STOCKPRESS.de

Reisen & Begegnungen

Rudi Dutschke schreibt eine Postkarte

Arhus/Dänemark, im März 1979

Wer 1955 geboren wird und dann auch noch in dem Idyll der Provinz aufwächst, der kann schwerlich zur 68er Bewegung gehören. Da ist alleine schon die Gnade der späten Geburt vor. Als ich Mitte der 70er Jahre an die Universität komme, da ist die unruhige Zeit schon vorbei und von ein paar vereinzelten akademischen Scharmützel abgesehen, zeigt sich meine Studentengeneration ruhig und angepasst.

Trotzdem merke ich, dass diese 68er-Bewegung historisch bedeutsames geleistet hat. Da ist ja nicht nur das Aufbäumen der Studenten gegen den Muff in den Talaren, sondern auch das Einfordern der Jungen nach mehr Teilhabe, nach Öffnung und auch nach Aufrichtigkeit.

Während die Elterngeneration nach den dunklen Jahren ihre Erfüllung darin findet, die düstere Zeit zu verdrängen und aus dem physisch und moralisch zerbombten Deutschland ein Wirtschaftswunderland zu schaffen, stellt die 68er-Studentengeneration endlich die

Loading

Sauce hollandaise

François Hollande, ein Jurist aus Rouen, heißt der Kandidat der Parti Socialiste für die Präsidentschaftswahl im April 2012. Zunächst ein Verlegenheitskandidat, Favorit Dominque Strauss-Kahn war aus bekannten Gründen nicht abkömmlich, stehen die Chancen von Monsieur Hollande gut, nächster Präsident der Grande Nation zu werden.

In den Umfragen jedenfalls führt er vor Amtsinhaber Nicolas Sarkozy. Mit dem Mann ist also zu rechnen. Nun hat Hollande einen Heißluftballon steigen lassen.

Er will als Präsident den Spitzensteuersatz seines Landes auf 75 Prozent anheben, für Einkommen über eine Million Euro. 75 Prozent. Kann man machen. Wäre nur 100 Prozent Blödheit. Alles Quatsch mit Soße.

Aber es wäre nicht nur eine Dummheit, es wäre fatal. Denn ein Spitzensteuersatz von 75 Prozent würde jeden unternehmerischen Ehrgeiz und damit jede wirtschaftliche Dynamik von Grund auf zerstören.

Ein Beispiel aus einem Bereich, in dem ich mich ein wenig auskenne. Ein

Loading

Die Tagebücher der Eitelkeit und Gier

Packende Lektüre am Wochenende: Selling Hitler von Robert Harris. In diesem Buch zeichnet der englische Thriller-Autor überaus spannend die Historie der Hitler-Tagebücher nach.

Robert Harris, dessen politischen Thriller Ghost ich genossen habe, kann schreiben wie kein zweiter: kluger Aufbau, verschiedene Spannungsebenen, richtiges Timing, Präzision im jedem einzelnen Satz. Die schreiberische Qualität ist hoch, das ganze Werk ist genau recherchiert, man wird vom Thema gefesselt.

Die Nerven des Lesers werden routiniert gekitzelt, so dass man das Buch nicht aus der Hand legen kann. Aber die Geschichte um den Reporter Gerd Heidemann und den Fälscher Konrad Kujau macht es Robert Harris auch nicht gerade schwer.

Auf über 380 Seiten schreibt Harris wie ein solcher Skandal entstehen konnte und wie der Kauf der vermeintlichen Tagebücher schließlich so aus dem Ruder laufen konnte. Wie es denn sein konnte, dass ein gewitzter Reporter wie Gerd Heidemann sich so in diese dubiose Sache hineinziehen ließ, wieso die Journalisten und Manager bei Gruner + Jahr, dem Verlagshaus des stern, auf solch eine Räuberpistole haben hereinfallen können.

Aber nicht nur sie. Als man

Loading

Ernest Hemingway und Baron Franchetti speisen in der Trattoria De Mauri

Photo by W. Stock

Caorle/Italien, im September 2009

Wir suchen in der farbenprächtigen Altstadt nach einem schönen Restaurant für das Abendessen. In der Trattoria De Mauri deute ich auf das runde, bunte Holzschild, das vom Kaminsims baumelt.

Hemingway? Fragend hebe ich meine Stimme. Ja, Hemingway, meint die wohl 60-jährige blondierte Inhaberin, er habe hier oft gegessen, mit seinem Freund, dem Baron Raimondo Franchetti, und mit dem Besitzer des Restaurants, Alessandro de Mauri.

Trattoria De Mauri – Dove Hemingway, Franchetti, de Mauri soggiornarono steht auf dem Schild. Wo Hemingway, Franchetti und de Mauri sich einfanden. Hier werde der Fisch noch zubereitet wie zu Hemingways Zeiten.

Wenn der amerikanische Schriftsteller und der italienische Baron von der Entenjagd in der Lagune nordöstlich von Caorle zurück gekehrt seien, dann hätten sie oft den Tag in de Mauris Fischrestaurant ausklingen lassen. Ernest Hemingway bei De Mauri.

De Mauri heißt das schmale Restaurant, ein unscheinbarer weißer Bau auf der pittoresken Piazza San Pio X in Caorles Altstadt. Was ist aus dem Baron geworden, frage ich

Loading

Wolfgang Mewes: Der Meister des Engpasses

Im Juli 1989 besuchten Hero Kind und ich Wolfgang Mewes in Frankfurt am Main. Mewes, ein Betriebswirt und Herr im besten Alter, war der Erfinder der EKS, der Engpass Konzentrierten Strategie. Die EKS als durchdeklinierte Strategielehre umwallte im Deutschland der 1970er und 1980er Jahre eine legendäre Fama.

Wolfgang Mewes, der seine Theorie Anfang der 1970er Jahre für den Mittelstand entwickelt hatte, wollte sein Werk, das er als modularen Fernkurs vertrieb, in verlegerische Hände geben. Und ECON war für ihn ein Kandidat. Mewes empfing uns in seinem schmucklosen Konferenzraum und blieb mir als angenehmer und vor allem ziemlich aktiver Gesprächspartner in Erinnerung.

Der ECON Verlag und EKS hätten ein apartes Paar abgegeben. Qualitätsanspruch, Vermarktung, Internationalisierung – das hauptsächlich waren die Themen, über die wir sprachen. Hero Kind und ich mochten, dass bei der EKS jemand so klar und stringent von Strategie schrieb. Eigentlich definierte Mewes das Erfolgsgeheimnis der Hidden Champions des deutschen Mittelstandes.

Die EKS besaß auch deshalb ihre Stärke, weil

Loading

George Shearing spielt und singt „Send in the Clowns“

Send in the Clowns. Eine weitere Version. Und diese Fassung des Standards von Stephen Sondheim ist etwas ganz besonderes.

Nur Piano. Und Stimme. Sonst nichts.

Diese Ausnahme-Einspielung ist eine gute Gelegenheit, an diesen Ausnahme-Pianisten aus London zu erinnern. An den großen George Shearing.

Shearings Spiel trägt eine fragile Balance von Melodie und Rhythmus. Sein Send in the Clowns ist lyrisch und leise. Voll zerbrechlicher Poesie. Da glimmt ein Zauber, eine Magie leuchtet, die beweist, wie

Loading

Pappkamerad Karl

Photo by W. Stock

Berlin, im Februar 2012

Beim aufmerksamen Gang durch die Stadt fällt eines auf. An vielen Ecken wird die DDR verhätschelt und verniedlicht. Anstatt sich mit der Diktatur der SED auseinanderzusetzen, ziehen viele Menschen es vor, die kommunistische Willkür als eine mehr oder weniger knuffige und drollige Fussnote der deutschen Geschichte zu verharmlosen.

Vor dem Brandenburger Tor stehen Komparsen in DDR-Uniform, die Touristen für zwei Euro eins auf die Mütze geben. Auf den Flohmärkten findet man hübsche Orden und bunte Epauletten kommunistischer Provenienz, in den Buchhandlungen stehen die Werke mit den Spruchbeuteln der Ideologen, ganz so, als würde man über das antike Griechenland reden.

In der Ecke eines Geschäftes wurde ein alter Trabi hingestellt, in den man sich setzten darf, um heiter klassenloses Autofahren zu spielen und im Souvenirladen steht Oberdenker Karl als Pappkamerad oder Gipsbüste. Karl Marx. Gips. 21 Euro.

Diese Geschichtsklitterung ist gefährlich: Aus einem

Loading

Für jeden etwas…

gefunden in Berlin, im Februar 2012; Photo by W. Stock

Berlin, im Februar 2012

Auch wenn der Drang drängt, auf sprachliche Akkuratesse möge bitte geachtet werden.

Aber weshalb solch sich der Sprachpurist aufregen? Englisch plus Französisch in Deutschland. Mischmasch, sprachlich.

Loading

Das Berliner Olympiastadion macht keine Freude

Berlin, in Februar 2012, Photo by W. Stock

Berlin, im Februar 2012

Es ist das Fußballstadion der deutschen Hauptstadt. Das Berliner Olympiastadion. Dies ist ein Ort, an dem Spass und Ausgelassenheit regieren sollten.

Und doch habe ich ein Problem mit diesem Olympiastadion. Ich war da. Jedoch ein anderer auch. Man merkt es. Der Mann lastet auf diesem Ort.

Man bemerkt diesen Mann an der Architektur des Stadions. Ich kenne die Bauart. Aus Russland, aus der DDR, aus China. Wuchtige Klötze, gerade Linien, strenge Formen. Keine Schnörkel, nichts Verspieltes, keine Lebensfreude. Der Beton ist stark, der Mensch ist ein nichts.

Das war die Botschaft dieses Mannes. Hier im Stadion hat er seine Wahnideen und seine Mordtaten gefeiert. Deshalb mag bei mir keine rechte Freude aufkommen, an diesem Ort, selbst 70 Jahre später.

Dass man die diktatorischen Linien mit

Loading

Der freundliche Bäcker

gefunden in Berlin, im Februar 2012, Photo by W. Stock

Berlin, im Februar 2012

Wenn Du nicht lächeln kannst, dann mache kein Geschäft auf. Freundlichkeit gehört zur Grundvoraussetzung eines Ladeninhabers. Auch für Bäcker.

Warum muss Freundlichkeit extra betont werden? In Berlin. Gibt es hier auch unfreundliche Bäcker?

Loading

Seite 29 von 60

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén

Neuerscheinung:
364 Seiten, BoD
12,99 € (Paperback),
8,99 € (E-Book)
ISBN: 9783751972567
zu beziehen über jede Buchhandlung
oder online bei
amazon (hier klicken)