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Reisen & Begegnungen

Der Fall Europas

Eine Neuerscheinung, die einem den Atem stocken lässt. After the Fall. The End of the European Dream and the Decline of a Continent. Der amerikanische Historiker Walter Laqueur hat dieses Buch vor kurzem geschrieben und es ist die beste Analyse zu unseren Problemen weit und breit.

Laqueur, ehemaliger Professor an der Georgetown University in Washington, überzeugt durch seinen messerscharfen Blick auf den alten Kontinent. Dieses Europa sei zu bequem geworden, habe seine Werte verloren, Schurken wie Gaddafi gewähren lassen, habe sich vom leichten Wohlstand einlullen lassen und sich nicht zukunftsfit gemacht.

Die Wahrheiten, die Laqueur ausspricht, sind unangenehm. Der Historiker liebt eine klare Sprache. Europa sei an sich selbst gescheitert: keine politische Integration, alternde Gesellschaften, mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, eine falsche Einwanderungspolitik.

Walter Laqueur, 1921 in Breslau geboren, und als Jugendlicher kurz vor dem Krieg mit Familie vor den Nazis geflohen, zeichnet als Historiker die großen Linien. Die drei Jahrzehnte nach dem Krieg dienten der moralischen Vision von Frieden und sozialer Gerechtigkeit. Nach diesen sozialdemokratischen Jahren ging es abwärts. Werte wurden

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Exzellenz an Stanford

Stanford University, Juli 2005; Photo by W. Stock

Mit die besten Tage meines Lebens? Zwei Wochen an der Stanford University in Kalifornien.

Dort habe ich einen Sommerkurs belegt, eine Fortbildung für Manager im Medienbereich. Den Stanford Professional Publishing Course.

Was ich in Stanford gesehen, gehört und erlebt habe, das hat alles in den Schatten gestellt, was ich von europäischen Unis kenne. In Deutschland habe ich schon keine schlechte Universität absolvieren dürfen. Die RWTH Aachen liegt in der Rangliste der Exzellenz ziemlich oben in den Top Ten hierzulande.

Deutsche Universitäten sind gut. Seien wir genauer. Manche sind gut, viele sind guter Durchschnitt. Besonders in der Breite. Kein Ausreißer nach oben, keiner nach unten. In  Deutschland ist von linker Seite tragischerweise immer ein Konflikt zwischen Spitzen- und Breitenbildung konstruiert worden. Künstlich geschaffen, wegen des Dogmas. Denn einen solchen Widerspruch gibt es nicht.

Die Eliteunis gefährden eine gute Breitenbildung nicht, im Gegenteil, sie sind eine

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Anglizismen sind cool!

gefunden auf der Buchmesse, Frankfurt am Main im Oktober 2010; Photo by W. Stock

Anglizismus. Kein Wort bringt einen Deutschtümler so schnell auf die Palme wie dieses. Sprachpuristen und Kulturpessimisten klagen in den Talkshows und den Zeitungen ihr Leid: Die deutsche Sprache verkomme, sie falle unter die Räuber, das Deutsch werde verunstaltet, unsere Sprache werde von vielen Seiten mürbe gemacht.

Hässliche Anglizismen mogeln sich in unser Deutsch, dieser respektlose Jugendspeak obendrein, dazu simple Comic-Sprache, die SMS-Codes und weiß er Teufel noch was. All dies verhunze unsere saubere deutsche Sprache.

Vom Standpunkt eines Schiller/Goethe-Deutsch mag das bisweilen so aussehen. Aber wer redet schon so, wie Thomas Mann geschrieben hat? Und: Ist das Deutsch eines Heinrich Böll auch das Deutsch unseres Alltags von heute?

Tatsache bleibt, dass sich die deutsche Sprache mehr und mehr differenziert. Dies ist nicht weiter schlimm, denn solches ist ein Zeichen für Kraft und Lebendigkeit. Nur wer tot ist, verändert sich nicht.

