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Reisen & Begegnungen

Mein Lieblingshotel: Hyatt Regency Köln

A room with a view: Hyatt Regency Köln; Foto: Hyatt Press Office

Man kommt hinein in das weitläufige Foyer des Hotels, alles in einem dezenten Warmton gehalten, und hört zuerst das Rieseln von Wasser und erblickt dann in der Mitte den hohen Wasserfall, der nach Feng Shui bekanntlich Wohlstand und Reichtum verheißt.

Das Kölner Hyatt Regency ist nicht das neueste, und auch nicht das modernste Hotel auf der Rheinschiene. Aber es ist ein Hotel mit Blick und mit einem spürbaren Wohlfühlfaktor. Überhaupt gilt Hyatt für mich weltweit als der Inbegriff des wohnlichen Luxus.

Ich meine jetzt nicht diesen widerwärtigen Protz-Luxus à la Marbella oder Monte Carlo, wo das schicke Diamanten-Täschlein den Menschen spazieren trägt. Nein, ich denke an richtig guten, soliden Luxus, diesen selbstverständlichen, unprätentiösen amerikanischen Luxus, der das Dasein angenehm und praktisch zu gestalten vermag.

Wenn man auf dem Zimmer eine Grusskarte von Axel Ziegler, dem Hoteldirektor, vorfindet, die einen freundlich begrüsst, dann sind im Hintergrund der Karte die beiden gotischen Türme des Kölner Doms abgebildet. Der Hotelier heißt auch nicht Willkommen in Köln, sondern, man achte auf Nuancen, er begrüßt den Gast in der Domstadt.

Damit kommen wir zum Ausblick. Wenn man ein Zimmer zur Rheinseite erhält, und darauf sollte man bestehen, dann hat man diesen mystischen Kölner Dom vor Augen. Des abends, wenn das Kirchenhaus in zarten Blautönen erleuchtet wird, mag es keinen besseren Blickfang im ganzen Rheinland geben. Diese Kathedrale, erhaben und majestätisch, über dem Rhein, fast schwebend.

Der Dom zu Köln. Man kann Buddhist, Brahmane oder meinetwegen auch Agnostiker sein, man wird trotzdem von dem wuchtigen Bauwerk in den Bann gezogen. Und wenn man dann doch als Katholik zur Welt kommt, und zudem auch noch im Rheinland, dann wird der Kölner Dom so etwas wie der Nukleus mit der Welt da draußen. Er steht da, groß und gewaltig, über Jahrzehnte und Jahrhunderte, und um ihn herum spielt sich das kleine Leben ab.

Und wenn dieses Leben gut oder auch böse ist, er hat ja alles gesehen, wenn Soldaten marschieren und Bomben fallen, wenn der Fluss vor Dreck und Gift stinkt oder Häuser in sich zusammen fallen als seien sie aus Pappmaschee, der Dom trotzt all diesem Übel, und lässt sich nicht beirren. Und sollte eines Tages alle Zuversicht weichen und es auf letzte Fragen keine gescheite Antwort mehr geben, auch dann wird er immer noch dort am Rheinufer stehen. Und wenn man ihn sieht, dann spürt man, welch eine Energie in einem zum Himmel gereckten Steinklotz stecken kann.

Ich kenne Leute, Rheinländer zumeist, die das Schicksal, Gott weiß wohin, in die entlegensten Winkel der Welt verschlagen hat, wilde Burschen, die viel gesehen haben und sich in der Fremde mächtig durchbeißen mussten. Harte Jungs, denen, wenn sie nach Köln kommen und den Dom erblicken, Tränen in die Augen schießen wie bei den kleinen Schulbuben.

Aber ich wollte über das Hotel und weniger über den Dom schreiben. Obwohl sich hier ein hübscher Dreiklang ergibt, von Deutz aus gesehen. Hyatt, Rhein, Dom. Das sollen andere Städte erst einmal nachmachen. Da kann mich das Adlon mit Blick auf das Brandenburger Tor nicht mehr beeindrucken.

Kommen wir zurück zum Hotel mit seinem unaufgeregten, und doch leicht spürbaren Luxus. So läuft das hier. Feiner Service, aufmerksam und wohltuend. Auf dem Executive Floor im sechsten Stock wird das ganze mit dem Regency Club dann noch ein wenig verfeinert. Das Restaurant wunderbar und auch am SPA-Bereich mit Pool und Sauna gibt es wenig zu mäkeln.

Illustre Gäste haben im Hyatt Regency Cologne genächtigt: Der amerikanische Präsident Bill Clinton, hochmögende Künstler, Stars und Sternchen. Und, in einer Suite in der obersten Etage, als er sein Konzert auf der Domplatte gab, der große Frank Sinatra. Fünf Sterne und Frank Sinatra. Das muss reichen.

