STOCKPRESS.de

Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Kategorie: Schreiben Seite 3 von 6

Kompliment an Feedfabrik

Ich liebe die neuen Technologien. Was heutzutage nicht alles möglich ist! Man schreibt Blogs, wo man früher vielleicht eher Bücher schrieb.

Und wenn man will, dann kann man aus Blogs nun auch Bücher machen. Hier meine Probe auf’s Exempel. Der Autor dieses Blogs wandelt bei dem Hamburger Dienstleister Feedfabrik seine bisherigen Posts in ein veritables Buch um.

Feedfabrik ist ein Start-up, das sich auf die Wandlung digitaler Inhalte in analoge Medien spezialisiert hat. Sei’s drum: Aus einem Blog werde ein richtiges Buch.

Das Ergebnis: Aus über 220 Post wird ein dickes Buch von 400 Seiten. Die Qualität? Selbst der Profi hat nichts zu meckern. Druckqualität, Papier, Bindung – alles fein bis oberfein. Der Preis? Etwas über 40 Euro für Losgröße 1. Die Umsetzung: exzellent. Der Service: vorbildlich.

Also hier das Buch: Wolfgang Stock – Notizen von unterwegs. Nur ein

Weiterlesen

Leo Brawand, der Löwe im Schrank

Brawand

Leo Brawand, Manager sind auch nur Menschen

Es ist das einflussreichste Magazin in Deutschland nach dem Krieg. Das Sturmgeschütz der Demokratie. Die Skandalaufdecker vom Dienst. Jene Wochenzeitschrift mit dem roten Rahmen aus Hamburg. Der Spiegel. Als Gründer kennt man Rudolf Augstein, er war der Mann vor, hinter und über dem Magazin.

Doch neben Augstein und Johannes K. Engel gab es noch einen anderen Mann, der den Spiegel prägte. Leo Brawand. Ein Mann der ersten Stunde.

Ich lernte Leo Brawand 1993 kennen, als er bei ECON ein amüsantes Management-Brevier verlegte. Manager sind auch nur Menschen, ein köstliches Buch über die Eitelkeiten und Marotten der hiesigen Wirtschaftselite. Den hübschen Titel haben Leo Brawand und ich gemeinsam ausbaldowert.

Dies ist ein Buch mit vielen Anekdoten aus der weiten Welt des Managements, mal lustig, mal listig, auf jeder Seite mit einem hintersinnigen Humor und hohem Unterhaltungswert ausgestattet. Als ehemaliger

Weiterlesen

Tamás Kürthys wilde Tochter

Neulich stolpere ich über ein Buch, besser gesagt, über die Autorin eines Buches. Endlich!. Ein Taschenbuch aus dem Rowohlt-Verlag, das sich an die bessere Hälfte dieser Welt richtet, an eine weibliche Leserschaft. Das muss ich als Mann wohl nicht unbedingt lesen. Die Autorin jedoch lässt mich aufhorchen. Ildikó von Kürthy.

Kürthy. Da war doch mal was. Ildikós Vater Tamás Kürthy lehrte als Professor an der RWTH Aachen. Er war einer der Prüfer meines Rigorosums. Tamás Kürthy, der Pädagogik-Professor in Aachen, galt als ein seriöser, ernsthafter Mann, hinter dessen gestrenger Fassade jedoch eine tiefe Menschlichkeit zu Tage trat.

Professor Kürthy, der einem alten Adelsgeschlecht aus Ungarn entstammte, war blind. Er kam jeden Tag mit seinem Schäferhund ins Kármán-Auditorium, in diesen neuen, nach dem deutschen Raumfahrt-Pionier

Weiterlesen

Acapulco und der Geist

Acapulco 1982; Photo by W. Stock

Nicht nur den Jet Set und die Hollywood-Schönlinge zieht es nach Acapulco, nein, diese Stadt besitzt auch eine magische Anziehung auf Intellektuelle. Das mag auf den ersten Blick verwundern, will man einem solch mondänen Urlaubsort doch eine gewisse Oberflächlichkeit nachsagen.

Jedoch ist die Liste der Schriftsteller und Autoren, die in Acapulco weilten, beeindruckend. Da ist zum Beispiel Malcolm Lowry, der schreiben konnte, so wie ein Schmied den Hammer schwingt. Über Mexiko schrieb der britischer Autor 1947 den Roman Unter dem Vulkan, ein wortgewaltiges, ziemlich verzweifeltes Trinkerepos. Der Vulkan ist der Popocatépetl, und Lowry Sätze kommen daher wie Mexiko selbst, wild, ungestüm, am Abgrund, und doch von eigentümlicher Leidenschaftlichkeit.