Denn eine Sprache entfaltet und verändert sich im Alltagsgebrauch. Dazu kommt die sprachliche Globalisierung. Durch sie öffnet sich die deutsche Sprache anderen Sprachen. Welche Anglizismen sich dann

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José José, Mexikos Schnulzenkönig, fällt vom Thron

Ende der 1980er Jahre in Mexico City schleppte mich eine hübsche Mexikanerin, in die ich mich ein wenig verguckt hatte, zu einem Popkonzert. Es war ein Dinner-Konzert in einem alten Theatergebäude nahe der Avenida General Prim und der Calle Versalles. Ein bekannter mexikanischer Pop-Sänger mit süßlichem Flair war angesagt.

Wir saßen oben auf Mezzanin an einem kleinen Tisch, erhielten ein einfaches Drei-Gänge-Menue serviert, während unter auf der großen Bühne die Show ablief. José José, so der Name des Sängers, war zu jener Zeit ein Star in seinem Lande, er saß unangefochten auf Mexikos Schnulzenthron. El Príncipe de la Canción, er sei der Prinz des Schlagerliedes, so umgab ihn die Fama, weil er wie kein anderer musikalischer Kitscheur jener Jahre solch Herzzerreißendes von Liebeslust und Liebesschmerz mit samtiger Stimme zu schmettern vermochte.

Ich kannte José José und einige seiner Lieder von meinen früheren Mexiko-Aufenthalten. Meinem Ohr blieb dieser Sänger nicht unangenehm. Hier sang zwar das Idol der mexikanischen Girlie-Generation, doch das Pathos bewegte sich in erträglichem Rahmen. José José besaß eine sonore, sehr seidige Stimme, die er bei seinen Balladen immer in dramatische Höhen zu hieven vermochte.

Zudem hatte dieser samtige Bariton immer ein gutes Orchester mit einem vollen Sound hinter sich. Man merkt an seiner Phrasierung, dass dieser Sänger zu Anfang seiner Laufbahn Jazz gesungen hat, so wie in Mexiko zahlreiche Sänger und Orchesterleiter vom Jazz herkommen. In seiner Heimat spielt José José eine ähnlich tragende Rolle wie in den USA Johnny Mathis, sein großes Vorbild.

Doch was ich an jenem Abend auf der Bühne in Mexiko Stadt sah, glich einem musikalischen und menschlichen Tiefpunkt. Der große José José schien

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Bezahlt wird nicht in der DDR

Ost-Berlin, den 18. Juni 1982

Der Ruf dieses Theaters hallt wie Donner. Das Theater am Schiffbauerdamm. Ost-Berlin. Das Berliner Ensemble. Das Haus von Bertolt Brecht. Wir schreiben das Jahr 1982.

Die Wiedervereinigung liegt noch in weiter Ferne. Noch regiert hier die SED, in einem Staat, der sich DDR nennt und sich für das bessere Deutschland hält, obwohl er an den Grenzen die Menschen tot schießt wie Karnickel.

Doch man hält die Fahne der Kultur hoch. Der richtigen Kultur. Ein Hauch der Literaturgeschichte weht durch den klassizistischen Bau, man wähnt sich nahe an der klassischen Moderne, hier wirkte Bert Brecht, der Augsburger, und viele reden sich ein, hier sei er noch immer.

Doch heute Abend wird nicht Brechts episches Theater gegeben, sondern Dario Fo: Bezahlt wird nicht! Für 2,05 Ost-Markt. Das Theater kommt adrett renoviert daher und strahlt im Glanze, wie sonst eigentlich in diesem Land wenig strahlt und glänzt.

Dario Fo, das ist eine italienischer Theater-Anarchist, kein Mann für zarte Zwischentöne, sondern für’s Grobe. Eigentlich keine

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Der Tian’anmen-Platz ist rot

Peking, im November 2011; Photo by W. Stock

Nur 10 Minuten von unserem Hotel entfernt liegt der Tian’anmen-Platz. Wenn man auf dem Platz des Himmlischen Friedens promeniert, dann vermag man einiges über China erspüren.