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Gottfried Heller ist very bullish

München, im September 2010

Ein Treffen mit meinem alten Autor Gottfried Heller. Alt nicht im Sinne der Jahre, denn 75 ist ja heute kein Alter für einen Mann. Nein, nein, alt im Sinne von Wissen und Erfahrung. Denn in der Tat gibt es in Deutschland nur ganz wenige, die sich rund um Aktien und Börse so auskennen wie der Altmeister aus München.

Mit dem bekannten Fondsmanager und Vermögensverwalter habe ich vor 20 Jahren das Buch Die Wohlstandsrevolution – Erfolgsstrategien für Unternehmer und Anleger in den 90er Jahren gemacht, und in dem dicken Werk haben wir bei einem zweistündigen Schweinsbraten im Spatenbräu spaßeshalber nochmals geblättert. Es liest sich passagenweise wie ein Buch von heute.

Die Weitsicht von Gottfried Heller in Die Wohlstandsrevolution ist beeindruckend. Die Eurokrise hat er schon gesehen, als es den Euro noch nicht gab, das Schlawiner-Land Griechenland, die lange Depression Japans, die Neupositionierung Deutschlands, der Aufstieg der Emerging Markets, alles wurde angesprochen in Hellers Buch, alles richtig vorhergesehen.

Gottfried Heller zeichnet ein klarer Blick auf den Markt aus und ein fester Denkrahmen. Dazu kommen die kluge Analyse und die jahrzehntelange Erfahrung. Deshalb ist er auch ein gefragter Gesprächspartner in den Zeitungen und dem Fernsehen.

Und er ist keiner, der sich blenden lässt. Nicht vom volatilen Technologie-Geschäft, nicht von heißer Luft um Banken oder dem Chromglitzer der Autos. Als Anleger handelt er konservativ im guten Sinne, er lässt sich nicht nervös machen oder von seiner Linie abbringen. The average investor is his own worst enemy, das hat er in seinen langen Jahren in New York verinnerlicht, der schlimmste Gegner des Investors ist der Investor selbst. Weil er oft nervös und sprunghaft reagiert. Das sind dann die zittrigen Hände, von denen sein Freund André Kostolany einst sprach.

Wie sieht er den Markt in diesen Tagen, genau zwei Jahre nach der Lehman-Pleite? Gottfried Heller ist – wenn wundert’s – zuversichtlich. Es gebe kein besseres Invest als an der Börse. Man müsse allerdings den Anlagehorizont betrachten. Bei 10 oder 15 Jahren seien immer noch gute 10 Prozent Renditen per anno machbar. Insofern komme es beim Aktieninvest auf time und nicht so sehr auf timing an.

Er bleibe Optimist. Alles spricht für einen Aufschwung an den Börsen. Die Psychologie, die Markttechnik, die Tatsache, dass die Masse noch nicht investiert sei, das überaus günstige Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10, das ja im historischen Schnitt bei 16 liegt. Und in den Zeiten des Hype um die Jahrtausendwende bei über 30. Auch die niedrigen Kreditzinsen helfen, nämlich den Unternehmen bei der Expansion und dabei helfen sie auch den Aktien.

Heller schwört auf Dividendentitel. Bei einem guten Stock-Picking seien da doch allein über 5 Prozent Ausschüttung drin. Das ist doch ein Vielfaches mehr als die mickrigen Nullkommaetwas beim Festgeld oder die mageren 2,5 Prozent bei den Anleihen. Er bleibt also bullish, der Gottfried Heller, very bullish.

Ob er eine Lieblingsaktie habe, einen DAX-Wert, wo alles stimmt und man nichts verkehrt machen kann? Gottfried Heller legt die Stirn in Falten und denkt kurz nach. Ein Versorger. Ein ganz stabiles, hoch lukratives Geschäft. Eon und RWE. Da will man Gottfried Heller nicht widersprechen. Versorger. Der nächste Winter kommt bestimmt.

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The Great Hall of the People

Peking, den 15. Mai 2007

Eine offizielle Einladung zum Galadinner in die Große Halle des Volkes. Das ist das Herz der chinesischen Herrschaft, die Volkskongresshalle, ein Panoptikum des chinesischen Kommunismus. Hier finden die Parteitage der Kommunistischen Partei Chinas statt, der nationale Volkskongress, hier werden ausländische Gäste empfangen.

In dieser Great Hall of the People findet heute Abend der Höhepunkt des Verlegertreffens der FIPP statt. Eine Polizeieskorte hat die Strassen abgesperrt und bringt unsere Busse zur Halle. Eigentlich ist die Große Halle des Volkes für das Volk schwer zugänglich und wir sind in gespannter Erwartung.

Die Halle, 1958 erbaut, befindet sich an der Westseite des Tiananmen-Platzes. The Great Hall of the People ist ein im klassizistischen Stil errichteter Monumentalbau, wie er dem Diktatoren-Geschmack weltweit so entspricht.