Ein Roman, der übrigens von John Huston – 1984 mit Albert Finney – in Mexiko verfilmt wurde. Malcolm Lowry selbst kam

Weiterlesen

Dietrich Oppenberg erfüllt sich einen Traum

Düsseldorf, im Mai 1991; Wolfgang Stock, Hans-Dietrich Genscher, Dietrich Oppenberg; Photo by Hasso von Bülow

Dietrich Oppenberg, ein Essener des Jahrgangs 1917, zählte zu den großen Verlegern der Nachkriegsjahre in Deutschland. Sicherlich war dieser ältere, knorrige Herr nicht im medialen Bewußtsein aller, weil er nicht einer jener war, die es in die erste Reihe drängte. Viel lieber blieb er bescheiden im Hintergrund, wusste sich aber stets ausreichend Gehör zu verschaffen.

Nach dem Krieg erhielt er, der politisch von den Nazis verfolgt war, von den Engländern die Lizenz für die Neue Ruhr Zeitung in Essen. Die sozialliberale NRZ war, später im goldenen Käfig des WAZ-Konzerns, in ihren besten Jahren so etwas wie eine Gelddruckmaschine.

Im Essener Presssehaus, das dann wie sein Verleger in die Jahre kam, regierte dieser kurzsilbige, vielleicht auch strategisch nicht sehr weitsichtige, aber stets humane Verleger wie ein kleiner Fürst. Marianne Neveling führte das Verlegerbüro umsichtig und für das redaktionelle Tagesgeschäft war der polternde Chefredakteur Jens Feddersen zuständig. Obwohl die NRZ eine Provinzzeitung im besten Sinne war, wurde diese publizistische Stimme gehört, in Bonn zumal, denn ohne den Ruhrpott wollte man in der alten Republik nicht regieren.

Dietrich Oppenberg war – und das zählt als historische Leistung – einer der

Weiterlesen

Erwin Barths Geheimnis

Frankfurt am Main, im Juni 1990

Frankfurt am Main, im Juni 1990

Von diesem älteren Herrn kann man eine Menge lernen. Erwin Barth von Wehrenalp. Der Gründer des ECON Verlages, ein Mann von ausgeprägtem Esprit, hat Buchgeschichte geschrieben.

Ich habe nie mit ihm bei ECON zu tun gehabt, zwei Generationen lagen zwischen uns, er hatte sich zu meiner ECON-Zeit schon aus dem Geschäft zurück gezogen. Obgleich es an manch trübem Tag in den Lektoraten an Düsseldorfs Kaiserswerther Strasse schien, als müsste man den Erfolgsgeist des Altverlegers ein wenig beschwören. So jedenfalls waren die Meriten damals verteilt: hier die Legende, dort die Grünschnäbel.

Im Juni 1990 bekomme ich die Einladung zu einem Festbankett von Kienbaum in Frankfurt, auf dem ich Erwin Barth von Wehrenalp nun auch von Angesicht zu Angesicht kennenlernen sollte. Einen ganzen Abend sitze ich neben ihm, bin als sein Tischnachbar gesetzt und wir reden über Gott und die Welt, über Bücher und über’s Büchermachen.

Ein liebenswerter und sympathischer Menschenfreund, so das Fazit des Festes, dieser Erwin Barth. Aber auch ein Schlaufuchs, ein richtiger Schlawiner, wenn es darauf an kommt. Besonders wie man mit Menschen umgeht, das kann man sich bei Erwin Barth ab schauen. Er war bei Adenauer, bei Ludwig Erhard, seinem Bestseller-Autor, und auch bei John F. Kennedy.

Barth hatte Kennedys The Strategy of Peace als deutsche Ausgabe Der Weg zum Frieden 1961 im ECON Verlag veröffentlicht. Nun empfing der amerikanische Präsident seinen deutschen Verleger im Weißen Haus zu Washington. Für die Audienz habe er genau 15 Minuten, wurde Erwin Barth streng beschieden, der Zeitplan des Präsidenten sei eng. Als später der präsidiale Assistent drängte, die Zeit sei um, fing Kennedy an zu gestikulieren, und meinte trocken ten minutes more. Auch ihn hatte Erwin Barth in seinen Bann gezogen.