Dieses Land ist so groß und so riesig wie auch dieser Platz, der wohl größte der Welt in einer Metropole. Erst mit mehr als einer Million Menschen ist dieser Platz voll gefüllt. Und über dem gewaltigen Platz ruht der gütige Blick des großen Vorsitzenden Mao Zedongs. Wir befinden uns im Herzen Chinas.

Dennoch scheint mir dies jedoch kein Ort für’s Wohlgefühl. Irgendwie erdrückt dieser Platz durch sein Ausmaß und seine Imposanz. Diese riesige Fläche, im Norden das Tor des Himmlischen Friedens, dann die Grosse Halle des Volkes und in der Mitte das langgestreckte rötliche Mausoleum mit dem mumifizierten Vorsitzenden Mao. Stalinistische Architektur und kommunistischer Devotionalienkult, ein Ort, merkwürdig, widersprüchlich und wohl auch einschüchternd.

Der Besucher, der Augen und Ohren aufsperrt, merkt schnell, hier befindet er sich an einem heiklen Ort. Viel

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Dietrich Oppenberg sichert die Presseversorgung

Dietrich Oppenberg (re.), Düsseldorf im Mai 1991; Photo by Hasso von Bülow

Die Unabhängigkeit des Journalismus ist ein hohes Gut. Und wenn man es mit der Unabhängigkeit des Journalismus ernst nimmt, dann setzt dies in vielen Fällen auch materielle Unabhängigkeit voraus. Ich habe in meiner Zeit in Lateinamerika einfach zu viele Artikel der Firma Lob & Hudl gelesen, zu viele gekaufte Journalisten und zu viele Zeitungen gesehen, die am Tropf des Staates hingen.

Der Journalismus sollte raus aus der Hungerlohn-Ecke, aus dem kargen Künstlerdasein, er sollte sich zu einem mündigen Berufsbild mit Qualität und Selbstwertgefühl wandeln. Das mag die Vision von Dietrich Oppenberg gewesen sein, die ihn antrieb, das Versorgungswerk der Presse ein halbes Jahrhundert zu seiner Lebensaufgabe zu machen.

Die Presseversorgung, die in Deutschland die private Altersvorsorge für Medienleute bündelt, war für den überzeugten Sozialdemokraten eine Institution, in der sich Verleger und Gewerkschaften in beiderseitigem Interesse treffen sollten.

Denn Journalisten und Verleger lag daran,

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Humphrey Bogart erkennt B. Traven

John Huston will 1947 B. Travens Roman Der Schatz der Sierra Madre verfilmen. Der 41-Jährige John, der sechs Jahre zuvor mit seinem Debütfilm Der Malteser Falken Aufsehen erregt hat, ist vernarrt in die Story um drei mittellose Goldsucher, die das gelbe Metall in den Wahn und Untergang treibt.

Ich weiß, zu welchen Taten Menschen fähig sind, wenn Gold ins Spiel kommt, wird Howard, einer der Goldsucher sagen. Walter Huston, Johns Vater, verkörpert den alten Goldsucher Howard, Humphrey Bogart den Dobbs und Tim Holt den Curtin. Auch John Huston tritt in einer winzigen Rolle in dem Film auf, als er sich von dem mittellosen Humphrey Bogart anbetteln lässt.

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John Huston freut sich auf das Filmprojekt: Endlich wird sich die Gelegenheit ergeben, jenen mysteriösen Autor B. Traven zu Gesicht zu bekommen. Der junge Regisseur schickt sein Drehbuch an Travens Agentin mit der Bitte um Weiterleitung.

Und tatsächlich meldet sich B. Traven bei dem Regisseur und beide vereinbaren für Ende 1946 ein Treffen im Hotel Bamer an der Alameda in Mexiko City. John Huston platzt voller Neugier, den geheimnisvollen Señor Traven zu treffen.