Auf dem Tiananmen-Platz proklamierte Mao am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China, und hier wurden am 4. Juni 1989 mehr als 2.600 studentische Protestanten von Soldaten nieder gemetzelt. Tor des Himmlichen Friedens heißt das Ganze auch manchmal. In der Mitte des Platzes darf man das Mao-Mausoleum bewundern und zugleich eine merkwürdige Eigenart von Diktatoren: sich für die Nachwelt ausstopfen zu lassen.

Um in die Halle des Großen Volkes zu gelangen, schreitet man eine wuchtige Außentreppe hinauf und gleich hinter dem schwarzen Eingangsportal erfolgt eine gründliche Sicherheitskontrolle wie am Flughafen. Metallische Gegenstände werden in eine Plastikbox gelegt und der Mensch geht durch den Detektorbogen. Taschen verboten, Fotokamera verboten, Tonband verboten.

Das innere des Monumentalbaus überzeugt, wie bei Mussolini und Stalin, durch diktatorische Einschüchterungsarchitektur. Hohe Decken, wuchtige Säulen, breit gezogene Treppen, monumentale Räume. Hier haben Mao, Zhou, Deng und Genossen das Auf und Ab des Milliardenvolkes beschlossen und beschließen lassen.

Das Bankett findet in einem riesigen Saal an gesetzten Tischen statt. Die 900 Verleger werden an jeweils 12-Personen-Tischen rund um eine breite Bühne verteilt. Auf der Bühne das übliche Potpourie Chinas: ein bisschen Peking-Oper, ein wenig Pop-Schmalz und etwas Akrobatik. Anschließend Grussworte, so wie Grussworte halt zu sein pflegen. Eine zierliche, hübsche Dame, die man vor ein paar Stunden noch in TV sehen durfte, moderiert perfekt in Englisch und Mandarin.

Jeder Tisch hat seine eigene Bedienung. Nach und nach bringen die Kellner Spitzengerichte chinesischer Provenienz: Muschelsalat, Garnelen, Rindfleisch, Huhn, alles dargereicht mit feinen Variationen delikater Saucen. Dazu besten Wein von in- und auswärtigen Reben. Die Verlegerkollegen an meinem Tisch, aus USA, Indien, Korea und Indonesien waren angetan. Hübsch die Zahnstocher, eigens für die Great Hall of the People konfektioniert. Ich habe einige davon mitgehen lassen, ebenso wie die Speisekarte.

Das ist das einzige was ich mitgenommen habe. Nun ja, auch einige luzide Eindrücke zu Architektur und Politik natürlich.

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Wie Erwin Barth von Wehrenalp „Mister Sachbuch“ wurde

Erwin Barth von Wehrenalp, Frankfurt am Main, im Juni 1990, Photo by W. Stock

Frankfurt am Main, den 7. Juni 1990

Er war schon ein alter und auch arg gebrechlicher Mann, als ich Erwin Barth von Wehrenalp kennen lernte. Auch wenn er sich körperlich schnell erschöpfte, ganz oben, in den grauen Zellen, da zeigte er sich noch hellwach. Und seinen Charme und diesen österreichischen Schmäh, den hatte er sich sowie so noch erhalten.

Leider habe ich nie unter diesem Verleger arbeiten dürfen, da lagen die Jahre dazwischen, im Grunde trennten uns ja zwei Generationen. Als ich zu ECON nach Düsseldorf kam, da war von Wehrenalp schon sieben Jahre aus dem Verlag.

Wohin man jedoch auch ging, der Geist und die Aura des Erwin Barth von Wehrenalp schwebten scheinbar mit. Schriftsteller, Politiker und Wissenschaftler fragten nach ihm, erzählten bunte Anekdoten, gaben beste Grüsse mit auf den Weg. Kein Zweifel, das merkte der junge Lektor, von Wehrenalp, einer der großen Verleger Deutschlands, hatte Spuren hinterlassen.

Im November 1950 gründete Erwin Barth von Wehrenalp einen Verlag im Pressehaus am Düsseldorfer Martin-Luther-Platz. Das Baby wurde ECON getauft – als Abkürzung von Economia – und der Name sollte Programm sein. Die Marke sollte kurz sein, einprägsam und international. Und auf das verlegerische Kernstück – die Wirtschaft – hinweisen.

Die ganze Breite des Sachbuchs sollte dieser Verlag in den nächsten Jahren einem großen Publikum vorstellen: John F. Kennedy, Gerhard Herm, Martin Luther King, Walter Henkels, Amitai Etzioni, Vance Packard, Erich von Däniken, Rudolf Pörtner, Norbert Wiener, ich könnte ein kleines Telefonbuch herunter beten, die großen Denker und Akteure jener Jahre haben bei ECON ihre verlegerische Heimat gefunden.

Wer einen Verlag betreibt, wer seine Themen aus dem prallen Leben greift, der hat am Ende des Tages vielerlei in Händen: seltene Pretiosen, viel Dutzendware und wohl auch einiges, worüber der Chronist taktvoll den Mantel des Schweigens legt.

Er war ein ziemliches Schlitzohr, der erste ECON-Verleger, und zugleich ein charmanter Grandseigneur, wie ihn so nur felix Austria hinkriegt. In Dresden geboren und in Wien als Sohn eines österreichischen Arztes aufgewachsen, verfügte von Wehrenalp über jenen ondulierten Plauderton, der in Deutschland Herz und Hirn schmelzen lässt. Von Erwin Barth wird kolportiert, er habe jeden, aber auch wirklich jeden halbwegs bekannten Zeitgenossen mit seinem Standardsatz „Sie müssen unbedingt ein Buch schreiben!“ kräftig gebauchpinselt. Manch einer hat dann tatsächlich zur Feder gegriffen.

Der muntere Bonvivant besaß ein verläßliches Gespür für Themen und Titel. Er hat es über Jahrzehnte geschafft, eigentlich trockene Stoffe aus Historie, Forschung oder Wirtschaft auf unterhaltsame Art und Weise zu popularisieren. So lautete wohl auch der verlegerische Auftrag jener Jahre: Spezialwissen einem breiten Publikum verständlich dar zu reichen.

Und die ECON-Titel von damals summen noch heute im Ohr: Und die Bibel hat doch recht. Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit. Wohlstand für alle. Wenn das alte Schwarzweiß-Foto von Ludwig Erhard mit seiner schmauchenden Zigarre veröffentlicht wird, dann hält der Vater des deutschen Wirtschaftswunders noch immer sein berühmtes ECON-Buch in der Hand. Von Kanzler Konrad Adenauer wird die Anekdote überliefert, er habe seinen Wirtschaftsminister Erhard gefragt, ob der Titeltexter seiner ECON-Bücher nicht auch die CDU-Wahlkampfslogans schreiben könne.

Von Wehrenalp, Jahrgang 1911, war ein Verleger der alten Schule. Mit allen Vorzügen und auch mit allen Grenzen. Sein riesiger Erfolg erklärt sich vor allem aus der wissensdurstigen Nachkriegszeit. Ende der 70er Jahre war Mister Sachbuch dann aus der Zeit gefallen. Konkurrenz, Konzerne, Fernsehen und Medienboom verlangten mehr als nur Charme und Chuzpe. Die moderne Medienwelt war nicht mehr sein Ding.

Der Österreicher verkaufte 1981 seinen angeschlagenen Verlag, er ging zurück in seine Heimat nach Anif bei Salzburg und verbrachte schließlich den Lebensabend in Paris. Im April 1996 ist er dort verstorben. Auf Père Lachaise hat seine Frau ihn begraben.

siehe auch: Hero Kind, der letzte ECON-Verleger
siehe auch: Erwin Barths Geheimnis

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Berlin, die welke Rose

Photo by W. Stock

Die Grundmelodie Berlins klingt tonal nach moll. Traurig und grau. Die Stadt kommt einem immer etwas dunkler vor als andere Großstädte. Irgendwie erscheint diese Stadt gris, vernebelt, so ohne Wärme, selbst wenn die Sonne scheint.

Wenn München einen Schuß Italien besitzt, Hamburg Skandinavien und Köln etwas savoir vivre, so hat Berlin allenfalls etwas von der tristen Melancholie osteuropäischer Metropolen.

Stets schwankt mein Eindruck von Berlin. Wohlfeile Neubauten, eine spürbar wachsende Weltläufigkeit, adrette Restaurants, besonders in Berlin-Mitte, dem ehemaligen Ost-Berlin. Im alten Westteil der Stadt hingegen sehen die Fassaden piefig, triste und verschlampert aus.

Wenn ich in Berlin weile, fällt mir auf, dass die Zahl der Bettler wächst. Bettler finden sich auch in München. Aber in Berlin sind es andere Bettler. In München kommen die Bettler von außen, aus Rumänien beispielsweise, und ihre Bettelei wird organisiert wie im Konzern. In Berlin jedoch kommen die Bettler von innen, es sind Berliner, ihre Arbeit wirkt nicht organisiert, sondern verzweifelt.

Schnell steht man in Berlin auch im Tabakqualm. In New York sieht man auf den Strassen mittlerweile fast gar keine Paffer mehr. Und die Berliner mit ihren Glimmstängel scheinen oft keine Genussraucher, sondern Unterschichtsraucher.

Deutlich merkt man der Stadt noch immer die dreifache Hypothek an. Den DDR-Kommunismus, die BRD-Subventionsmentalität und das Rot-Rote des Stadtchefs Klaus Wowereit. Man kann ziemlich erbärmliche Ecken in Berlin finden und eine erschreckende materielle Kargheit beobachten in dieser Stadt. Annahme von Sozialscheinen lese ich in riesigen Lettern an der Fassade eines Haushaltswarengeschäftes in der Beusselstrasse.

Nun könnte man Berlin als seltsames Biotop aus Politik am Tropf, Multikulti-Romantik und vier Jahrzehnte kommunistische Diktatur abtun. Doch seit mehr als 20 Jahren ist dies unsere Hauptstadt, eigentlich müsste die Stadt erblühen wie eine Frühlingsrose nach einem strengen Winter.

Doch hier zeigt sich auch, wo rot regiert, da zieht über kurz oder lang eine schleichende Armut in die Strassen und eine verschämte Not auf die Plätze. Und wo tiefrot regiert, da geht es für viele rasch abwärts mit materiellem Wohlstand und auch mit bürgerlicher Gediegenheit.

Das ist Berlin: Ein Drittel Bürokraten, ein Drittel Rentner, ein Drittel Hartz IV-Empfänger. Traurig genug, dass Deutschlands größte Stadt keinen einzigen Konzern von Weltrang, kein DAX-Unternehmen und keine bedeutende internationale Firma vorzuweisen hat. Traurig, aber irgendwie bezeichnend!

Arm aber sexy umschreibt der Regierende Bürgermeister seine Stadt, und der Slogan impliziert eine nonchalante Rotzigkeit des mit seiner Politik Gescheiterten. Arm ist unsexy möchte man rufen, aber ein Sozialscheine-Verwalter wird dies nicht kapieren.

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Werner Herzog will ein Schiff über einen Berg ziehen

Werner Herzog
Fitzcarraldo
Werner Herzog dreht Fitzcarraldo im Dschungel des Amazonas; Iquitos, im Januar 1981; Foto: W. Stock

Bellavista, im Januar 1981

Wenn man die Amazonasregion bereist, so begleitet einen stets das Gefühl der Überlegenheit dieser Natur, einer Übermacht, die in den Tropen in keiner Sekunde weichen will. Einerseits wirkt Mensch im Urwald so klein, so schutzlos, so unwichtig, andererseits spürt er aber auch, was Leben und Lebenslust denn so bedeuten kann. Es mag vielleicht diese Mischung aus Demut und Faszination sein, die der Amazonas uns beibringen will.

Die Tropen zeichnet etwas Unwirkliches aus, dieser Landstrich bewegt sich wie aus einer heißen Phantasiewelt, er kommt einem vor wie eine Fieberhalluzination, wie ein Traum, aus dem man plötzlich hoch zu schrecken droht. Man wird demütigt in diesen Breiten, wohl wahr, jedoch auch leicht übermütig.

An der staubigen Landstraße nach Bellavista am Rio Nanay hat in der von Urwaldvegetation umrankten Villa Mercedes ein Deutscher sein Quartier aufgeschlagen. Um genau zu sein, wohnt dieser Mann nicht direkt in der zweigeschossigen Tropenvilla. Der Künstler hat sich aus dem großzügig bemessenen, bequemen Haus ausquartiert und residiert nun auf einem baumhohen Haus auf Stelzen, das er eigenhändig mitten in die Üppigkeit des Dschungelgartens gebaut hat. Hier lebt er in luftiger Höhe inmitten von Bananen- und Yuccastauden.

Wer bloß ist dieser seltsame Mensch, fragen sich auch die Anwohner dieses Landstrichs, der so isoliert und entfernt liegt von jenen zivilisatorisch herausgeputzten Gegenden dieses Globus. Und der einen pompösen Film drehen will, Fitzcarraldo, über einen merkwürdigen Abenteurer am Amazonas. Der Mann im Baum ist der deutsche Regisseur Werner Herzog, el Gringo alemán, wie ihn die Loretaner hier nennen.

Gegen Mittag besuche ich Werner Herzog in der Villa Mercedes. Unten in Parterre hat die Filmcrew mit der Ausrüstung ihren Arbeitsbereich, im ersten Stock des Hauses, im riesigen Wohn- und Esszimmer, sitzen Regisseur, Schauspieler und Kameraleute um einen langen Tropenholztisch. Werner Herzog lädt mich in den Garten ein und zeigt mir sein Baumhaus. Und auch der Besuch muss sich der Mühe unterziehen, die lange Sprossenleiter ins mächtige Stelzenhaus hochzuklettern.

Oben entwirft Herzog die Vision des Films und erzählt, dass die körperliche Anstrengung in seinen Filmen eine zentrale Rolle spiele. Es wäre schlimmer für mich, ein Bein zu verlieren als ein Auge, sagt der Regisseur, der opulente Bilder schafft. Und Herzog will im peruanischen Amazonasdschungel einen pompösen Film drehen, ein Leinwandspektakel, wie es sein Heimatland Deutschland, ja, die ganze Welt und das armselige Peru sowieso noch nicht, gesehen haben. In dem Film muss etwas völlig Irrwitziges, etwas ganz und gar Phantastisches passieren. Etwas, das zeigt, dass Willenskraft stärker ist als Schwerkraft, dass Wollen größer ist als Sein.

Ein Schiff muss über einen Berg gezogen werden. Und Werner Herzog war in Hollywood und hat seine Idee vorgestellt. Wunderbar, sagten die Filmbosse, eine hübsche Idee. Wir gehen in den Botanischen Garten von San Diego und lassen vor der Trickkamera dort das Schiff über einen Berg ziehen. Nein, nein, hat Werner Herzog ärgerlich gesagt, ein Schiff muss über einen Berg gezogen werden. Ein richtiges Schiff über einen richtigen Berg.

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Eine Schönheit

Photo by W. Stock

The world is a fine place and worth the fighting for it.

Die Welt ist ein schöner Ort und wert, dass man um sie kämpft.

Ernest Hemingway, For whom the Bell tolls, 1940

Bitte besuchen Sie zum Thema Ernest Hemingway mein neues Blog Hemingways Welt.

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B. Traven versteckt sich in Acapulco

Ein sonniges Plätzchen für schattige Winkelzüge. In Acapulco hält sich B. Traven ab 1930 versteckt, wo er ein kleines Landhaus mit einen großen Obstgarten außerhalb des Zentrums bewohnt. El Parque Cachú an der Avenida Costa Grande 901 ist ein mit vielen Bäumen und Gestrüpp bewuchertes Landhaus an der Strasse nach Pie de La Cuesta.

Die heute heruntergekommene Obstplantage liegt an einer vielbefahrenen Ausfallstrasse Acapulcos, weit weg von den imposanten Hotels und der azurblauen Bucht. Eine Holzgittertüre, vom Staub der Strasse und der schwülen Tropenhitze angefressen, verdeckt den Blick auf das einfache Ziegelhaus.

Es ist, wie in diesen Breiten üblich, ein bescheidenes eingeschossiges Bauwerk mit einem flachen Dach und einfachen Klappfenstern. Das Haus wurde ohne jeden Schnörkel symmetrisch auf einer kleinen Anhöhe gebaut, zu der die Dutzend Steinstufen einer kleinen Treppe führen. Um das Gebäude herum gruppiert sind Mangobäume und vor allem zahlreiche Nussbäume, die der Huerta den Namen geben.

Der Autor von El Tesoro de la Sierra Madre – Der Schatz der Sierra Madre – lebt im Parque Cachú mit einer jungen indianischen Frau zusammen, Maria de la Luz Martínez, die Besitzerin der Obstplantage ist. Maria und ihre Schwester Elva betreiben im Parque ein kleines Gartenrestaurant, das den Geschwistern und ihrem Mitbewohner Traven, insbesondere in den Kriegsjahren, als aus Europa nur geringe Tantiemezahlungen fließen, den Lebensunterhalt garantiert.

In Acapulco erhält Traven auch seinen ersten mexikanischen Personalausweis. Gastwirt trägt Traven in manchen Lebenslauf als Berufsbezeichnung ein, und in diesen Jahren sollte dies ausnahmsweise dann annähernd den Tatsache entsprechen.

Traven arbeitet viel im Obstgarten, ansonsten schreibt er in seiner oficina an seinen Romanen. Wie ein Einsiedler ohne jeden tieferen Kontakt lebt der kauzige Mann in diesem sonnigen, verfallen wirkenden Gartenhaus in Acapulco und die Nachbarn nennen den drahtigen, kleinen grauen Mann El Gringo.

Acapulco ist damals noch lange nicht der mondäne Badeort späterer Jahre, keine Jetset-Destination, sondern ein armes, verlassenes Fischernest am Pazifik mit gerade mal 8.000 Einwohnern. Und im heiteren Acapulco kann man sich höchst angenehm verstecken.

Der geheimnisumwitterte Schriftsteller lebt in Acapulco unter dem Namen Berick Traven Torsvan, was einerseits seine Identität ausreichend camoufliert, ihn anderseits noch in die Lage versetzt, Honorare für einen B. Traven anzunehmen. Postfach 49, Acapulco, Guerrero, México – das bleibt seine einzige Verbindung zur Welt nach draußen.

Auch während der Zeit des Zweiten Weltkriegs bleibt er in dem idyllischen Pazifikstädtchen untergetaucht. Dies besitzt den charmanten Nebeneffekt, dass er den nun zahlreichen deutschen Emigranten, die es nach Mexiko City verschlägt, nicht über den Wege laufen muss. Egon Erwin Kisch, der rasende Reporter, beispielsweise macht sich auf die Suche nach seinem schreibenden Kollegen, von dem er weiß, dass er der frühere Münchner Revolutionär Ret Marut sein muss.

Ein Flüchtiger auf der Flucht vor Flüchtlingen, merkt der Traven-Biograf Karl Guthke spitz an. Aber B. Traven versteckt sich unbeirrbar viele, viele Jahre in seiner Huerta und in diesen beiden Jahrzehnten hier in Acapulco schreibt der deutsche Autor ein halbes Dutzend detailreicher Romane über tapfere Campesinos, darbende Indios und feiste Hacendados. Also, über Mexiko.

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Jawoohl, Jahaaz Yatra

Jazz Yatra

Jazz Yatra, Mumbai/India, im Februar 1982; Photo by W. Stock

In Bombay, das heute Mumbai heißt, hole ich bei Niranjan Jhaveri die Pressekarten für das Jazz Yatra Festival ab. Niranjan bittet mich zu Tisch und so esse ich bei den Jhaveris zu Mittag. Yatra ist Sanskrit und beschreibt im Hinduismus die Wallfahrt an geheiligte Orte. Eine hübsche Metapher für den Jazz.

Die Familie wohnt in einem Condominium am Kher Marg etwas außerhalb der Stadt. Niranjan, Generalsekretär von Jazz India und Manager des Yatra Festivals, hat sich wie kein zweiter um den Jazz in Indien verdient gemacht. Gleichzeitig ist er auch ein hervorragender Journalist und Dozent in Sachen moderne westliche Musik.

Zwischen dem Jazz und Indien gibt es einige interessante Berührungspunkte. So wilderten beispielsweise Ravi Shankar und der Altsaxophonist Bud Shank und Don Ellis im jeweils anderen Revier. Dabei galt die einfache Devise: Der Rhythmus eint, die Melodie trennt.

Eine indisch-jazzige Fusion mit Erfolg gründeten John McLaughlin und der indische Violinist Laxminarayan Shankar. Der Name dieser Gruppe: Shakti. Auch sie tritt beim diesjährigen Jazz Yatra auf.

Am Abend dann auf dem Festivalgelände. Der legendäre Radiomann Willis Conover aus den USA hat als Master of Ceremony abgesagt und nun übernimmt der lustige Terry Isono den Part als M.C.. Wenn der Japaner John Coltranes A Love Supreme ansagt, dann sagt er A Love Supleme. Das Programm ist nett bis obernett und immer wenn es rockig wird, springt das Publikum von den Stühlen auf.

Der Pianist Billy Taylor, der Flötist Herbie Mann aus den USA. Dann der deutsche Saxophonist Ernst-Ludwig Petrowsky, das ist raubeiniger Free Jazz aus der DDR. Dazu Jazz plus Indien mit Shakti. Ein solches Festival in der Dritten Welt muss mit beschränkten Finanzmitteln arbeiten. Damit hängt eine solche Veranstaltung am Tropf des Auswärtigen Amtes, des Goethe-Instituts oder der amerikanischen Kulturförderung. Aber dies muss das schlechteste ja auch nicht sein.

Niranjan kümmert sich rührend um die Journalisten. Manche schreiben fleißig, andere rauchen ihr Pfeifchen. Das Festival findet im Mumbais Zentrum statt, direkt neben einer belebten Tangente. Was allerdings den Vorteil besitzt, dass man schnell über die Strassenbrücke in ein populäres Restaurant huschen kann, um ein Lamb Masala zu verdrücken.

An den vier Tagen des Festivals schwebt die Frage in der Luft, ob der Jazz in einem bitterarmen Land wie Indien denn seinen Sinn macht. Welch arroganter Gedanke! Mehr als 20.000 begeisterte Zuhörer geben auf diese abwegige Frage die gebührende Antwort. Übrigens, 20.000 im Beat kräftig mitgehende Besucher.

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Hemingway und der Stierkampf

Außerhalb der iberischen Halbinsel versteht man Sinn und Hintergrund des Stierkampfes nur unzureichend. Ernest Hemingway, der bärtige Amerikaner, hat die Philosophie der Corrida de Toros intuitiv erfasst.

Bei seinen Besuchen in Spanien erliegt Hemingway der Faszination des Stierkampfes. Einmal hat er sich sogar selbst als Torero versucht. Was aber mehr zu Belustigung seiner Umgebung beigetragen haben soll.

In seinem ersten Roman Fiesta von 1926 behandelt er das Thema erstmals. Und in Tod am Nachmittag, eigentlich ein reportageartiger Essay über den Stierkampf, hat Hemingway 1932 die Philosophie und das Ritual des Stierkampfes dargelegt und sich tief in das für Mitteleuropäer fremde Denken der Iberer zum Stierkampf eingefühlt.

Der größte Irrtum über den Stierkampf weithin: Die Corrida sei der Kampf „Mensch gegen Tier“. Das ist eine grundlegend falsche Sicht der Dinge. Der Stierkampf, und hier kommen wir zum Kern der Taurus-Philosophie, ist kein Wettkampf und auch kein Sport. Er ist vielmehr ein Schauspiel, eine Theaterinszenierung mit Publikum und Spielern. Neben dem schwarzen Bullen und dem bunten Torero spielt noch eine dritte Figur mit. Und dies ist die wichtigste Figur in dem Drama: der Tod.

Und die Plaza de Toros ist eine der wenigen Plätze, wo der ritualisierte Umgang mit dem Tod beobachtet werden kann. Bullfighting is the only art in which the artist is in danger of death. Hier in dieser Arena trifft der Tod auf das Leben und das Leben auf den Tod. In der Essenz ist der Stierkampf ein Kampf Mensch gegen Tod. Der Stierkampf symbolisiert die Konfrontation mit dem Tod aus, er ist zugleich eine Herausforderung des Todes. Der Mensch, in Gestalt des Torero, hänselt den Stier, den Tod, er spielt mit ihm, macht sich lustig, nicht ohne Respekt, aber doch überlegen.

Der eigentliche Kampf besteht aus drei Teilen. Tercios, jeweils einem Drittel, die durch Hornsignale voneinander getrennt werden und meist mit Paso Doble-Musik dynamisiert werden. Im Stierkampf tritt uns kein allegorischer oder metaphorischer Tod entgegen wie sonst im Theater. Nein, hier kommt der Tod ohne Maske, es ist der richtige Tod und am Ende des dritten Tercios wird jemand wirklich tot sein. Meist wohl der Stier.

Hemingways Faszination des Todes findet im Stierkampf Ventil und beschreibbare Ratio. Die Sympathien des Schriftstellers liegen überwiegend beim Matador, aber auch der Stier erhält Respekt und, ja, Zuneigung. Der einzige Ort, wo man Leben und Tod sehen konnte, und zwar gewaltsamen Tod, das war die Arena, da die Kriege vorbei waren, und ich wollte brennend gern nach Spanien, wo ich das studieren konnte, und dieser Tod ist eines der Themen, über die ein Mann schreiben kann.

Guter Stierkampf ist Kunst. Und der Star der Veranstaltung ist der Stier, nicht der Torero. Dem Stier gehört die Arena. Ihm bleiben 20 Minuten. Dann ist er tot. Ein solcher Stierkampf ist die einzige Kunstform, wo am Ende der Künstler stirbt, richtig stirbt.

Leben, Kampf und Tod sind für Hemingway die Eckpfeiler des Daseins und dieser Spannungsbogen gründet sein literarisches Grundmuster. Der Stierkampf bringt all das zusammen, was Ernest Hemingway wichtig ist: Die Kraft der Natur, die Auseinandersetzung, die Gefahr, der Mut, der Stolz, das Ehrgefühl, der Kampf und schließlich der Tod.  Der Stierkampf als die allgegenwärtige Gefahr des Todes wird eines der Themen, denen sich Hemingway Zeit seines Lebens immer wieder in Geschichten und Artikeln widmet.

Im Sommer 1959 schickt die Illustierte Life Hemingway nach Spanien, auf seine letzte Reise, um über die Rivalität der beiden größten Stierkämpfer zu schreiben. Im August 1959 sieht sich Hemingway nochmals einen Höhepunkt des Stierkampfes an. In der Plaza de Toros de La Malaguetas in Málaga. Die beiden Könige der Toreros, Luis Miguel Dominguín und Antonio Ordóñez, kämpfen. Jeder gegen drei Stiere.

In seinem 1985 posthum veröffentlichten Werk Gefährlicher Sommer beschreibt Hemingway, die Endlichkeit erahnend, diese Stierkampfreise nach Spanien. Antonio zielte entlang der Degenklinge, beugte sein linkes Knie vor, schwang dem Stier die muleta entgegen und ließ ihn bis zu dem Punkt an sich herankommen, wo die Hörner ihn erwischen würden, dann drang die Spitze des Degens ein, der Stier stemmte sich dagegen, den Kopf gesenkt, dem roten Tuch folgend, während Antonio mit der flachen Hand gegen den Degenknauf drückte, glitt die Klinge langsam oben auf der höchsten Stelle zwischen den Schulterblättern hinein. Antonio hatte seine Füße nicht bewegt, und der Stier und er waren nun eins, als seine Handfläche das schwarze Fell berührte, war das Horn schon an seiner Brust vorbei, und der Stier unter seiner Hand war tot.

Der Stier und er sind nun eins. Für Hemingway ist der Stierkampf die Auseinandersetzung mit dem Tod, der Degen des Matador das Aufbäumen der männlichen Tugend, der Tapferkeit und der Leidenschaft, dem wuchtigen Stier entgegen. Aber eines bleibt: Der Respekt vor dem allmächtigen Gegner. Ihn zu bezwingen, in der Arena des Lebens, mag als Illusion des Menschen gelten.

Bitte besuchen Sie zum Thema Ernest Hemingway mein neues Blog Hemingways Welt.

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