Worin lag das Geheimnis Erwin Barths, Menschen zu fesseln? Nun, er ließ sein Gegenüber Interesse und Verbundenheit spüren. Und mehr noch, er nahm sich zurück und stellte seinen Gesprächspartner in den Mittelpunkt. Und dann überfiel Erwin Barth das arme Opfer vehement mit einer tour de charme. Das ganze Programm, rauf und runter: Bauchpinseln, in den Himmel heben, loben, schmeicheln – bis der Arzt kommt.

Wollte er einen Menschen endgültig auf seine Seite ziehen, dann sagte er irgendwann im Gespräch, Sie müssen über Ihr Leben ein Buch schreiben!, selbst wenn sein Gesprächspartner keinen geraden Satz heraus bekommen konnte. Und schon hatte der findige Verleger einen Gewogenen, einen Sympathisanten, einen Türöffner vielleicht.

Und noch etwas. Erwin Barth gab dem jungen Lektor einst den Ratschlag, bei der Autorenakquisition den Blumenstrauß für die Dame des Hauses nicht zu vergessen. Dieser Rat hat sich stets bewährt, er erwies sich als wirksamer Türöffner. Auch hier lag Erwin Barth von Wehrenalp richtig.

siehe auch: Wie Erwin Barth von Wehrenalp „Mister Sachbuch“ wurde

Der Palast des Luxus

Dies ist ein Auszug aus dem Buch von Wolfgang Stock Schneefall in den Tropen:

Wenn man dann wieder die Avenida aufwärts schlendert, so bleibt der Blick wieder und immer wieder an diesem hellen Palast mit der Nummer 1702 hängen. Luxus in the big blue, vorne blau und oben blau. Über den Palast senkt sich langsam eine Abendsonne, die kurze Schatten wirft.

Diese Adresse Avenida Atlantica 1702 ist eine magische Adresse. In den Hotelbüchern der Welt steht einfach Copacabana Palace. Der weiße Bau ist dem Negresco in Nizza nachempfunden und irgendwie sieht ein solcher Koloss vor dem Strand und vor den zierlichen Männern und anmutigen Frauen merkwürdig und wohl auch eine Spur zu wuchtig aus.

Hier logierte schon die Queen Elizabeth II, auch Marlene Dietrich war schon da. Und irgendwie bewahrt dieser weiße Riese in den Tropen noch ein Hauch von Belle Epoque, die ja bekanntlich in Europa schon vor hundert Jahren altersschwach dahingerafft wurde.

Es gibt Orte in Südamerika, die sogleich eine eigentümliche, ureigene Magie entfachen. Wer durch Feuerland gewandert ist, vermag zu erahnen wie klein der Mensch und wie kurz doch sein Dasein bemessen ist. Machu Picchu, die geheimnisvolle Inkastadt in den Andengipfeln, Iquitos, die Kautschukstadt im Amazonasdschungel, gehören dazu. La Tierra del Fuego, Feuerland, das Ende der Welt, natürlich auch.

Aber kein kommerziell gefasster Ort wie dieser Copacabana Palace besitzt diese Ausstrahlung, kein anderes Hotel der Welt jene Attraktivität, den dieses Puppenhaus der Belle Epoque am Rande des Meeres so auszeichnet.

Gibt es einen schöneren Ort, um zu sterben? Für Jorginho Guinle kaum vorstellbar. Sein Vater hatte das Copacabana Palace 1923 erbaut und Jorginho konnte sich mit den vielen Millionen Dollars, die der Verkauf an die Orient Express Hotel Group 1989 erbrachten, in vollen Zügen seinem ruhmreichen Playboy-Leben widmen. Jane Mansfield, Marilyn Monroe, Kim Novak, Anita Ekberg – die Liste in Jorginhos Notizbuch ist lang.

An einem schönen Märztag im Jahr 2004 sagten ihm die Ärzte des Ipanema Hospitals, dass es nicht gut um ihn stehe, die Bauchschlagader. Der 88-Jährige packte seine Sachen, fuhr ins Copacabana und bezog eine Suite. Er ließ sich wie immer ein Himbeersorbet auf silbernem Geschirr servieren. Das war am Donnerstag. Am Freitag ist Jorginho Guinle gestorben.

New Journalism in altem Land

Der Journalist muss reinspringen ins Geschehen, er muss das Blut spritzen sehen, den Staub riechen und das Geschrei hören können. Der Reporter sollte erzählen und eine Geschichten schreiben. Aber nicht mehr wie der General auf seinem Feldherrnhügel, sondern er sollte hinab laufen ins Getümmel.

