verkörpert Goodman das Gutbürgerliche im Jazz, das Sittsame, wohl auch das weiß-weichgespülte einer eigentlich schwarzen Musik.

Dieser ältere Herr im cremefarbenen Sakko, der da

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Enrique Plá, Kubas bester Drummer

mit Enrique Plá, im Juli 1983; Photo by Volker Wagner

Der Revolution des Fidel Castro von 1959 folgte auch eine Revolution in der Musikszene Kubas. Alles wird anders.

Zunächst der Exodus: Zahlreiche bekannte Musikidole kehrten ihrer angestammte Heimat den Rücken. Dámaso Pérez Prado – sein Mambo-Orchester fällt mit einem explodierenden Bläsersatz auf – zieht es vor, in Mexiko City zu leben. Ebenfalls nach Mexiko, später in die USA, geht Celia Cruz, die Königin der Rumba. Die fesche Olga Guillot sieht, so singt sie, den so geliebten Son aus Kuba fliehen. Und sie flieht gleicht mit.

Doch Kubas Musikszene zeigt sich vital, rasch kommt eine neue Generation Musiker auf. Chucho Valdes ruft 1972 ein Ensemble ins Leben, das über Jahrzehnte zu den besten weit und breit gehören sollte. Die Gruppe legt sich den

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The Voice & The Brain: Frankie and Quincy

Neben seiner unvergleichlichen Stimmfarbe und seines traumwandlerischen Rhythmusgefühls gibt es ein weiteres Geheimnis um den Erfolg von Frank Sinatra. Der Crooner hat zeitlebens immer genug finanzielle Mittel, Spitzenleute um sich zu scharen.

Das gilt zunächst für Musiker, denn stets haben ihn erstklassige Solisten und Orchester begleitet. Da muss man nur den Namen Count Basie erwähnen. Gleiches jedoch trifft auch auf die Arrangeure zu. Sinatra hat sich stets mit den besten seines Faches umgeben und all die Spitzenarrangeure haben für ihn Spitzenarrangements geschrieben.

Gemeinhin wird die Bedeutung der Arrangeure unterschätzt. Mehr noch als der Komponist verantwortet der Arrangeur den musikalischen Erfolg. Oder anders, ein schlechtes Arrangement kann eine gute Komposition gnadenlos kaputt machen.

Das wusste Frankieboy. Und deshalb legt er auf gute Arrangeure ein besonderes Augenmerk. Nelson Riddle ist der wichtigste Arrangeur Frank Sinatras in den 50er Jahren. Bei Capitol Records beginnt 1953 ihre Zusammenarbeit. Riddle arbeitet über all die Jahre besonders die swingenden Elemente in Sinatras Musik heraus. Songs For Swinging Lovers (1956), A Swinging Affair (1956) und Sinatra Sings For Only The Lonely (1958) sind die herausragenden Platten dieser Partnerschaft.

Der Arrangeur Don Costa betont hingegen mehr die pop-geneigte Seite Sinatras. Seine Meisterstücke sind My Way (1969), Ol’Blue Eyes Is Back (1973) and Trilogy (1980). Es ist dieser Don Costa, der die Arrangements für Sinatras Welthits My Way und New York, New York schreiben sollte.

Aber auch die Arrangeure Billy May, Johnny Mandel, Axel Stordahl in den frühen Jahren, Neil Hefti und Gordon Jenkins bauen wichtige Meilensteine in der Karriere Sinatras. Alles schön, alles oberschön. Doch da gibt es noch einen anderen.

Denn der beste aller besten an Sinatras Seite wirkt zunächst als musikalischer Leiter seiner Band, später dann auch als sein erster Arrangeur. Sein Name:

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Mucho macho, Machito

Machito, im Juli 1982; Photo by Volker Wagner

Salsa, Latin, Buena Vista. Das ist Musik, die unter die Haut und dann direkt in die Beine geht. Noch heute hallen die Ohrwürmer der Latin-Klassiker nach, das Oye, como va des Timbalisten Tito Puente, Watermelon man gespielt von dem Perkussionisten Mongo Santamaria oder die Ballade von Pedro Navaja, die Ruben Blades zum besten gibt.

Mit ihrer scharfen Sauce aus viel Rhythmus, südamerikanischer Melodik, ausschweifenden Improvisationen und swingendem Unterbau gelingt es den Salsa-Königen aus Kuba, Puerto Rico und der Bronx musikalisch die halbe Welt zu betören. La Sonora Matancera, Monguito, Celia Cruz, Willie Colón oder Ray Barretto, die alten Knaben vom Buena Vista Social Club – das ist Musik, vital und explosiv, wie sie manch junger Rapper nicht mitreißender hinkriegt.