Der hochgewachsene John Huston findet sich zur vereinbarten Zeit im Bamer ein, doch Traven kommt nicht. Statt seiner erscheint ein dünner, vielleicht 1 Meter 65 kleiner, altväterlich aussehender Mann, der Huston eine Visitenkarte in die Hand drückt: Hal Croves, Übersetzer, Acapulco und San Antonio. Des weiteren zückt der Übersetzer einen Brief Travens, der Hal Croves als seinen Agenten für das Filmprojekt bevollmächtigt.

Huston ist mächtig verärgert, Traven nicht leibhaftig vor sich zu haben. Dabei hatte er einen verlockenden Köder auslegen lassen. Vertraglich hatte er die Filmfirma angewiesen, Traven für jede Drehwoche 1.000 Dollar als Berater vor Ort zu zahlen. Huston nimmt widerwillig den komischen Vogel Croves als technischen Berater mit zu den Dreharbeiten nach Tampico und nach Jungapeo in die Berge Michoacans. Huston zahlt Hal Croves 150 Dollar die Woche.

Während der Dreharbeiten von April bis Juni 1947 versucht Huston ein zweites Treffen mit Traven einzufädeln. Dieses Mal in Acapulco, das er nach Croves Andeutungen, als Travens Aufenthaltsort vermutet. Doch John Huston wird ein zweites Mal enttäuscht. Der Schriftsteller erscheint nicht.

Der Film wird ein Riesenerfolg. John Huston gewinnt einen Oscar für seine Regiearbeit, Walter Huston einen für die beste Nebenrolle. Verständlich, dass Warner Bros.versucht, für Werbezwecke den Autor B. Traven ausfindig zu machen. Vergebens. Auch jener Hal Croves ist nach Beendigung des Films wie vom Erdboden verschluckt.

Als ein amerikanischer Journalist später Humphrey Bogart Traven-Fotos aus den späten 20er und den 30er Jahren zeigt, da erkennt Bogey die Person auf den Fotos sofort: Es ist Hal Croves.

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GAP is great!

Gestern war ein herrlicher Tag. Er war kalt, sehr kalt sogar, aber eine kräftige Sonne schien in den Bergen. Das ideale Wetter für’s Skifahren. Und an einem solchen Montag, wo andere arbeiten oder zur Schule gehen, hat man die Piste fast für sich.

Garmisch ist großartig. 40 Kilometer zusammen hängende Piste im Classic Bereich unterhalb der Zugspitze. Ich bin früh morgens die Hausbergbahn rauf, dann zum Kreuzeck, die mittlere Kandahar runter, mit dem neuen Kandahar-Express wieder rauf zum Kreuzeck, von dort zur Alpspitz und dann zum Osterfelderkopf auf über 2.000 Meter.

Und zu guter letzt von ganz oben die lange Abfahrt auf fast leeren Pisten bis hinab ins Tal. Ein Erlebnis. Großartig!

Schade, dass viele nicht begreifen, welch ein Juwel man da mit Garmisch besitzt. Denn man könnte diesen Edelstein noch ein wenig polieren. Die Infrastruktur lässt immer noch zu wünschen übrig, die großen und kleinen Events verkauft man unter Wert.

Wenn Olympische Spiele in Aussicht gestellt werden, ziehen

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Ernest Hemingway und das Moleskine

Photo by W. Stock

Dieses Notizbuch ist Kult. Das Büchlein der Intellektuellen und Künstler. Paris in der Westentasche.

In das kleine schwarze Lederbüchlein haben Bruce Chatwin, Pablo Picasso und auch Ernest Hemingway geschrieben. Das ist die Erhebung in den Adelsstand für ein stinknormales Notizbüchlein.

Was steckt hinter dem Erfolg des Moleskine? Die Ausstattung zeigt sich trotz kleinem Preis liebevoll: liniertes Papier, Lesebändchen, kräftiger Kartonumschlag, eine Falttasche am Ende, Fadenheftung und ein Gummiband zum Schließen.

Der Moleskine ist eine Erfolgsgeschichte. In seinem Buch Traumpfade beschreibt Bruce Chatwin 1986, er würde in kleinen

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