Die neue Schule des Journalismus. Der New Journalism geht nah ran, nah wie ein Paparazzo. Das war die Revolution, ausgerufen von jungen Journalisten in den 60er Jahren in den USA.

Das war natürlich nichts für das ehrpusselige Deutschland. Da gab es wenig neuen Journalismus, keine New Journalists von Bedeutung. Keinen wirklichen Star.

Erich Wiedemann hätte sicherlich das Zeug dazu gehabt. Vielleicht hätte er gewollt, aber Der Spiegel nicht. Jörg Fauser und Axel Arens, die wohl grössten Talente, beide zu früh gestorben. Marie Luise Kaltenegger, eine Österreicherin, hat’s gekonnt, ist aber nicht richtig dran geblieben. Jürgen Ploog, der hätte was werden können, wenn er gefördert worden wäre und nicht immer überdrehen würde.

Heute bleibt eigentlich nur einer über. Helge Timmerberg, der ist richtig gut, der kann’s. Auch, weil er sich kompromisslos hinter seine Sache stellt. Als brillanter Stilist überzeugt er obendrein. Eine Stadt-Reportage über Dublin fängt Timmerberg so an: Das Wetter: Beschissen wäre geprahlt. Die Preise: balla-balla. Der Nichtraucherschutz: total durchgeknallt.

Da merkt man bei den ersten Sätzen Leidenschaft, da spürt man Tempo und Humor. Der richtig gute Reporter ist ein streunender Strassenköter und kein parfümierter Pudel. Und Timmerberg gibt den ganz wilden Streuner, einen, der an jeder Ecke schnüffelt.

Nun ist Helge Timmerberg in der Mitte der Gesellschafts angekommen, er schreibt für die BILD am SONNTAG, aus Afrika, was schön und exotisch und ziemlich weit weg ist. Man würde Timmerberg einen Gefallen tun, ihn über sturzlangweilige deutsche Themen schreiben zu lassen, über eine Vorstandssitzung eines Versicherungskonzern meinetwegen, oder über einen Arbeitersportverein in Ostthüringen. Afrika, möchte man sagen, ist einfach. Ob einer wirklich was drauf hat, merkt man bei Ostthüringen. Und Timmerberg hat wirklich eine Menge drauf.

Nach Timmerberg kommt zunächst einmal nichts. Dann vielleicht die heutige Ärmelschoner-Generation der Fichtners, Büschers, Schnibben, Schreps. Dort herrscht allerdings publizistischer Stillstand, denn diese Reporter schreiben seit Jahren genau jenes, was ihr Publikum von ihnen erwartet. Nach dem ersten Satz weiß man, wie es weitergeht, die Perspektive ist immer die gleiche. Inhalte langweilig, Stil gut, aber Timing lau.

Es finden sich in Deutschland nicht solch mutige unideologische Magazine wie in den USA, die den New Journalists eine Plattform eingeräumt haben: The New Yorker, Atlantic Monthly, Esquire oder Rolling Stone. Wahrscheinlich ist der New Journalism in Deutschland auch an der Armseligkeit seiner Magazine gescheitert.

Tom Wolfe und das Silicon Valley

Tom Wolfe gilt als einer der ganz Großen der Unterhaltungsliteratur. Der schlanke und stets dandyhaft gekleidete Autor, ist der bekannteste Protagonist jener neuen Schreibart, die man New Journalism nennt. Die Fakten werden in eine packende fiktionale Erzählung eingebaut. Fortan gilt es Szenen zu beschreiben, nicht mehr so sehr Handlungen.

Im Jahr 1990 hatte ich die Ehre, ein Buch von Tom Wolfe zu verlegen: Die neue Welt des Robert NoyceEine Pioniergeschichte aus dem Silicon Valley. Ursprunglich war dies 1983 ein langer Aufsatz in Esquire unter dem Titel The Tinkerings of Robert Noyce, und mir kam die Idee, für Deutschland daraus ein kleines Buch zu machen.

Ich hatte Tom Wolfe auf der Buchmesse getroffen und der bestens verdrahtete Literaturagent Michael Meller aus München besorgte nun das Copyright beim Autor auf Long Island. Stolz hielt ich nach einigen Wochen den Lizenzvertrag mit der geschwungenen Unterschrift von Tom Wolfe in Händen.