Doch den Vater, den Urahn, dieser Musik kennen heute die wenigsten. Angefangen hat das ganze in den

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Teddy Stauffer erklärt den Swing

Teddy Stauffer im mexikanischen Acapulco, November 1982; Photo by W. Stock

Verächtlich wurden sie in den Nazi-Jahren Swingheinis genannt, um zu zeigen, dass sich hier nicht das Gute, Schöne und Wahre der deutschen Kultur manifestiere. Und der beste Swingheini in Deutschland ist der Schweizer Teddy Stauffer gewesen. Über 300 Schallplatten haben Teddy Stauffer und seine Original Teddies in den 1930er Jahren aufgenommen. Das ist Rekord.

In den Hitlisten stehen sie in dieser freudlosen Zeit immer ganz oben. In Berlin und Leipzig sind Teddy und seine Mannen in jenen Jahren so bekannt wie heute Lady Gaga und Madonna zusammen. Die Stauffer Band ist smooth gewesen, swinging und vor allem hot. The hottest Band in Town. Und hot bedeutet in jener Zeit sehr amerikanisch. Als ich Teddy Stauffer im November 1982 zuhause in Acapulco besuche, unterhalten wir uns auch über die Swing-Musik in der Weimarer Republik.

Als Quartett – Willi Mussi, Walo Linder, Pole Guggisberg und Ernest Stauffer – verlassen die Jungjazzer 1929 ihre heimatliche Berner Provinz in Richtung Berlin. Vier übergeschnappte Jungs auf der Suche nach dem Abenteuer. „Wir waren damals drei Schlagzeuger und ein Pianist, als wir in Berlin ankamen“, sagt Teddy Stauffer und lacht über sein braungegerbtes, faltiges Gesicht. Nach und nach bauen sie die Band bis zum Orchester aus. 

Als Bandleader zelebriert Teddy Stauffer den großen Auftritt, er gefällt sich in der Rolle

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Frank Sinatra singt “Send in the Clowns”

Sinatra. Eine andere Version von Send in the Clowns. Hier sieht und hört man dann nochmals, worin die Strahlkraft eines Frank Sinatra liegt. Frankieboy zeigt hier wieder  dies voluminöse, starke Timbre. Diese dichte und volle Klangfarbe.

Trotzdem beschleicht einen wenig das Gefühl, Frank Sinatra sei nicht so ganz bei der Sache. Send in the Clowns ist sicherlich keine Komposition, die Sinatra, wie man so sagt, auf den Leib geschneidert ist.

Vielleicht mochte er dieses Lied auch

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“Shiny Stockings” – besser kann eine Big Band nicht swingen!

Stock mag Shiny Stockings. Sehr sogar. Ein Lieblingstitel über viele Jahrzehnte. Natürlich in der Version von Count Basie.

Frank Foster hat das Lied komponiert. Der saß eine Zeitlang beim Count im Orchester, in der Saxophone-Line genau in der Mitte.

Mittendrin in Shiny Stockings gibt es ein Trompeten-Solo. Das ist schwierig. Weil es technisch rasant zugeht und dazu spitz und hoch geblasen werden muss. Wenn dies Cat Anderson tun durfte, der Mann konnte mit seiner Trompete fünf Oktaven ausfüllen, dann

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Bon Jovi in München

Photo by W. Stock

Pfingstsonntag, am Abend, im merklich in die Jahre gekommenen Münchner Olympiastadion. Die Alt-Rocker aus New Jersey haben sich angesagt. Doch von den Zipperlein des Alters keine Spur.

Mehr als drei Stunden spielen die Musiker in einem Rutsch durch. Die alten Ohrwürmer, neue Lieder, rockige Stücke, langsame Balladen.

Raise Your Hands, damit fängt es direkt fetzig an, und die 67.000 Zuhörer werfen die Hände in Luft. Vom ersten Titel an hat die Gruppe das Publikum im Griff und der Spannungsbogen wird bis zum Schluß gehalten. Bei It’s my Life steht das Stadion Kopf und alle singen mit.

Erstaunlich, wie jung das Publikum ist. Viele

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Stephen Sondheim und “Send in the Clowns”

Send in the Clowns ist eine hübsche Komposition aus dem Jahr 1973. Als Komponist zeichnet der Amerikaner Stephen Sondheim, der den Song für das Musical A little Night Music schrieb.

Der Song wurde schnell zu einem Standard im vokalen Jazz, weil er trotz einer einfachen Dramaturgie eine melodiöse Komplexität besitzt. Die facettenreiche Ballade ist nicht gerade einfach zu singen. Und deshalb schauen wir uns über die nächsten Wochen einmal einige Versionen an, um zu hören, wie unterschiedlich die Künstler mit diesem Lied zurecht kommen.

Den Anfang macht der Komponist himself mit einer liebenswürdigen Unterrichtsstunde an der Guildhall School of Music in London. Der gestrenge Komponist macht ein wenig oberlehrerhaft und doch höflich auf die lyrischen Feinheiten des Songs aufmerksam. Und überaus

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