Bei der Story geht es um die Gründerjahre im Silicon Valley, als Intel-Ingenieur Robert Noyce den integrierten Schaltkreis erfand. Im Halbleitergeschäft hatte die Forschung den Stellenwert, den das Werfen beim Baseball hat; sie macht 60 Prozent des Spiels aus. Sauber, so geht dieser Tom Wolfe an eine Geschichte heran und hält wunderbar den Spannungsbogen bis zur letzten Seite.

Genial wie Wolfe in dieser kleinen Story die knisternde Atmosphäre der Anfangsjahre in der kalifornischen Computerindustrie rund um San Francisco einfängt. Er beschreibt eine kleine, heute weitgehend vergessene Episode mit grosser Wirkung, ein Anfang, der die ganze Welt revolutionieren sollte. Wie detailgenau, kenntnisreich und anschaulich Wolfe die eigentlich trockene Materie angeht, das macht ihm so schnell keiner nach. Wer wissen möchte, welche Aufbruchstimmung und welche Begeisterungsfähigkeit die Anfänge des Silicon Valley bestimmten, der sollte sich in dieses Buch fallen lassen.

Tom Wolfe besitzt einen eleganten, sehr präzisen Stil, seine Stücke sind immer genau recherchiert und er verfügt über einen sehr gleichmäßigen Satzrhythmus. Während ein Hunter S. Thompson schreibt wie Charlie Parker sein Saxophon spielt, wild, rebellisch, ohne Konvention, so ist Tom Wolfe ein George Gershwin des Schreibens: große Symphonie, genaue Taktung, präzise, auf Effekte und Pointen zugeschnitten, ein Donnerwetter – gewaltig, krachend, aber doch immer von einer gewissen Lieblichkeit. Und, man darf es nicht vergessen, höchst unterhaltsam.

Wörter mit Migrationshintergrund

Photo by W. Stock

Was hört man nicht alles in diesen Tagen! Man möge die hehre deutsche Sprache von Anglizismen sauber halten, das Deutsch solle gar im Grundgesetz als Nationalsprache festgeschrieben werden.

Alles nette Initiativen, die etwa so sinnvoll sind, ins BGB zu schreiben, des sommers solle gefälligst die Sonne scheinen. Also, solche Forderungen schaden nicht, zeugen allerdings auch nicht gerade von ausgeprägtem Scharfsinn.

Was Sprachpuristen häufig vergessen: Die deutsche Sprache ist keine reine Sprache und hat Zeit ihres Bestehens Anleihen in fremden Sprachen getätigt. Nur merkt man dies den Wörtern heute nicht mehr an.

Bank beispielsweise ist kein deutsches Wort, sondern kommt aus dem Italienischen. Ein Ursprung, der klar wird, wenn man sich den Bankrott ansieht, das führt sich nämlich zurück auf die banca rotta, den zerbrochenen Wechseltisch, auf die kaputte Bank.

Aus dem Griechischen, dem Lateinischen, dem Französischen oder dem Englischen sind Wörter eingewandert und bei uns geblieben. Ketchup oder Computer sind erst kürzlich eingewanderte Wörter, aber wir haben uns so an sie gewöhnt, dass wir sie schon als halb deutsch ansehen.

Denn oft haben wir für manches migrante Wort keine gescheite deutsche Entsprechung. Oder blicken Sie eher durch, wenn von einem Prallsack die Rede ist statt von einem Airbag?

Um die Jahrhundertwende – um 1900 -, als das Französische noch stark war, hat man dafür gekämpft, dass es gefälligst Geldbörse und nicht Portemonnaie zu heißen habe. Heute hat man mit dem Portemonnaie seinen Frieden geschlossen, und die gute alte Geldbörse gibt es auch noch.

Schokolade? Urdeutsch, sollte man meinen. Weit gefehlt! Bei Schoko wird es richtig exotisch. Obwohl die allermeisten von uns Schokolade für ein deutsches Wort halten würden, hat der Begriff eine weite Reise hinter sich. Die Aztekten nannte die dunkle Kakaobohne xocolatl und daraus wurde dann das deutsche Wort Schokolade.

Was also tun gegen eingewanderte Wörter? Die Antwort ist simpel: Nichts! Rein gar nichts! Eingewanderte Wörter bleiben ein Gewinn für die deutsche Sprache. Sie bereichern die deutsche Sprache und mehren die Wahlmöglichkeiten. Der Kunde – der Sprachnutzer – entscheidet, welches Wort sich durchsetzt und welches nicht.

Eine Sprache ohne ausländische Einflüsse ist nicht vorstellbar, kann nicht funktionieren. Eine solche Sprache wäre tot.

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén